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«Auch meine Buben lieben diese Gluggerbahn!»

Roger Federer macht Kinder froh

Roger Federer schenkt Churwalden eine Riesenkugelbahn – und überrascht die Erstklässler des Dorfes mit einem Besuch.

Roger Federer, 2019
David Biedert | davidbiedert.com

«Lueg emol, do chaschen mit de Velochetti ufeneh! Trampe, Trampe, so bliibsch fit. Du muesch nochli trainiere.» Roger Federer, 37, ist im Element. Der vierfache Vater macht, was ihm neben dem Tennis längst in Fleisch und Blut übergegangen ist – mit Kindern spielen. Hier, gleich neben der Talstation der Bergbahnen Churwalden, steht das Bijou von einem Kinderspielzeug, dass die Roger Federer Foundation dem Dorf im vergangenen Herbst geschenkt hat: eine Kügelibahn. Oder «Gluggerbahn», wie Federer sie im Basler Dialekt nennt.

«Auch meine Buben lieben diese Gluggerbahn!»

Roger Federer macht Kinder froh

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«Da kommen Kindheitserinnerungen auf», sagt Federer, der im Nachbardorf Valbella mit seiner Familie wohnt. «Auch wenn wir nicht so eine grosse Glugger hatten. Und mit meinen Kindern habe ich diese Phase natürlich nochmal miterlebt. Leo und Lenny waren letzte Woche schon hier und lieben diese Bahn.» Ihm sei es wichtig gewesen, den Kindern der Region etwas zurückzugeben. «Wir sind mit dem Bündnerland mittlerweile eng verbunden und verbringen viel Zeit hier. Ich wollte, dass alle etwas davon haben.»

Die Erstklässler von Lehrerin Christa Obrist sind ebenso glücklich wie die Gemeindepräsidentin Margrith Raschein, die bei ihrer kurzen Ansprache vor der überdachten Bahn den Stolz nicht verbergen kann, dass Roger Federer höchstpersönlich vorbeigekommen ist. Der exklusive Besuch war eine hochgeheime Aktion im Dorf. Die Eltern mussten sich zu Verschwiegenheit verpflichten, sonst wäre es wohl zum Volksauflauf gekommen.

Roger Federer, 2019

Roger Federer ist in seinem Element. Die Kinder geniessen es.

David Biedert | davidbiedert.com

Wobei sich Federer von den Bündnern eigentlich nie bedrängt fühlt, sagt er. «Alle Leute sind extrem freundlich und zuvorkommend, wenn sie uns über den Weg laufen. Wir könnten uns nicht mehr daheim fühlen, als wir uns schon fühlen. Darum bin ich sehr dankbar, dass unser Traum wahr wurde und wir einen Ort gefunden haben, der uns ins Herz geschlossen hat.»

Das wird auch so bleiben, falls die Federers dereinst ein zweites Heim am Zürichsee in Rapperswil beziehen sollten. Was der berühmteste Schweizer bis jetzt noch nicht offiziell bestätigt hat.

Roger Federer, 2019

Eine kurze Ansprache, dann dürfen die Kinder mit ihrem berühmten Nachbarn spielen.

David Biedert | davidbiedert.com

Der 20-fache Grand-Slam-Sieger, der sich derzeit im Bündnerland auf die Sandsaison und seinen ersten Auftritt von Anfang Mai in Madrid vorbereitet, hat in all den Jahren rund um die Welt viele Spielplätze gesehen. «Zu Beginn gingen wir oft dahin, damit unsere Kinder andere Kinder kennenlernen. Und damit sie auch lernen, Dinge zu teilen. Jetzt sind Myla und Charlene doch schon fast zehn Jahre alt und sind nicht mehr so versessen auf Spielplätze, sie gehen hier in Churwalden lieber auf die Rodelbahn oder Schlittschuhfahren.» Den Buben mache alles Spass. Auch die simplen Sachen. «Wir erleben jetzt nochmal dasselbe mit den Buben, auch wenn sie ganz anders sind als die Mädchen.»

Bevor Federer schliesslich wieder in sein Auto steigt, zupft ein kleines Mädchen an seiner Jacke. «Ich will as Bild, bitte!», sagt sie nett, aber resolut. Sie drückt dem Gemeindeschreiber Dario Friedli die Kinderkamera in die Hände, sagt noch «abdrücken, nicht abstellen» und stellt sich neben den Superstar hin. Sie grinst, Federer schüttelt es vor Lachen. Ja, hier im Bündnerland ist er längst angekommen.

Von Christian Bürge am 18. April 2019