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ZFF-Gast Cate Blanchett

«Kinder loszulassen, ist das schwierigste»

Sie ist Oscarpreisträgerin und vierfache Mutter: Cate Blanchett reist für das Zurich Film Festival nach Zürich. Wer sie begleitet, was ihr Zeit bedeutet und wo sie Ruhe vom Stress findet, verrät die Australierin im Interview mit der Schweizer Illustrierten.

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Oscarpreisträgerin Cate Blanchett beehrt zum zweiten Mal das Zurich Film Festival.

Dukas

Da zappe ich durchs Abendprogramm, und auf dem Bildschirm erscheint Cate Blanchett, 50, als böse Stiefmutter Lady Tremaine in der Verfilmung des Disney-Klassikers «Cinderella». Die australische Schauspielerin beehrt auch bald das Zurich Film Festival. Am 5. Oktober 2019 wird die wandelbare Actrice mit dem Golden Icon Award ausgezeichnet. Sie wiederum übergibt am selben Abend als Botschafterin der Luxusuhrenmarke IWC an deren Gala den Filmmaker Award 2019. «Cinderella» ist zu Ende. Doch meine Zeit mit Cate Blanchett beginnt erst.

Mrs. Blanchett, es kommt nicht jeden Tag vor, dass ich von einem Hollywood-Star angerufen werde …
Bitte nennen Sie mich Cate. Es tut mir leid, dass ich Sie warten liess. Ich war gestern noch in Toronto, wo ich zurzeit einen neuen Film drehe, und seit heute in Venedig. 

Wie spät ist es jetzt bei Ihnen? 
Es ist eins. Nein, das stimmt nicht. Es ist genau 13.13 Uhr. 

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Haben Sie gerade auf Ihre IWC-Uhr geschaut? Sie sind ja Botschafterin für diese Schweizer Marke. 
(Lacht.) Ja, genau! Ich trage eigentlich immer die gleiche, eine Da Vinci Automatic. 

Haben Sie eigentlich zwei Uhren? Eine, welche die Zeit bei Ihnen zu Hause anzeigt, und eine mit der Zeit des Ortes, wo Sie gerade sind? 
Dann müsste ich, glaub, sieben Uhren tragen. Einen Tag bin ich in Sydney, dann Tokio, Peking, Los Angeles, New York, London etc. Aber ich habe ein Ritual: Sobald ich irgendwo ankomme, passe ich auf meiner Uhr die Ortszeit an und damit auch meine innere Uhr. Das hilft gegen Jetlag – reine Kopfsache. 

Hat Zeit für Sie als  Mutter von vier Kindern einen besonders hohen Stellenwert? 
Ich glaube, das hat Zeit für jeden Menschen – egal ob man Eltern ist oder welchen Job man ausübt. Man hat nie genug Zeit. Aber sie haben Recht. Ich manage ja nicht nur meine Agenda, sondern auch die unserer Familie. Zudem sind wir als Eltern beide berufstätig und unsere Arbeit führt uns und unsere Familie in viele verschiedene Zeitzonen. Das ist sehr kompliziert. Dadurch ist Zeit für mich besonders wertvoll. 

Denken Sie manchmal, dass die Zeit viel zu schnell vergeht? 
Das Problem ist, dass man stets versucht, zu viel zu machen. Dann bekomme ich dieses Gefühl, nicht genug Zeit zu haben. Aber das Interessante ist, dass für Kinder die Zeit viel langsamer zu laufen scheint. Während dieser Sommerferien konnte ich meinen Kids richtig ansehen, dass sie jegliches Zeitgefühl verlieren. 

Und doch haben Sie in Ihrem Leben schon so unglaublich viel erreicht!
(Überlegt) Ja, das ist wahrscheinlich so. Obschon ich eigentlich nie denke: Hmmm, das ist eine wunderbare Errungenschaft. Ich denke immer an das was noch kommt. Den nächsten Berg, den es zu besteigen gilt. Die nächste Herausforderung. Ein Ziel, das unmöglich scheint, versuchen zu erreichen. Das hält mich am Laufen.

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Für ihre Darbietung in «Blue Jasmine» gewinnt Blanchett 2013 den Oscar als Beste Hauptdarstellerin.

Getty Images

Ich habe gelesen, dass Sie mit dem Gedanken spielen, Ihre Schauspielkarriere zu beenden. Bitte sagen Sie mir, dass das Fake News sind! 
(Lacht.) Nein. Ich sage das wirklich jedes Mal, wenn ich ein Projekt, ein Theater beendet oder einen Film fertig gedreht habe. Und ich meine es aufrichtig! Aber dann kommt es zu einem interessanten Gespräch mit einem Producer, Schauspieler oder Designer. Und ich bin von der Idee begeistert. Dann sage ich: Okay, aber das ist das letzte Mal! 

Ist es schwierig in Ihrem Beruf eine Work-Life Balance zu finden? 
Es ist schlicht unmöglich! Egal, ob man Kinder hat oder nicht. 

Das Zurich Film Festival zeichnet Sie dieses Jahr mit dem Golden Icon Award aus. 
Ich bin ganz aufgeregt! Was für eine grosse Ehre! 

Sie haben bereits so viele Auszeichnungen. Was machen Sie mit all den Statuen? 
(Lacht.) Hmm, ich glaube, sie sind irgendwo in einer Box. Aber im Ernst, als Schauspielerin aus Australien in einem fremden Land, auf einem anderen Kontinent einen Award zu bekommen, ist eine ganz besondere Ehre. Denn es bedeutet, dass meine Arbeit auch in einer anderen Kultur Anklang findet. Das ist sehr berührend.

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Für einmal schreitet die Filmgöttin nicht über einen roten Teppich, sondern über den grünen Teppich des Zurich Film Festival.

Getty Images

Sie stellen zudem Ihren Film vor: «Where’d you go, Bernadette?» 
Ja! Ich wollte schon so lange mit dem Regisseur Richard Linklater arbeiten. Wunderbar, dass es endlich geklappt hat.  

Im Film spielen Sie eine gestresste Mutter, die von einem Tage auf den anderen in die Antarktis verschwindet. Was hat Sie an dieser Rolle fasziniert? 
Erstens liebe ich die Geschichten von Maria Semple, die die Novelle geschrieben hat, auf der dieser Film basiert. Und zweitens finde ich es interessant, dass viele darauf fokussieren, dass sie eine gestresste Mutter ist. Ich glaube, sie ist in erster Linie eine Architektin. Eine kreative Frau, die aufgehört hat, kreativ zu sein. Und das ist ein grosser Teil ihrer Frustration. Und drittens habe ich eine Obsession für Eis.  

Wie kommt das? 
Mein Vater war bei der US-Navy, und auf dem Heimweg von einer Mission in der Antarktis erlitt sein Boot Schiffbruch und er strandete in Melbourne. Dort lernte er meine Mutter kennen. Daher habe ich eine romantische Beziehung zur Antarktis. Ich wollte immer mal dorthin. Wir haben auf Grönland gefilmt. Die Eisberge dort sind einfach unbeschreiblich schön. Ich kann es nicht erwarten, wieder zu gehen. 

Auch gestresst zu sein, muss für Sie als vierfache berufstätige Mutter eine komplett neue Erfahrung gewesen sein? 
Oh ja! Ich bin NIE gestresst! (Lacht.) Glauben Sie mir, ich bin genauso gestresst wie alle anderen auch. Immer zu versuchen, zu viel zu machen, alles perfekt und 100-prozentig zu erledigen. Das ist unmöglich! Mein Ziel ist es: weniger und besser. 

Gibts einen Ort auf dieser Welt, wo Sie sich verstecken können, wenn Sie einen Moment für sich allein sein wollen? 
Im Badezimmer (lacht). Einer der ganz wenigen Orte, an dem man als Mutter von vier Kindern noch seine Ruhe hat. Ansonsten habe ich das Glück, dass wir in England auf dem Land wohnen. Das gibt wirklich Kraft. Ich liebe es, lange Spaziergänge zu machen, und die sind in einer grossen Stadt nicht so entspannend. 

Bernadettes Welt bricht zusammen, als ihre Tochter auszieht um aufs College zu gehen. Sie haben selber einen 17-jährigen Sohn. Wie schwer fällt es Ihnen, loszulassen? 
Es ist das Schwierigste überhaupt! Zu sehen, wie meine Kinder allmählich ihren Weg allein gehen. Ich habe eine sehr starke und leidenschaftliche Beziehung zu ihnen, und sie sind alle sehr verschieden. Aber so oder so, es ist unglaublich schwer, sie gehen zu lassen. 

Sie haben drei Söhne und eine Tochter und machen sich seit Jahren für die Gleichstellung der Geschlechter stark. Ist es Ihnen trotzdem schon passiert, dass auch Sie unbewusst in die Geschlechterfalle getappt sind? 
Es ist lustig, dass sie mich das fragen. Ich denke nie über mein Geschlecht nach, nie! Erst wenn es mich daran hindert, durch eine Türe zu gehen, sie deswegen geschlossen ist oder ich anders behandelt werde. Ich habe drei Söhne und danach hat man mich immer wieder gefragt, ob ich jetzt nicht noch eine Tochter möchte. Ich habe nicht mal darüber nachgedacht! Ich habe mir einfach ein weiteres Kind gewünscht. Ich sehe einen Menschen nicht geschlechtsspezifisch. Das heisst aber nicht, dass wir unsere Kinder bewusst geschlechtsneutral erziehen.  

Es ist Ihr zweiter Besuch am Zurich Film Festival. Hatten Sie bereits Gelegenheit, etwas von der Schweiz zu sehen? 
Ich war schon mehrmals in der Schweiz. Die Städte sind toll, aber ich mag es besonders, in der Natur zu wandern. Mit meiner Familie ging ich einmal in die Therme Vals. Wir besuchten das Spa, das von Peter Zumthor, einem phänomenalen Architekten, gebaut wurde. Es war wunderbar. 

Haben Sie schon Pläne für diesen Besuch? 
Leider komme ich dieses Mal nur ganz kurz für die Verleihung nach Zürich, da ich wieder zurück nach Toronto muss. Aber vielleicht begleitet mich einer meiner Söhne. Das wäre wunderbar!   

Von Karin El Mais am 05.10.2019
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