SwissAward 2010 Wer wird «Schweizer des Jahres?»

Anfang Januar ist es wieder soweit: Beim SwissAward 2010 werden fünf Persönlichkeiten ausgezeichnet und der «Schweizer des Jahres» 2010 gewählt. Die «Schweizer Illustrierte» stellt Ihnen die Nominierten vor.

KULTUR: Ammann schliesst, Abonji gewinnt, Suter schreibt

Egon Ammann, 69: Nominiert als erfolgreicher Verleger, der in knapp 30 Jahren über 900 Titel veröffentlicht. Er prägt die literarische Landschaft der Schweiz mass­geblich. Ammann zieht Mitte vergangenen Jahres einen Schlussstrich und schliesst sein Lebenswerk, den Ammann Verlag. Damit endet eine unvergleichliche Erfolgsstory. Neben wichtigen Schweizer Autoren hat Ammann auch internationale Schriftsteller verlegt.
Startnummer 02

Melinda Nadj Abonji, 42: Nominiert als Shootingstar unter den Schweizer Literaturschaffenden. Mit ihrem grandiosen Roman «Tauben fliegen auf» gewinnt sie dieses Jahr den Schweizer und den Deutschen Buchpreis – als erste Schweizerin überhaupt. Mit grossem Einfühlungsvermögen zeichne das Buch «das vertiefte Bild eines gegenwärtigen Europa im Aufbruch», begründet die Jury in Frankfurt ihre Wahl.
Startnummer 11

Martin Suter, 62: Nominiert als regelmässiger Bestseller­autor und erfolgreichster Schriftsteller der Schweiz. Suter ist auch 2010 äusserst produktiv und erhält für «Business Class» den Swift-Preis für Wirtschaftssatire. Er veröffentlicht den Roman «Der Koch», der monatelang die Bestsellerliste anführt, und verfasst das Drehbuch des neuen Films «Small World» mit Gérard Depardieu. Zusammen mit Stefan Eicher schreibt er das Singspiel «Geri». Startnummer 17

WIRTSCHAFT: Müller, Richterich, Spuhler managen mit Herz

Hans-Ulrich Müller, 60: Nominiert  als Retter von über 250 Arbeitsplätzen und als Banker mit Herz für die KMU. Nach dem verkündeten Aus der Kartonfabrik Deisswil tritt der Leiter der Credit Suisse Mittelland selber als Investor auf. Hans-Ulrich Müller will mit dem neu gegründeten Bernapark möglichst viele Arbeitsplätze erhalten. 2001 gründet er zudem den Swiss Venture Club, eine Plattform für die Schweizer KMU. Startnummer 10

Felix Richterich, 52: Nominiert als Unternehmer, der sein Kräuterbonbon Ricola weltweit als Nummer 1 positioniert hat. Marketing-Profi Felix Richterich, der das Familienunternehmen in der dritten Gene­ration führt, macht Ricola mit dem Slogan «Wer hats erfunden?» auch im Ausland zum Kult. Der Betrieb in Laufen BL mit 350 Angestellten setzt über 316 Millionen Franken um und exportiert Bonbons und Tees in 50 Länder. Startnummer 14

Peter Spuhler, 51: Nominiert als visionärer Unternehmer, der dank seinem Geschick, Mut und einer gewissen Risiko­bereitschaft grosse Erfolge feiert. Stadler Rail hat 2010 drei grosse Werke eingeweiht. Über Monate verteilt, kauft Spuhler Aktien von Rieter. Jetzt, wo die Krise vorbei ist, gehört SVP-­Nationalrat Spuhler zu den Gewinnern. Rieter schreibt wieder Gewinn. Innert zweier Jahre hat er seine Investition verdreifacht. Startnummer 16 

SHOW: Bligg rockt, Sophie betört, Nock balanciert

Bligg, 34: Der Zürcher Musiker baut Brücken zwischen Generationen und Kulturen, Rap und Volksmusik. Sein neues Album «Bart aber herzlich» hat sich über 90'000 Mal verkauft. Und die aktuelle Single «Legändä & Heldä» schiesst direkt auf Platz 1 der Hitparade. Bereits sein Werk «08/16», auf dem der Musiker Hip-Hop- und Poprock-Elemente mit Jodeleinlagen, Hackbrett und Akkordeon vereint, brach alle Verkaufsrekorde. Startnummer 04

Sophie Hunger, 27: Die Berner Sängerin schafft es, mit ihrer zeitlosen Musik alle Genera­tionen anzusprechen. Sie füllt mit ihren melancholischen Nummern die Konzertlokale von Prag bis Paris. Ihre neue CD «1983» schafft es auf Anhieb auf den ersten Platz der Swiss-­Album-Charts. In Montreux tritt die Sängerin und Songwriterin in der Miles Davis Hall auf und zieht während fast zweier Stunden mit ihrer Band das Publikum in ihren Bann. Startnummer 07

Freddy Nock, 46: Der Aargauer Hochseilartist begeistert mit seinen Aktionen und Re­korden. Er legt 900 Meter auf einem 13 statt wie üblich 22 Millimeter dicken Seil vom Bellevue zum Hafen Enge zurück. Noch nie zuvor hat ein Akrobat diese Distanz über Wasser auf einem Seil geschafft. Zudem bezwingt der Artist international unzählige Seilbahnen, balanciert über Brücken und hält auf einem zwischen Hochhäusern gespannten Seil das Publikum in Atem. Startnummer 12

POLITIK: Bruderer, Ogi, Leuenberger bauen, Sommaruga hilft

Pascale Bruderer, 33, ist jung, clever und souverän. Seit 2002 sitzt die Aargauer SP-Politikerin im Nationalrat, dem sie 2010 als Präsidentin vorstand. «Brücke der Generationen» lautete das Motto ihres Präsidialjahrs. Es sollte mass­gebend sein für ihren Kontakt mit der ­Be­völkerung. Neben ihrem politischen Amt engagiert sich Bruderer für die Stiftung ­Integration, eine Plattform, welche die Zu­sammenarbeit zwischen den Generationen fördert. Startnummer 05

Adolf Ogi, 68, und Moritz Leuenberger, 64: Mit dem Jahrhundert-Durchstich am Gotthard-Basistunnel wird die Neat bald Realität. Adolf Ogi ist ihr Vater. Er ist ein Visionär für modernen, ökologischen Transportverkehr in Europa. Alt Bundesrat Moritz Leuenberger erbte seine Vorarbeit und sorgte für die Finanzierung der 18,7 Milliarden Franken teuren Neat. Startnummer 13

Cornelio Sommaruga, 78: Der Jurist kämpft mit Herzblut und unermüdlichem Einsatz für ein weltweites Minen- und Streubomben­verbot. Ein erster Schritt gegen die brutalen und sinnlosen Waffen ist erreicht: Der Bundesrat hat ein Verbot gutgeheissen. Seit seinem Rücktritt als IKRK-Präsident 1999 hat Sommaruga diverse Mandate in humanitären Organisa­tionen inne. Startnummer 15

GESELLSCHAFT: Aebischer, Gianotti, Kaufmann & Maibach

Patrick Aebischer, 56: Nominiert für seinen Erfolg, die EPF Lausanne als eine führende Hochschule in Europa zu positionieren. Patrick Aebischer bringt die École polytechnique fédérale de Lausanne zu wissenschaftlichem Weltruhm. Die Einweihung des Learning Centers ist der neuste Coup der Hochschule, die – von der Deutschschweiz fast unbemerkt – aus dem Schatten der ETH Zürich herausgetreten ist. Startnummer 01

Fabiola Gianotti, 48: Nominiert für den sensationellen Erfolg einer erstmaligen Teilchenkollision am Cern in Genf. Fabiola Gianotti ist verantwortlich für das Atlas-Experiment am Large Hadron Collider (LHC). Die Teilchenkollision ist die Frucht von beinahe zwanzig Jahren Arbeit. Die Atlas-Kollaboration besteht aus fast 3000 Physikern aus 169 Institutionen, 37 Ländern und fünf Kontinenten. Startnummer 06

Marianne Kaufmann, 27, und Rolf Maibach, 67: Nominiert für ihren couragierten und unermüdlichen Einsatz in Haiti vor allem nach dem verheerenden Erdbeben vom Januar 2010. Seit 14 Jahren arbeitet der Arzt Rolf Maibach im Albert-Schweitzer-Spital in Deschapelles auf Haiti. Die junge Pflegefachfrau Marianne Kaufmann ist der gute Engel des Spitals. Startnummer 09

SPORT: Ammann fliegt, Kaeslin turnt, Wenger thront

Simon Ammann, 28, als Sportler des Jahres 2010: Der Skispringer gewinnt im vergangenen Jahr zwei Goldmedaillen an den Olympischen Spielen in Vancouver – sowohl auf der Normal- wie auf der Grossschanze. Als nunmehr vierfacher Einzel-Olympiasieger ist er der erfolgreichste Skispringer aller Zeiten. Der Toggenburger krönt das Jahr zudem mit dem Gewinn des Gesamtweltcups – als erster Schweizer überhaupt. Startnummer 03

Ariella Kaeslin, 23: Hauchdünn verpasst die Turnerin an der Weltmeisterschaft in Rotterdam eine Medaille. Nur 16 Tausend­stelpunkte fehlen der Luzernerin für eine Bronzemedaille in ihrer Paradedisziplin, dem Pferdsprung. Die Sportlerin des Jahres 2008, 2009 und 2010 überzeugt mit ihrer er­frischenden Art nicht nur die Punkterichter, sondern auch die Schweizer Fans. Startnummer 08

Kilian Wenger, 20: Nominiert als Schwingerkönig 2010. Der Berner Oberländer dominiert am Eidgenössischen wie seit Jahrzehnten kein Schwinger mehr: acht Gänge, acht Siege. Unter anderem bodigt er den amtierenden Schwingerkönig Abderhalden Jörg. So spektakulär sein Triumph, so unaufgeregt gibt sich der angehende Zimmermann auf dem ­Schwinger-Thron. Mit seiner bescheidenen Art verdient er sich den grössten Respekt.
Startnummer 18

Kaeslin, Wenger und Ammann stehen lediglich bei der Kürung zur Schweizerin respektive zum Schweizer des Jahres zur Wahl.

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