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Zuhause bei der Eluveitie-Sängerin

Fabienne Erni: Die rockende Fee

Für ihren Job musste sie Keltisch lernen. Die Aargauerin Fabienne Erni ist Sängerin von Eluveitie, der international erfolgreichsten Schweizer Liveband. Ihr Spagat zwischen Wunderwelt und bodenständigem Zuhause.

Fabienne Erni

Mythisch: Fabienne Erni, 26, im keltischen Steinkreis Bislikerhau bei Affoltern am Albis ZH.

Joseph Khakshouri

Vögel zwitschern im Bislikerhau, einem Wald oberhalb von Affoltern am Albis im Zürcher Säuliamt. Ehrfürchtig berühren die Hände von Fabienne Erni, 26, einen der neun Hinkelsteine. Der Steinkreis diente einst den Kelten als Kultstätte. «Ich bin nicht esoterisch angehaucht. Doch die Magie dieses Kraftorts fasziniert mich», sagt die Aargauerin, die für ihre schwarzen Fingernägel veganen Lack braucht.

Erni stimmt ein melancholisches Lied an, ihre Stimme ist glasklar, der Text keltisch. «Bei unseren Konzerten ist das meine Welt.»

 

Fabienne Erni

Heizt ein: Erni als Sängerin der Schweizer Folk-Metal-Band Eluveitie beim Konzert in Abtwil SG.

Joseph Khakshouri

Wie ein Gewitter kommt das Lied auf der Bühne daher! Es wird gerockt, der Leadsänger screamt (schreit), lange Mähnen kreisen. Seit 2016 ist Fabienne Erni Sängerin der Schweizer Folk-Metal-Band Eluveitie (Elveiti ausgesprochen). Die 2002 vom gebürtigen Basler Frontmann Chrigel Glanzmann gegründete Gruppe kombiniert keltische Folkmusik mit brachialen Death-Metal-Klängen.

Erfolgreichste Schweizer Liveband

Mit ihrem ureigenen Sound sind Eluveitie die international erfolgreichste Schweizer Liveband. Über 100 Millionen Youtube-Klicks, 170 Konzerte jährlich auf allen Kontinenten, 2014 gabs den Swiss Music Award in der Kategorie «Best Live Act National».

Neben E-Gitarre, Bass und Schlagzeug kommen bei Eluveitie Dudelsack, Drehleier, Flöten und Mandoline zum Einsatz. Erni spielt irische Harfe, am liebsten singt sie Balladen. Meist auf Keltisch. In dieser Sprache haben sich die vor 2100 Jahren hierzulande lebenden Helvetier unterhalten. Die Texte handeln von der Geschichte und Spiritualität dieses keltischen Volksstamms, dem täglichen Leben. Eluveitie entstammt dem keltischen Wort Helvetios, der Helvetier. «Die Songs entführen mich und die Fans in eine eigene Welt.»

 Fabienne Erni der Band Eluveitie

«Ä Gäbigi»: Fabienne mit Eltern Agatha, 55, und Pius, 57, in deren Stube in Dintikon AG.

Joseph Khakshouri

«Eine fremde Welt für uns», sagt Agatha Erni, 55. Fabienne sitzt mit ihrer Mutter und Vater Pius, 57, am Stubentisch ihres Elternhauses in Dintikon AG. Hier lebt sie, wenn sie nicht auf Tour ist. Zum Dessert hat sie Nicecream gemacht: ein Püree aus tiefgefrorenen Bananen und Kakaopulver – Fabienne ist Veganerin.

«Sie blieb bodenständig»

Ihr Vater, gelernter Landmaschinenmechaniker, hört Pop und Schlager, die Mutter legt im Auto schon mal eine Eluveitie-CD ein – und spult vor, bis Fabienne singt. Ihre Tochter sei ein fröhlicher Mensch, quirlig, seriös, setze sich für alle ein. «Sie blieb bodenständig. Auch wenn die Band ihr Leben verändert hat.»

Sieben Monate im Jahr ist die neunköpfige Gruppe on the road, wenn möglich meldet sich Fabienne täglich daheim. Im Frühjahr 2018 gings nach Konzerten in Japan mit der Transsibirischen Eisenbahn durch Winterlandschaften zu den russischen Auftrittsorten Irkutsk, Nowosibirsk und Moskau. «Das war wunderbar! Gewöhnlich sehen wir ausser Flughäfen, Hotels und Konzertlokalen nicht viel vom Land.»

 Fabienne Erni der Band Eluveitie

«Ich liebe düstere Winter»: Auf Weihnachtsmärkten kauft Erni Schneekugeln mit Musik. Sie sammelt auch Harry-Potter-Artikel.

Joseph Khakshouri

Im Bus schaut sie Filme von Mr. Bean

Ihre eisblauen Augen funkeln. Noch heute bekommt Erni Hühnerhaut, wenn sie an das Konzert am diesjährigen Wacken Open Air denkt: Am legendären Festival in Norddeutschland sangen 50'000 Metalfans bei Elu-Hits wie «Ategnatos» lauthals mit.

Die Zeit auf den langen Fahrten im Tourbus vertreibt sich Erni mit Filmen von Mr. Bean und Walt Disney, hängt Lichterketten auf. «Ich habs gern heimelig.» – «Seit Fabis Kindheit besuchen wir zusammen Weihnachtsmärkte», sagt die Mutter.

Daheim könne sie am besten Kraft tanken, erzählt Fabienne. Hier wünscht sie sich oft Mutters Knöpfli mit Zwiebeln und Apfelmus – von einem Demeter-Bauern am Baldeggersee. Die Tage sind ausgefüllt mit Musik: Stundenlang sitzt die Sängerin in ihrem Zimmer am Klavier und übt. Vor Kurzem schloss sie an der Zürcher Hochschule der Künste die Ausbildung in Popgesang mit dem Master ab.

 Fabienne Erni der Band Eluveitie

«Das mache ich weltweit»: Im elterlichen Garten beim Zenmove-Training. Per Laptop bekommt sie Instruktionen ihres Personal Coachs.

Joseph Khakshouri

Als Kind schon trällerte Fabienne beim Haarföhnen Abba und Musicalmelodien. Während der Kantizeit nimmt sie Gesangsunterricht, nach der Matur studiert sie ein Jahr Musik in Nordschweden, daheim singt sie auf Hochzeiten. 2016 suchen Eluveitie eine neue Sängerin. Bandleader Glanzmann macht ein internationales Casting, hört sich Hunderte Frauenstimmen an.

Eine gute Lebensschule

Fabienne hat ihre Karaoke-Version eines Eluveitie-Songs eingeschickt – und kommt zum Handkuss, lernt Keltisch. «Ich bin mega glücklich, zur Elu-Familie zu gehören, das Folkige in unserer Musik passt gut zu meiner Stimme. Ich schlüpfe gern in diese Rolle.» Daheim hört sie Folk, Pop und Rock, ihre Lieblingssängerin ist Eva Cassidy. Eluveitie sei eine gute Lebensschule, sagt die Mutter. «Mit der Band ist Fabienne selbstsicher geworden.»

Am 7. November spielen Eluveitie nach langer US-Tour wieder mal in der Heimat. Wie immer werden Fabiennes Eltern auch in Zürich dabei sein. Die Mutter freut sich: «Auf der Bühne kommt mir Fabienne vor wie eine Fee.»

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Von Thomas Kutschera am 06.11.2019