Schweizer Illustrierte Tag für Tag, Jahr für Jahr

Das Tagebuch von Nik Niethammer, Chefredaktor.
Tag für Tag, Jahr für Jahr
Tag für Tag, Jahr für Jahr

Beat Richner Woher nimmt dieser Mann die Kraft, das zu tun, was er seit zwanzig Jahren tut? Geld sammeln. Leben retten. Unter extremen Bedingungen. Tag für Tag.

Im Juli besuchte ich Dr. Beat Richner in Kambodscha. Ich war mit ihm eine Woche unterwegs. In den Spitälern in Siem Reap. Und in Phnom Penh. Ich sah Tausende von schwerst­ kranken Kindern. Ich sah Armut und unbeschreibliches Leid. Und ich sah, was Dr. Richner vor Ort leistet. Übermenschlich.

Beat Richner, warum weht keine Schweizer Flagge über Ihren Spitälern? – «Das wäre den Menschen gegenüber respektlos. Wir sind ein Schweizer Spital. Aber die Menschen, die hier arbeiten, sind Kambodschaner.»

Beat Richner ist ein Getriebener. Er steht um 5 Uhr auf, ist um 6 Uhr im Spital, frühstückt jeden Morgen am selben Tisch. Um 7 Uhr versammelt er 600 Ärzte und Schwestern zum Rapport, eilt dann durch die Bettenstationen, stellt unaufhörlich Fragen. Er trägt eine blaue Stoffhose und schwarze Schuhe, sein Gesicht ist sorgenvoll, sein Hemd schweissnass. Jeden Tag.

Beat Richner, warum nehmen Sie nie ein Kind auf den Arm? – «Ein Kind gehört in den Arm der Mutter. Ich finde es grauenhaft, wenn Entwicklungshelfer Babys in die Kameras von Fotografen halten.»

Beat Richner braucht Geld. Jeden Tag 70'000 Franken. So viel kosten die fünf Spitäler täglich. Der Kinderarzt sammelt Spenden, bettelt um Entwicklungsgelder. Jahr für Jahr. Diese Arbeit belastet ihn. Macht ihn dünnhäutig. Richner ist kein Diplomat. Er kritisiert Entwicklungsorganisationen und die Schweizer Regierung. «Solange ich in der Schweiz Steuern zahle, darf ich das.»

Beat Richner, bauen Sie noch ein Spital in Afrika? – «Nur wenn mir jemand 200 Millionen Dollar gibt. Ich könnte die Menschen hier niemals zurücklassen, ohne dass die Finanzierung von Kantha Bopha gesichert ist.»

Wenn Beat Richner traurig ist – und er ist oft traurig –, geht er in jenen Teil des Spitals, wo die Patienten entlassen werden. Er setzt sich auf die Bank neben der Apotheke, schaut den Müttern zu, die geduldig auf die Medikamente warten und ihre Kinder ganz fest an sich drücken. Dann lächelt er.

Beat Richner, sind Sie manchmal verbittert? – «Ich kämpfe gegen die Verbitterung an!»

Liebe Leserin, lieber Leser, ich bitte Sie von ganzem Herzen: Unterstützen Sie Dr. Beat Richner und seine Spitäler in Kam­bodscha. Jede noch so kleine Spende hilft heilen, rettet Leben (PC 80­60699­1).

Wie Beat Richner kämpft – und leidet ab Seite 52. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche mit Ihrer Schweizer Illustrierten!

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