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50 Jahre Frauenstimmrecht

«Ich bin Ehefrau, Mutter, Chefin und Ulknudel»

Durch eine eidgenössische Abstimmung wurde 1971 in der Schweiz das Frauenstimmrecht eingeführt. 50 Frauen blicken für die Schweizer Illustrierte zurück – und wagen einen Blick in die Zukunft. Heute: Journalistin Steffi Buchli.

Steffli Buchli, Kolumne Starter SI 09/2021, Gleichberechtigung, Feminismus

«Kein Freipass zum Klagen und Lamentieren»: Steffi Buchli über Feminismus.

Kilian Kessler
Steffi Buchli

«Warum bist du denn Feministin? Du hast doch alles!» Diese Frage stellte mir ein Mittdreissiger in einer Mail, nachdem ich in der «Arena» von SRF zum Thema Gleichstellung gesprochen hatte. Nun denn, ich versuche mich zu erklären.

Zuerst möchte ich definieren, was Feminismus für mich NICHT ist: ein Freipass zum Klagen und Lamentieren. Ein Kampf, der den Niedergang des männlichen Geschlechts zum Ziel hat. Ein Label für «hässliche Frauen, die keinen abbekommen». Nein, ich will nicht wissen, wie oft diese Aussage hinter vorgehaltener Hand noch fällt. Zu oft.

Feminismus heisst für mich Gleichberechtigung. Dabei geht es darum, dass wir gleiche Rechte haben, und ja, natürlich auch gleiche Pflichten. Es geht – ganz wichtig – auch um Chancengleichheit. Ich möchte, dass unseren Töchtern kein Lehrer mehr sagt, dass es doch nichts bringe, ins Gymi zu gehen, weil man doch eh bald eine Familie gründen und dann zu Hause gebraucht werde. So beriet mich mein Primarlehrer. Wir schrieben das Jahr 1990.

Steffli Buchli, SRF Arena, Februar 2021, Kolumne Starter SI 09/2021, Gleichberechtigung, Feminismus
SRF

Zur Person

Am 19. September 1978 geboren und in Dübendorf ZH aufgewachsen, entdeckt Steffi Buchli früh den Journalismus. Ab 2003 arbeitet sie als Sportjournalistin beim SRF, 2017 wechselt sie als Programmleiterin zu My Sports. Seit 2021 ist sie die erste Chefredaktorin bei «Blick Sport». Buchli ist verheiratet und Mutter einer Tochter. In Sendungen wie «Arena» engagiert sie sich unter anderem für die Akzeptanz von berufstätigen Müttern.

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Ich lebe Feminismus vor, weil ich mich dazu verpflichtet fühle. Weil ich Vorbild sein möchte und weil ich als öffentliche Person Mut machen will. Ich möchte jungen Frauen zeigen, dass wir alles können, wenn wir wollen. Ich bin Ehefrau, Mutter, Chefin und manchmal Ulknudel. Because I can. Und weil ich es will. Und wo ein Wille, da ein Weg – oder manchmal zwei Ellbogen.

Ich setze mich dafür ein, dass Frauen gleich viel verdienen wie Männer, dass frischgebackene Familien Elternzeit kriegen, dass eine Familie besser mit dem Job zu vereinbaren ist, dass Männer, ohne als Weicheier zu gelten, achtzig Prozent arbeiten können. Auch das ist für mich Feminismus.

Feminismus ist aber vor allem auch eine Grundhaltung oder Neudeutsch ein Mindset. Uns soll für immer klar werden, dass niemand uns die Welt erklären muss, dass wir unseren Lohn verdienen und sogar noch mehr einfordern dürfen, ohne dass dies unverschämt ist, und dass wir kein schlechtes Gewissen haben müssen.

In dem Sinne: Ja, ich habe alles – mitunter auch immer wieder ein schlechtes Gewissen. Darum arbeite ich immer weiter an mir und sage stolz: Ich bin Feministin.

Von Steffi Buchli am 04.03.2021
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