Schweizer Illustrierte Was den Bösen zittern lässt

Das Tagebuch von Nik Niethammer, Chefredaktor
Was den Bösen zittern lässt
Was den Bösen zittern lässt

Kilian Wenger Die Schweiz hat einen neuen Liebling. Er ist 20 Jahre alt, 1,90 Meter gross, 103 Kilo schwer. Er hat Oberarme wie Baumstämme, sein Händedruck ist fest wie ein Schraubstock. Er trägt Silberschmuck im linken Ohr und liebt Mutters Hackbraten über alles.

Schwingerkönig Kilian Wenger ist ein Bild von einem Mann. In einer Umfrage wählten ihn 46 Prozent zum begehrtesten Single der Schweiz. Frauen wünschen sich ihn als Beschützer, wir Männer würden ihm sofort unseren Schlagbohrer ausleihen.

Meine Kollegen vom Sport-Ressort hatten einen guten Riecher, als sie Ende Juli Reporter Thomas Renggli ins Diemtigtal schickten. «Da wohnt ein junger Schwinger, ein Jahrhunderttalent, der könnte am Eidgenössischen nach der Krone greifen.»

Unsere Reportage mit dem Titel «Der zarte Böse» erschien am 2. August – 20 Tage später legte Wenger im Schlussgang Martin Grab aufs Kreuz und holte sich überlegen den Titel.

Vergangenen Freitag fuhren wir erneut ins Diemtigtal und trafen auf einen jungen Mann, dessen Leben seit einer Woche auf den Kopf gestellt ist: Plötzlich laufen Lokalfernsehreporter mit Kameras durch sein Schlafzimmer, vor dem Haus türmen sich Kartonschachteln mit Kaffeemaschinen von Firmen, die sich als Sponsoren empfehlen. Und der Briefträger schleppt Fanpost auf den Horboden.

Eigentlich wollte Kilian Wenger in den letzten Tagen nur noch seine Ruhe. Aber für die Schweizer Illustrierte machte er eine Ausnahme. SI-Sportchef Iso Niedermann begleitete den Hünen zum Foto-Shooting in den «Lenkerhof», besuchte mit ihm Schwester Fränzi in Lenk, wo sie in einem Sportgeschäft ihre Lehre macht. Und blätterte mit ihm im Familienalbum.

Dabei begann Wenger plötzlich zu lachen. Er tippte auf ein Bild, das ihn als jungen Schüler auf einer Bühne zeigt. «Das war beim Schulschluss-Theater. Ich hatte die Hauptrolle, hiess Johnny. Es war ein Stück, das im Wilden Westen spielte.» Wenger ein Schauspieler? Er, den sie in der Schwingerszene den grossen Schweiger nennen, weil er lieber schwingt als spricht? Er habe das Theaterspielen immer gemocht, so der Berner Oberländer. «Es macht mir nichts aus, im Vordergrund zu stehen. Das Einzige, was nicht gerade meine Stärke ist, ist auf wildfremde Menschen zuzugehen. Da habe ich gewisse Hemmungen.»

Gerade das macht «Kilu» Wenger so sympathisch: Der Mann ist entwaffnend offen. Und ruht in sich. Er wirkt echt. Ist kein Blender, kein Bugwellen-Typ. Der Mann ist Natur pur.

Gibt es im Leben des jungen Helden wenigstens ein kleines Geheimnis? Unserem Sportchef verriet der neue Schwingerkönig, wovor er Angst hat: «Nur Spinnen und Spritzen bringen mich ins Schwitzen.»

Das neue Leben des Kilian Wenger – ab Seite 16.

Ich wünsche Ihnen viel Lesespass mit Ihrer Schweizer Illustrierten!

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