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«Ich wollte etwas komplett Neues»

Dario Cologna: So fand er seinen Weg aus der Krise

Nach einer schwierigen letzten Saison gönnte sich Dario Cologna eine längere Auszeit. Wie er nach den Enttäuschungen vom vergangenen Winter wieder in die Spur fand, erzählt er nun in einem Interview.

Dario Cologna Olympische Winterspiele 2018

Wieder da: Dario Cologna blickt zuversichtlich in die Zukunft.

Sandro Bäbler/SI Sport

Wer die Erfolge von Langlauf-Star Dario Cologna, 33, auflisten will, braucht neben einigen Superlativen nur eine Zahl: vier. Viermal hat er nämlich an Olympischen Winterspielen die Goldmedaille mit nach Hause genommen. Viermal hat er die Tour de Ski gewonnen. Und viermal hat er den Gesamtweltcup für sich entschieden. Dazu gesellen sich zahlreiche Schweizermeister-Titel, etliche Weltcup-Siege und einiges an Edelmetall von Weltmeisterschaften.

Wer also versucht, Dario Colognas Erfolge in Worte zu fassen, wird schnell sehen: Seine Karriere ist eine, die ihresgleichen sucht. Und doch kämpft auch ein Champ wie der Bündner mit Krisen.

Colognas Auszeit nach letzter Saison

Denn in der Saison 2018/19 wollen sich die Erfolge partout nicht einstellen: Der Winter wird zu Colognas schlechtestem seit elf Jahren, wie «Blick» berichtet. Kein Podestplatz im Weltcup und lediglich ein Top-5-Resultat stehen zu Buche – zu wenig für den erfolgshungrigen Schweizer Sportler des Jahres 2013.

Und so kündigte Cologna kurz nach Ende der Saison eine Auszeit an. Damals war noch unklar, wie lange diese sein würde. «Die war dann doch nicht so extrem», erklärt Cologna nun in einem Interview mit «Blick». Im April habe er Pause gemacht. «Die war etwas ausgeprägter als in den letzten Jahren, aber nicht viel. Ich habe gemerkt, dass die Motivation und die Freude da sind – und dann wieder losgelegt.»

Ohne Training ging es doch nicht

Seine Auszeit hat er zwar auch mit Ferien verbracht, doch ganz ohne Schneesport ging es dann doch nicht: Auf den Langlauf-Skis sei er gewesen und Abfahrten habe er gemacht, erzählt Cologna. «Das habe ich sehr genossen. Das ist schon auch Training, aber viel mehr einfach frei bewegen.»

Grosse Ziele für die neue Saison

Nach dem harzigen letzten Winter soll es diese Saison wieder «ringer» gehen. Zurückstecken kommt aber für Cologna nicht infrage. «Die Ziele sind nach wie vor gross und damit kommt auch die Motivation, Gas zu geben. Ich will nicht einfach weitermachen, um meine Karriere etwas zu verlängern.» 

So habe er seinen Kopf lüften können. «Ich bin wieder gut eingestiegen, hatte Freude. Das Problem hatte ich eh nie, dass die Freude fehlt.» Aus ebendieser Freude habe er sich dann auch die Motivation geholt, weiterzumachen – trotz des schwierigen Winters. «Ich sehe es als grosses Privileg, diesen Beruf auszuüben – und zwar nicht einfach so ein bisschen.»

Nochmal an seine glorreichsten Zeiten anzuknüpfen, erachtet Cologna nicht als realistisch. «Wieder zum Seriensieger zu werden, wird schwierig. Aber einzelne Rennen – auch wichtige – will ich nach wie vor gewinnen.»

Auch bei der Hitze wird trainiert

Nun ist Cologna wieder voll am Trainieren – und glücklich. «Ich brauche das, es ist mein Job. Eine Weile lang in den Tag hineinzuleben, ist schön. Aber es tut gut, die Trainingsstrukturen zu haben.» Seinen Trainingsplan hat der Bündner umgestellt – und trainiert nun zweimal pro Woche extern. «Ich wollte etwas komplett Neues.» Und das nicht nur für die Motivation, sondern auch für den Kopf.

Nach der Olympiasaison 2017/18 seien sie alle etwas müde gewesen, Betreuer wie auch Athleten, erklärt Cologna. «Wir probieren nun, den Fokus wieder mehr reinzubringen.»

Diesen Fokus will er auch bei den heissen Temperaturen, die momentan herrschen, nicht verlieren. Ein Sprung in den Davosersee helfe ihm beim Abkühlen. Das Wetter macht ihm gar nichts aus – im Gegenteil. «Zum Trainieren ist es schöner, wenn die Sonne scheint.»

Von Ramona Hirt am 30. Juni 2019