Opel Ampera Und er bewegt sich doch

Selbstversuch: Wie schafft man so umweltschonend wie möglich die 1500 Kilometer nach Dänemark? Nur mit Strom geht es nicht – aber der Versuch macht Spass.
Grosse Fahrt: Wer gut plant und Zeit hat, kann den Ampera absolut umweltschonend bewegen.
© Heiner H. Schmitt Jr. Grosse Fahrt: Wer gut plant und Zeit hat, kann den Ampera absolut umweltschonend bewegen.

Natürlich ist es ärgerlich. Genau zwei Kilometer fehlen uns, dann hätten wir es geschafft, von Burgdorf bis zum Bahnhof in Lörrach rein elektrisch zu fahren. Aber die 91,2 Kilometer, die wir mit dem Opel Ampera ohne CO2-Emissionen zurückgelegt haben, die dürfen sich sehen lassen; wäre da vor Lörrach nicht noch der zwar sanft, aber lang ansteigende Hügel gewesen. Doch jetzt setzt, kaum spürbar, angenehm ruhig der Range-Extender ein, ein 1,4-Liter-Benzinmotor, der uns problemlos zum Verladeort für den Hotelzug nach Hamburg-Altona bringt.

DAS PROBLEM IST DIE REICHWEI TE

Der Plan ist einfach: Wir wollen nach Dänemark, ganz nach oben, nach Nord-Jütland in der Nähe von Skagen. Das sind rund 1500 Kilometer – eine Strecke, für die ein Elektroauto, und als solches gilt der Opel Ampera, eigentlich nicht geeignet ist. Der Opel verfügt über eine Batterie, mit der er zwischen 60 und 90 Kilometer rein elektrisch fahren kann, und dazu über besagten Range-Extender, der die Reichweite auf über 500 Kilometer vergrössert. Das grösste Problem eines EV, die Reichweite, ist mit dieser Konstruktion Schnee von gestern.

Wir haben ein paar Ideen, wie wir die Reise mit einem so geringen Verbrauch wie nur möglich schaffen könnten. So werden wir rund 900 Kilometer der Strecke mit dem Autozug der Deutschen Bahn zurücklegen, von Lörrach über Nacht nach Hamburg-Altona. Das ist nicht nur bequemer, sondern eben auch – modern, zeitgemäss, umweltbewusst. Und die Kinder lieben es. Das Verladen des Opel Ampera ist spannend, das Warten neben dem Zug, bis alle Autos über die Rampe gefahren sind, macht ihnen sicher mehr Spass als ein paar Stunden auf der Autobahn, und das Übernachten im Hotelzug ist für sie auf jeden Fall erholsamer als im Kindersitz. Dazu kommt der Aspekt der Sicherheit: 900 Kilometer ohne Stress sind für den Piloten Gold wert. Ganz billig ist der Spass nicht, und nur wer frühzeitig reserviert, erhält die günstigen Tarife.

Kurz nach acht Uhr morgens kommen wir in Hamburg-Altona an. Im Vorfeld haben wir uns über www.lemnet.org informiert, wo die nächste Stromtankstelle ist. Dort hängen wir den Ampera an den Strom (die Nutzerkarte hatten wir uns im Vorfeld besorgt, abgerechnet wird über die Kreditkarte) – und gehen unterdessen ausführlich frühstücken. In Deutschland ist es kein Problem, den Ampera wieder zu «tanken», die Steckdosen sind mit 32 Ampère abgesichert, es geht ziemlich schnell, bis der Opel aufgeladen ist, nach etwas mehr als zwei Stunden Wartezeit fahren wir mit fast 100 Prozent Batterieleistung weiter Richtung Flensburg.

DANN SCHNELL MAL «TANKEN»

In Neumünster, etwas mehr als 60 Kilometer nördlich von Hamburg, hätte es wieder eine Ladestation, doch wir wollen ja ein bisschen vorwärtskommen und fahren deshalb zuerst rund 70 Kilometer unter Strom, dann gut 90 Kilometer bis nach Glücksburg, wo es eine Park&Charge-Station hat. Unterdessen ist es schon fast Zeit zum Mittagessen. Den Umweg nehmen wir in Kauf, es hätte näher bei der Autobahn eine andere, private Möglichkeit, doch bei Park&Charge befindet sich eine «schnelle» Möglichkeit, und die wollen wir nutzen. Es dauert nicht einmal eine Stunde, schon sind wir wieder unterwegs. Die Kosten für einmal «laden»: 4,50 Euro.

Doch jetzt wird es düster. In ganz Dänemark gibt es bisher genau zwei Stromtankstellen – beide liegen nicht an unserem Weg. Das ist ziemlich enttäuschend, denn gerade Dänemark unternimmt grosse Anstrengungen in Sachen E-Mobilität. Irgendwann soll es in dem Land, das dank Windkraft grosse Mengen Ökostrom produziert, eine halbe Million Stromtankmöglichkeiten geben.

Doch unser Ampera ist ja «vollgetankt», sowohl mit Strom als auch mit Benzin. Dänemark ist sehr flach, wir rollen schön mit 130 km/h durchs Land. Und schaffen die etwas mehr als 400 Kilometer, die uns bis zu unserem Ferienziel noch fehlen, dank der vollen Batterie, die uns die ersten 80 Kilometer antreibt, mit einem Durchschnittsverbrauch von 3,7 Litern. An unserem Ziel angekommen, haben wir für die theoretisch 1480 Kilometer Wegstrecke weniger als 20 Liter Benzin verbraucht. Und dies mit drei Personen im Auto sowie jeder Menge Gepäck.

In unserem Ferienhaus wollen wir den Ampera an den Strom anschliessen. Doch da geht dann für einmal gar nichts – es fehlt uns der entsprechende Adapter für die Steckdose. Den konnten wir zwar schnell auftreiben, doch es geht immer noch nichts, denn in Dänemark verfügen anscheinend nicht alle Häuser über geerdete Leitungen, und ohne Erdung fliesst kein bisschen Strom. Doch in einem Hotel in der Nähe finden wir dann eine entsprechende Steckdose, und wir können unsere Ausflüge wieder absolut umweltschonend unternehmen.


WO KANN MAN «TANKEN»?

REISEPLANUNG
Es gibt im Internet verschiedene Quellen für das Finden von Stromtankstellen. Die beste, weil aktuellste und am einfachsten zu bedienende, ist vielleicht www.lemnet.org. Schön ist die Site nicht, aber hilfreich. Für die Schweiz werden derzeit (Stand Ende Oktober 2011) etwas über 800 Einträge angezeigt, darunter viele private Stationen, die aber öffentlich (teilweise nach Voranmeldung) zugänglich sind. Es kommen aber auch vermehrt Navigationssysteme auf den Markt, auf denen die Stromtankstellen ebenfalls verzeichnet sind.

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