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Kaya Yanar ärgert sich

«Blumen sind wichtiger als Kultur»

«Wir Künstler sind anscheinend nicht systemrelevant», sagt Kaya Yanar. Der deutsche Komiker hat nun in der Krise eine neue ­Leidenschaft gefunden und als Hypochonder auch einige Symptome entdeckt.

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Kaya Yanar, 46, lebt seit 2012 mit seiner Schweizer Ehefrau in Zürich. Bekannt wurde er mit der TV-Show «Was guckst du?!».

Daniel Preprotnik

Kaya Yanar, wie fühlen Sie sich als Wahlschweizer hier derzeit aufgehoben?
Eigentlich ganz gut. Vor allem solange das Wetter mitmacht, kann man sich bei den schönen Landschaften hier gut entspannen und ablenken.

Wie macht sich unser Bundesrat?
Das wird sich noch zeigen. Grundrechte beschneiden ist einfach, sie aber wieder zu installieren, wird spannend. Ich hoffe, das geht zügig.

Und wie machen sich die Schweizer in der Krisenbewältigung?
Der Bundesrat hat die Bevölkerung ja gelobt, die Zahlen entwickeln sich gut. Wobei ich das schon bemerkenswert finde, wie ambivalent die Risikogruppe mit den Massnahmen umgeht. Beim Wandern sind mal Omas augenrollend schon in 15 Metern Entfernung vor mir in die Büsche geflüchtet, ein anderes Mal haben Rentner den Wanderweg blockiert, weder mit Abstand noch mit Anstand.

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Welche Klischees sehen Sie nun in der Corona-Krise bestätigt?
In der Krise zeigt sich der Charakter. Und ich habe schon alles erlebt: Blockwartmentalität, Jugendliche, denen ­alles egal ist, renitente Rentner mit Wohlstandstrotz, aber auch vernünftige, höfliche Menschen. Vor allem Leute, die unsere Gesellschaft am ­Laufen halten, verdienen den höchsten Respekt – wie Ärzte, Krankenpflegerinnen und Kassiererinnen.

Sie sind mit einer Schweizerin verheiratet. Tun sich in der Isolation neue kulturelle Unterschiede auf?
Überhaupt nicht. Meine Frau ist froh, dass ich mal zu Hause bin. Wir ge­niessen die Zeit sehr, weil wir wissen, dass es irgendwann wieder mit dem nor­malen Wahnsinn weitergeht. Sie ist ohnehin ein Ruhepol, trägt Zen in sich, obwohl sie keine Buddhistin ist. Das hilft bei einem Chaoten wie mir.

Ihre Frau beschreibt Sie in Ihrem Buch «Das ist hier aber nicht so wie in Deutschland!» als Hypochonder. Welche Symptome hatten Sie schon?
Alles ausser Husten. Ein Bandscheibenvorfall entpuppte sich als einfache Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit als Schlafmangel und Kopfschmerzen als einfache Doofheit.

Schauen Sie die News zu Corona eigentlich im deutschen oder Schweizer Fernsehen?
Ich gucke schon lange kein TV mehr und informiere mich im Internet. Damit meine ich keine durchgeknallten Typen, die gerade mal ne Kamera gerade halten können, sondern Talkshows mit Virologen, Podcasts und so weiter. 

Wie blicken Sie auf unseren grossen Nachbarn, Ihre Heimat?
Meine Heimat ist in der Schweiz, und hier fühle ich mich wohl. Aber ich würde gerne auftreten, egal ob in der Schweiz oder in Deutschland.

Worüber regen Sie sich aktuell auf?
Dass wir Künstler anscheinend nicht systemrelevant sind. Wir können nicht planen, weil man in Deutschland nicht definieren will, was eine Grossveranstaltung ist. Und in der Schweiz sind Blumenläden wichtiger als Kultur. Vielleicht, damit man Leuten, die keinen Abstand halten, einen Blumenstrauss ins Gesicht werfen kann.

Über was freuen Sie sich?
Auf das gute Wetter und viel Freizeit. Endlich die Dinge tun, für die man nie Zeit hat. Bücher lesen, Wandern und den Keller aufräumen ...

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Im März 2019 hat Wahlschweizer Kaya Yanar sein Buch «Das ist hier aber nicht so wie in Deutschland!» veröffentlicht und stellt darin fest, wie viele Schweizer Eigenheiten er inzwischen angenommen hat.

Getty Images

Was tun Sie jetzt, da so gut wie nichts möglich ist?
Möglich ist immer was. Es ist ja nicht so, dass man eingesperrt ist, man muss sich selbst unterhalten. Brettspiele, Kartenspiele, Videospiele, Filme – Entertainment gibts genug. Man kann auch eine Sprache lernen (lacht).

Sie haben eine Zweitkarriere als Game-Streamer auf Twitch gestartet. Jeder kann Ihnen beim Spielen ­zuschauen. Was ist die Faszination?
Für mich sind Spiele nur Mittel zum Zweck – nämlich die Leute zu unterhalten. Ich bin halt Entertainer, egal ob auf der Bühne, im TV oder im Internet.

Im Spiel «GTA V: Online» tanzen Sie als Hakan in der Disco, laufen durch die Gegend und begegnen in der virtuellen Welt anderen Spielern. Lässt sich so der fehlende soziale Kontakt kompensieren?
Zumindest lässt sich so Spass haben! Ich bin begeistert von dieser Form des Spielens. Es ist wie ein virtuelles Thea­ter, in dem jeder seine Rolle spielt. Für mich als Schauspieler ist das perfekt. Und sicherlich ist es, wenn auch reduziert, eine Form von sozialem Kontakt.

Basler Fasnacht, Sechseläuten, Oktoberfest – welche Absage tat Ihnen am meisten weh?
Meine eigenen Auftritte.

Was war bisher die grösste Krise, die Sie zu bewältigen hatten?
Die Scheidung meiner Eltern. Ich war Teenager, hatte bereits mit der Pubertät, mit mir und dem Sinn des Lebens zu kämpfen, als mir auch noch der ­Teppich unter den Füssen weggezogen wurde.

Wie gehts Ihren beiden Katzen?
Mein Lieblingskater freut sich sehr, dass sein Buddy den ganzen Tag da ist. Die Katze meiner Frau ist ohnehin bekloppt und will nur bei ihr sein. Meine Frau steht halt auf Problemfälle.

Von Aurelia Robles am 30.04.2020
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