Tim Krohn Stürmische Bergromanze

Nach dem gefeierten Roman «Ans Meer» zieht es den Schweizer Schriftsteller Tim Krohn wortgewaltig in die Berge.
"Der Geist am Berg" (Galiani Berlin), das neue Buch von Tim Krohn.
© Fotostudio Schweizer Illustrierte Paul Seewer "Der Geist am Berg" (Galiani Berlin), das neue Buch von Tim Krohn.

«Bis vor Kurzem lebte etwas unterhalb des Gipfels des Piz Spiert eine Frau, die von allen stets nur die Stine gerufen wurde, obwohl sie längst kein Kind mehr war.» Tim Krohns Roman holt den Leser bei den ersten Zeilen ab und lässt ihn bis zum Schluss nicht mehr los. Man steigt mit Stine auf die steinerne Alp, wo sie mit Mutter und Knecht lebt. Rennt mit ihr steile Berghänge hinauf, spielt ihre Spielchen mit dem Schatten und verweilt inmitten ihrer Geissen beim Zuhören der einzigen Platte, die diese «nicht gefressen hatten, weil sie im Schlitz vom Plattenspieler steckte».

Als Stine ins gehasste Tal hinuntersteigt, weil das Leben auf der Alp immer schwieriger wird, die Ziegen von herabfallenden Steinen erschlagen werden und sie als Bardame ins Grandhotel muss, erbarmt man sich ihrer. Die junge, wilde Frau ist aber hart im Nehmen. «Die Stine dagegen war grob und kannte keine Umgangsformen. Doch sie beobachtete das Personal, wie sie am Berg die Gämse beobachtet hatte. Und wie die Gämsen sie das Klettern gelehrt hatten, lehrte sie jetzt das Personal.»

Krohns Sprache ist kantig wie das Gestein der Alpen, sprudelnd wie ein frischer Bergbach. Getragen vom Rhythmus der Worte, fliegt man atemlos über die Seiten des schmalen Büchleins, dessen Einband bereits ein sinnliches Vergnügen bereitet.

Die Illustrationen der jungen Innerschweizer Künstlerin Laura Jurt könnten nicht passender sein. Mit ihren klaren und aussagestarken Schwarz-Weiss-Bildern gelingt es ihr, die Stimmung der Geschichte einzufangen. Tim Krohn: «In Laura Jurt fand ich eine Zeichnerin, die so wendig, verträumt und sperrig sein kann wie die Stine.»

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