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Comedian Claudio Zuccolini mit seinen Mädels

«Hahn im Korb zu sein, ist sehr schwierig»

Mit seinen Pointen aus dem Alltag mit Frau und Kindern gewinnt Claudio Zuccolini dieses Jahr zwei Swiss Comedy Awards. Privat stösst der Bündner auf seine 50 Lenze und 20 Ehejahre mit Alexzandra an.

Familie von Claudio Zuccolini in Pontresina 2020

«Hahn im Korb zu sein, ist sehr schwierig», sagt Claudio Zuccolini, umgeben von Gattin Alexzandra und den Töchtern Lilly (l.) und Emily.

Thomas Buchwalder

Das Wetter kann Claudio Zuccolini und seinen Töchtern nichts anhaben. Ausgerüstet mit Handschuhen und ­gutem Schuhwerk, gehts bei leichtem Schneefall in den Hochseilgarten Pontresina GR. Bündner halt. Lilly, 12, und Emily, 8, wollen wie junge Gämsen hoch hinauf. Papa-Bock, der seine Stimme einem der Tourismus-Aus­hänge­schilder von Graubünden leiht, dem Steinbock Gian, folgt. «Du siehst aus wie ein Bauarbeiter», amüsiert sich Gattin Alexzandra, 48, die aus dem Dorf stammt. Dabei sei ihr Mann alles andere als handwerklich begabt. Sie­ erzählt, wie er einst ein Kinderbett zusammenbauen wollte und schliesslich ein komplett neues gekauft werden musste. Bei Zuccolinis wird nichts unter den Teppich gekehrt. Papa ­Claudio, 50, tischt es der Öffentlichkeit gleich selber auf. «Ich erzähle die Wahr­heit auf der Bühne, zugespitzt und mit einer Pointe», sagt er.

Familie von Claudio Zuccolini in Pontresina 2020

Claudio Zuccolini hat bei den Swiss Comedy Awards dieses Jahr den Preis für bester Solokünstler und als Publikumsliebling eingeheimst.

Thomas Buchwalder
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Die humorvoll verpackte Realität kommt an. Das Publikum hat Claudio Zuccolini dieses Jahr an den Swiss ­Comedy Awards zum besten Solokünstler und auch zum Publikums­liebling gewählt. Warum? Das kann der Bündner nur vermuten. «Vielleicht liegt es an meiner Themenwahl. Ich ­beschränke mich auf Alltagsthemen, bin nicht politisch.» Seine Witze über die normalen Dinge waren während des Lockdowns sehr gefragt. Das Schweizer Radio und Fernsehen stellte Ausschnitte aus seinem letzten Programm «Warum?» in die sozialen Medien. «Plötzlich wurde ich Tausende Male geschaut und war auch bei Leuten präsent, die mich vorher gar nicht wahrgenommen haben», sagt er. «Vielleicht lassen sich viele gerne ‹bitz› ablenken, wenn sonst nur ernste Themen diskutiert werden.»

«Ich habe einen schönen ­Beruf. Er hält jung, alles ist offen, Neues kann passieren»

Zucco machte im Lockdown ­Videos, in denen er seine Töchter – Lilly geht in die sechste Klasse, Emily ist Zweitklässlerin – in Französisch, Schwimmen, Handarbeit und Putzen unterrichtet. Oder die zeigen, wie sie zu dritt einen Klassenrat und einen Zoobesuch im Garten abhalten. «Das ergab sich ­alles. Am Anfang fand ich es auch noch recht lustig – bis wirklich das Homeschooling kam.» – «Das hast du aber auch gut gemacht», sagt Alexzandra, die als medizinische Praxisassistentin im Lockdown viel zu tun hatte.

Familie von Claudio Zuccolini in Pontresina 2020

Lilly und Emily sind sich Papas Witze gewohnt. «Auf jedes Wort hat Papi einen Spruch oder einen Reim», sagt Emily (r.).

Thomas Buchwalder

Ruhig geblieben

Claudio Zuccolini, der seit 2006 von der Comedy lebt, hatte trotz abgesagten Auftritten keine Panik. «Am Anfang fand ich noch: ‹Cool, nicht arbeiten›, bis die Phase kam, wo es uncool wurde, weil kein Geld reinkam. Doch dann konnte ich ziemlich schnell wieder auftreten.» Drei Wochen nach dem Lockdown spielte er mehrmals im Opernhaus Zürich und erwischte «die ideale Zeit. Die Leute hatten richtig Lust.»

Für ihn selber sind die zwei Stunden auf der Bühne immer ein schöner Abend. «Ich bin dann unglaublich für mich allein, muss keinen Anruf ent­gegennehmen, nichts.» Zusätzlich zu den Shows konnte er für Graubünden Ferien Radio- und TV-Werbungen sprechen sowie ein neues Kinderbuch promoten. Im September folgten die zwei Preise am Swiss Comedy Award. «Für mich ist es bis jetzt nicht so ein schlechtes Jahr gewesen», resümiert er. «Und trotz all den Widerwärtigkeiten, die er in diesem Jahr mit sich bringt, habe ich einen schönen Beruf. Er hält jung, alles ist offen, Neues kann passieren.» Wie das Reiseformat, mit dem Zucco im nächsten Jahr mit Nik Hartmann am Fernsehen zu sehen sein wird.

Familie von Claudio Zuccolini in Pontresina 2020

In Pontresina geht die Familie oft im Hotel Walther essen. Zuccos Schwieger­vater war hier lange Küchenchef.

Thomas Buchwalder

«En Luschtige»

Privat gibts ebenso viel zu feiern – seinen 50. Geburtstag und 30 Jahre Übergewicht. «Ich bin seit ewig zehn Kilo zu schwer, das ist mir bewusst. Aber wenn ‹de Tschopä› nicht mehr zugeht, nervt mich das.» Das sei di einzige Eitelkeit. Er habe kein Bedürfnis, besonders cool zu wirken. «Ich bin auf der Bühne nicht viel anders als privat», sagt er. «Ich habe keine Hemmungen, über körperliche Beschwerden zu reden. Ich will mich nicht schöner machen, als ich bin.» – «Apropos Alter, du vergisst manchmal Sachen, die ich sage», sagt Alexzandra. «Das ist die ­Selektion nach Wichtigkeiten. Gewisse Dinge haben einfach keinen Platz.» Ein Spruch, der ihre Ehe verträgt.

Schon während der Schulzeit in Sa­me­dan GR fand Alexzandra Claudio «en Luschtige». «Ich erinnere mich gar nicht mehr an die Zeit davor, sondern nur, dass ich mit Claudio zusammen bin.» 26 Jahre sind sie ein Paar, 20 davon verheiratet. «Ich habe das grosse Glück, dass ich eine Frau habe, die alles von Anfang an miterlebt hat», sagt er. «Diesen Weg gingen wir gemeinsam. Alexzandra schaut, dass daheim alles organisiert ist, wenn ich woanders bin mit dem Kopf.»

«Die Leute findens lustig, wenn Claudio von den Kindern oder mir erzählt»

An die Zeit ohne Kinder können sie sich aber noch erinnern. «Warum haben wir eigentlich Kinder?», fragte er gar im letzten Programm, machte Sprüche, dass er nur noch ein Geldautomat sei. Der Komiker scheut sich nicht: «Wenn ich Finanzen, Freude, Aufwand und Ertrag aufrechne, sind Kinder schon eher ein Minusgeschäft.» Der Name seines neuen Programms, mit dem er unterwegs ist, liefert die Antwort auf die Kinderfrage: «Darum!».

Seine Mädels haben kein Problem, wenn sie Teil seiner Pointen sind. «Die Leute findens noch lustig, wenn er von den Kindern oder mir erzählt», sagt Alexzandra, die öffentlich als Frau bekannt ist, die ihrem Mann als Seitenschläferin ins Gesicht «schnufed». Und die Töchter? Lilly und Emily findens «okay und normal». «Sie wachsen mit Selfies und dem ganzen Tiktok-Zeugs auf. Die heutige Generation will vor ­allem wahrgenommen werden», sagt Zuccolini. «Aber falls sie darunter leiden würden, würde ich es ändern.»

Familie von Claudio Zuccolini in Pontresina 2020

Ufe und abe: Im Seilpark Pontresina holen Zucco und Emily in den Ferien Schwung.

Thomas Buchwalder

«Alexzandra, min liebe Schatz, was nimmsch du?» – «Sags noch mal, es hat niemand gehört.» Die beiden lachen. Im Hotel Walther fühlt sich die Familie, die eine Ferienwohnung in Pon­tresina hat, wohl. 35 Jahre war Alex­zandras ­Vater hier Küchenchef, sie als «Meitle fast im Hotel aufgewachsen». «Claudio, kannst du Emily die Menükarte vor­lesen?» – «Principessa, was nimmst du? Schnitzel ohne Paniermehl?», fragt er seine Jüngste und ­erklärt: «Ich habe mich so lange über Glutenallergie als Modeerscheinung lustig gemacht – und jetzt hat meine Tochter eine.» Ja, manchmal schreibt eben nicht das Leben seine Pointen, sondern die Pointe sein Leben.

Von Aurelia Robles am 01.11.2020
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