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25 Jahre nach «Over the Hump»

Auf Tuchfühlung mit der Kelly Family

Sie waren die Superstars der Neunziger. Jetzt ist die Kelly Family zurück – erwachsener, aber nicht weniger erfolgreich. Ein Blick hinter die Kulissen der berühmtesten musizierenden Grossfamilie der Welt.

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Patricia Kelly auf dem Weg zur Bühne. Sie hat sich beim letzten Konzert das Knie verknackst.

Thomas Buchwalder

Einatmen, ausatmen, versuchen, die zitternden Hände unter Kontrolle zu bringen. Nervös tänzelt Sabrina von einem Fuss auf den anderen. Für die übrigen Leute in dem kargen, kühlen Gang im Backstage-Bereich des Zürcher Hallenstadions hat sie keinen Blick übrig.

Das «Meet & Greet» mit der Kelly Family habe sie bei einem Wettbewerb auf Facebook gewonnen, erzählt die St. Gallerin. «Ich bin ein Riesenfan. Ihre Musik hat mich durch meine Kindheit und Jugend begleitet. Dafür möchte ich ihnen einfach mal Dank sagen.»

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Angelo Kelly signiert das Fan-Shirt von Sabrina. Sie ist extra aus St. Gallen angereist.

Thomas Buchwalder
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Dann kommen sie endlich durch die Tür. Einer nach der anderen: Kathy, 56, Paul, 55, John, 52, Patricia, 50, Jimmy, 48, Joey, 47, und Angelo, 38. Als Angelo Kelly auf Sabrinas Shirt unterschreibt, glitzern ihre Augen bereits. Als Patricia sie dann in den Arm nimmt, kann Sabrina ihre Freudentränen nicht mehr zurückhalten.

«Der totale Wendepunkt»

So wie Sabrina erging es vor 25 Jahren Millionen von Teenagern. Wo auch immer die Familie irischer Abstammung auftauchte, löste sie Kreischalarm und Massenhysterie aus. Bis heute hat die Kelly Family über 20 Millionen Tonträger verkauft, ihr grösstes Konzert spielte die Musikfamilie vor 25'000 Menschen. «Schuld» an all dem war das Album «Over the Hump», dessen 25-Jahr-Jubiläum die Kelly Family mit der aktuellen Tour feiert.

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13'000 singen mit im ausverkauften Hallenstadion in Zürich. Für das Konzert am 7. Februar in Basel gibts noch Tickets.

Thomas Buchwalder

«Der totale Wendepunkt in unserem Leben», erzählt Angelo Kelly und lässt sich auf ein Sofa in Joeys Garderobe sinken. Zuvor zogen die neun Kelly-Kinder mit ihrem Vater Dan als Strassenmusiker durch Europa. «Wir hatten eine tolle Kindheit», ergänzt Joey.

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Vor dem Soundcheck ruft der vierfache Familienvater Joey Kelly noch kurz zu Hause an.

Thomas Buchwalder

«Wir hatten einander und die Musik. Die Schule oder Schulfreunde haben wir nicht vermisst – wir kannten das ja nicht.» Auch Angelo, der zehn Monate alt war, als seine Mutter Barbara-Ann an Krebs starb, sagt, ihm habe nichts gefehlt: «Meine Geschwister haben mich sehr liebevoll mit aufgezogen und beschützt.»

«Reisst euch mal zusammen!»

Langsam steigt die Nervosität. Bevor es auf die Bühne geht, muss noch unbedingt eine kurze Videobotschaft für die Fans auf Social Media her. Also alle noch mal raus aus den Garderoben und im Gang aufreihen. «Hallo, wir sind die Kelly Family, und wir sind – wo sind wir?» Grosses Gelächter, Augenrollen. «Jetzt kommt schon, reisst euch mal zusammen!» Im dritten Anlauf klappts.

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Ritual: Hinter der Bühne klatschen sich alle Musiker der Kelly Family vor ihrem Auftritt noch mal ab.

Thomas Buchwalder

Das Verhältnis zwischen den Geschwistern ist nach wie vor eng, auch wenn sie inzwischen alle an verschiedenen Orten leben, ihre Familien haben und ihr eigenes Ding machen.

Vom Musiker bis zum Extremsportler

Als Dan Kelly 2002 starb, verschwand die Kelly Family in der Versenkung. «Wir waren eigentlich alle überrascht, dass das nicht schon früher geschah», sagt Angelo. Das Leben fernab vom Rummel habe ihnen gut getan. Viele der Geschwister Kelly blieben bei der Musik – Familienvater Angelo geht nächstes Jahr mit seiner eigenen siebenköpfigen Familie auf Tour, Patricias Soloalbum «One More Year» erscheint im März.

Andere beschritten ganz neue Wege. So machte sich Joey Kelly einen Namen als Extremsportler. Durch Zufall: «Ich schloss eine Wette ab, dass ich es schaffe, einen Marathon zu laufen. Im Ziel bin ich fast krepiert und habe geschworen, das nie wieder zu machen. Aber es ist anders gekommen.» Inzwischen ist er zum Beispiel schon zweimal den Zürich Marathon gelaufen.

Jetzt ist es aber Zeit für den Sprint auf die Bühne.

18 Minuten hat es gedauert, bis das erste Comeback-Konzert nach 15-jähriger Pause ausverkauft war. «Wir waren geschockt», gesteht Patricia. «Wir dachten, da kommen vielleicht noch ein paar Tausend Leute.» Falsch gedacht. Die Kelly Family spielt wieder in komplett ausverkauften grossen Hallen und verlängert die aktuelle Tour bis Ende Februar.

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Kathy Kelly wirft sich in ihr Bühnenoutfit. Sie tritt trotz angeschlagener Stimme auf.

Thomas Buchwalder

Schön sei, dass inzwischen trotz erneutem Erfolg nicht mehr jeder einen Bodyguard brauche, wenn er rausgehe, sagt Patricia. «Nicht nur wir, sondern auch unsere Fans sind erwachsen geworden.» In den Hotels checken sie allerdings nach wie vor unter falschen Namen ein. «Sonst werden wir immer noch belagert.»

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John Kelly backstage im Hallenstadion Zürich, kurz bevor er auf die Bühne geht und seine Fans begrüsst.

Thomas Buchwalder

Endlich ist es so weit, die ersten Töne des Hits «Why Why Why» erklingen, 13'000 Kehlen singen in Zürich ab dem ersten Ton mit. Natürlich auch Sabrina aus St. Gallen, die inzwischen vor der Bühne steht und ihr grosses Fan-Glück kaum fassen kann. «Das ist der schönste Tag meines Lebens!»

Von Sandra Casalini am 05.01.2020
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