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Pro und Contra zur E-ID

«Das Online-Shopping wird sicherer und praktischer»

Am 7. März stimmen wir über das Schweizer Login fürs Internet ab: die E-ID. Karin Keller-Sutter und Balthasar Glättli über surfende Schwiegerväter und 600 Passwörter.

E-ID, SI 07/202, Karin Keller-Sutter

FDP Bundesrätin Karin Keller-Sutter, 57, kämpft für das neue E-ID-Gesetz. 

Foto: Kurt Reichenbach/Paul Seewer, Bildkomposition: Jonas Messmer

Karin Keller-Sutter, wie melden Sie sich beim Surfen im Internet an?

Bei den Zeitungen habe ich die Passwörter mehr oder weniger im Kopf. Beim E-Banking muss ich jedes Mal meine Unterlagen hervorholen. Und bei der Gemeinde Wil muss ich meist ein neues Passwort anfordern – weil ich es immer wieder vergesse. Darum wäre eine E-ID viel einfacher.

In welcher Situation merkten Sie, dass Ihre Daten aufgezeichnet wurden?

Wenn ich online Wein oder Schuhe anschaue und kurz danach auf einer Newsseite bin, tauchen diese Produkte auf. Das stört mich nicht, weil es nicht gefährlich ist. Aber es zeigt, dass die staatliche Regulierung des Online-Zugangs nötig ist. 

Wo sehen Sie die grössten Vorteile einer E-ID?

Digitale Behördengänge oder Onlineshopping werden sicherer und praktischer, weil der Staat die Identität überprüft. Mein Schwiegervater ist 91 und liest jeden Tag online Zeitungen. Es ist eine Frage des Interesses, ob man das nutzen möchte. Die E-ID ersetzt weder Pass noch ID. Und sie ist freiwillig. Wenn wir nichts unternehmen, diktieren uns bald Firmen wie Facebook und Apple die Spielregeln im Netz.

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Kritiker monieren, dass bei der E-ID Daten bei Privatfirmen landen. Was sagen Sie dazu?

Wir hatten mit der SuisseID eine staatliche Lösung, in die der Bund über 25 Millionen Franken investierte. Sie war ein Misserfolg. Beim neuen Modell macht jeder, was er gut kann: Der Staat setzt den Rahmen mit der Gesetzgebung, anerkennt Anbieter und überwacht. Die Privaten übernehmen die technische Umsetzung und tragen das Investitionsrisiko. Und laut dem eidgenössischen Datenschutzbeauftragten ist das neue Gesetz punkto Datenschutz wasserdicht.

E-ID, SI 07/202, Balthasar Glaettli

Balthasar Glättli, 49, Grünen-Präsident und IT-Unternehmer lehnt die vorgeschlagene E-ID ab.

Foto: Kurt Reichenbach/Paul Seewer, Bildkomposition: Jonas Messmer

Balthasar Glättli, auf welchen Social-Media-Plattformen sind Sie angemeldet?

Twitter, Facebook, Instagram und Linkedin. Bei vielen anderen habe ich einen Account erstellt, um mir meinen Namen zu -sichern – damit nicht sonst jemand als Balthasar Glättli aktiv ist.

In welcher Situation merkten Sie, dass Ihre Daten aufgezeichnet wurden?

Wenn ich in meinen Spam-Ordner schaue: Da sind nicht nur die üblichen unseriösen Angebote für Körperteil-Vergrösserungen, sondern auch Mails von Schweizer Firmen, die etwa für ihr Hotel werben. Da frage ich mich schon, wer meine Adresse weitergibt!

Mit wie vielen Passwörtern sind Sie digital unterwegs?

Circa 600. Glücklicherweise arbeite ich mit einem Passwortmanager, der automatisch komplizierte Schlüssel für mich generiert. Über diesen bekomme ich auch eine Warnung, wenn eine Seite gehackt wurde, auf der ich angemeldet bin. 

Wo sehen Sie die grössten Nachteile einer E-ID?

Dieses Gesetz braucht es nur für die Privatisierung der E-ID. Dabei wäre das eine wichtige staatliche Infrastruktur! Es ist eine verpasste Chance: Der Staat sollte die digitale Identität und die digitale Unterschrift als vertrauenswürdige Lösung aus einer Hand anbieten. Dann könnte man mit der E-ID auch online rechtskräftig Dokumente unterschreiben – wie etwa Kündigungen oder Mietverträge.

Das ist die E-ID

Ob beim Onlineshopping oder bei digitalen Behördengängen: Wir müssen uns im Internet ausweisen können. Der Bundesrat schlägt deshalb die Schaffung einer E-ID vor. Mit ihr kann man beispielsweise ein Bankkonto eröffnen oder sich auf Websites registrieren. Die E-ID-Daten landen bei privaten Anbietern, die vom Bund kontrolliert werden. Kritiker stört, dass der Bund diese Daten nicht selbst speichert. Auch nach Annahme des Gesetzes wäre die Beantragung einer E-ID freiwillig. 

Von Silvana Degonda und Lynn Scheurer am 20.02.2021
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