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Royals in der Krise

Letizia und Meghan haben ein Problem

Eine unautorisierte Biografie droht, die spanische Monarchie aus ihren Fugen zu heben. Dabei ist der Fugen-Kit in europäischen Königsfamilien doch eh längst brüchig.

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Das spanische Königspaar zittert angeblich vor der Veröffentlichung einer neuen Biografie. Dabei haben sie eigentlich ganz andere Probleme. 

OHWOW

Die Königshäuser werden mal wieder kräftig durchgerüttelt. Aktuell trifft es die Spanier. Eine unautorisierte Biografie über Königin Letizia will allerhand über die Regentin ans Tageslicht bringen. Sie soll früher gar die Monarchie kritisiert haben, behaupten Weggefährten und Ex-Berufskollegen. Angeblich falle «der einst beruflich erfolgreichen, unabhängigen und meinungsstarken Frau aus dem nordspanischen Oviedo das Leben unter den strengen Palastregeln immer noch» schwer, zitiert der Stern eine angebliche Kernaussage der Biografie zusammen.  

Das grosse Dilemma zeitgenössischer Royals

Das wäre durchaus nachvollziehbar. Üblicherweise stehen Königinnen (oder andere gekrönte Häupter) über der Politik. Einfach mal schön eine Wahlempfehlung abgeben und sich in die Politik einmischen? Grosser, grosser Faux-pas. Vielleicht käst das die Letizia an, wer weiss. Ihren Job erfüllt sie trotzdem recht pflichtbewusst. Selbst wenn sie mit der einen oder anderen radikalen Modernisierungsidee bereits an den spanischen Palastmauern gescheitert wäre. Willkommen im spannendsten Dilemma zeitgenössischer Monarchien.  

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So wird den Königsfamilien gerne vorgeworfen, dass sie nicht mit der Zeit gehen. Gerne werden sie als grösster Anachronismus, der im Jahr 2020 jegliche Daseinsberechtigung verloren hat, geschimpft. Ja, das hat was. Denn welcher hochrangige Job wird heutzutage noch einzig und allein über Geburtsrechte verliehen (wir meinen hier nicht Vitamin B)? Das Märchen vom Tellerwäscher, der es dank harter Arbeit zum Millionär schafft, wird nicht erst seit vorgestern als allgemeingültige Erfolgsformel einer individualisierten Gesellschaft tradiert.  

Königsfamilien gehen schon mit der Zeit, einfach, äh, anders

Diese wir-schaffen-alles-Mentalität scheitert am Palast. Da hilft nicht mal die allerbeste Selbstoptimierung oder die allergrösste #Selflove. Vor diesen Mauern ist Schluss. Eigentlich. Denn statt wie früher Cousinen und Cousins zu heiraten, dürfen die Thronerbinnen und –erben heutzutage tatsächlich ihren Herzen folgen (von wegen die Königshäuser gehen NIE mit der Zeit) und sogenannte Normalos heiraten. 

Diese sogenannten Normalos wie aktuell Königin Màxima, Mary von Dänemark, Mette-Marit von Norwegen, Meghan Markle und sogar Kate Middleton haben eines gemeinsam: Ihnen wird, kaum haben sie mit strahlendem Antlitz ihre Verlobungen bekannt gegeben, attestiert, dass sie jetzt endlich frischen Wind durch die Palastgänge wirbeln werden. Kurz und gut: Damit sind eigentlich alle gescheitert. Allenfalls haben ihre neuen Familien ein klein wenig mehr Nähe zum «Volk» gefunden, sind etwas zugänglicher geworden. (Exkurs: Können wir bitte kurz feiern, wie erfolgreich wir Normalos unsereins in die Königshäuser eingeschleust haben? Während vieler Jahrhunderte hats für ähnlich Subversives noch komplexe Komplotte, die oft am Galgen endeten, gebraucht.) 

Wollen wir wirklich «normale» Monarchen?

Doch tut das den Monarchien gut? Wollen wir wirklich eine Königin, die so ist, wie WIR sind, einfach mit mehr Geld? Kritiker bezweifeln das. Könige leben von ihrer Aura des Unantastbaren. Royals sind mehr als Promis von der A-Liste. Sie sind Symbole für Beständigkeit, potentielle Wirtschaftstreiber (etwa im Tourismus) und stehen für Stabilität in instabilen Zeiten (Queen Elizabeth blieb während des 2. Weltkriegs in England. Hätte sie das Land verlassen, wäre, wie Historiker glauben, noch mehr Panik ausgebrochen).  

Der frische Wind ist (wie Meghan Markle angeblich nach der Hochzeit mit Harry merken musste) inzwischen nicht viel mehr als ein laues Lüftchen. Denn – und das ist das Spannende an der Situation – würden die Royals sich komplett von Hofprotokoll und symbolischen Handlungen verabschieden, könnten sie gleich auch die Schlüssel zu ihren Palästen abgeben. Womit legitimieren Königsfamilien ihr Dasein im Jahr 2020? Einzig über ihre Symbolik, ihren Status über jeder Politik.  

Royals müssen über der Politik stehen

Letzteren brauchen sie, um ihr Tagewerk zu verrichten. Ihr Status macht es ihnen möglich, völlig unpolitisch und vermeintlich ohne versteckte Agenda auf Missstände oder andere grosse Themen zu verweisen (wie aktuell zum Beispiel Herzogin Catherine, die für Mum-Struggles eine Lanze bricht und zusammen mit Gatte William daran arbeitet, dass psychische Probleme endlich richtig ernst genommen werden). Werden sie plötzlich zu normal, dann ists auch nicht recht.  

Spielen wir das einmal kurz mit Meghan und Harry durch. Sie müssen ab Ende März ihr eigenes Geld verdienen. Treten sie dann für eine gute Sache ein, weil sie daran glauben – oder weil sie dafür bezahlt werden? Diese Frage wird ihnen mit hundertprozentiger Sicherheit um die Ohren fliegen. Sie haben nach dem alten ein neues Dilemma gefunden. Sie konnten es als richtige Royals niemandem recht machen und werden es auch als Royalos nicht können. Sie werden wie angeblich auch Königin Letizia im Stillen weiter an ihrem Status «leiden» – einfach ohne die ganzen Privilegien.  

Von Bettina Bendiner am 03.03.2020
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