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Veloprofi Stefan Küng im persönlichen Interview

«Ich habe Narben statt Tattoos»

Der Thurgauer Stefan Küng gewinnt als erster Schweizer seit 20 Jahren eine WM-Medaille auf der Strasse – Bronze im englischen Yorkshire! Der 25-jährige Veloprofi nervt sich über Nörgler, wäre fast Faustballer geworden, fährt, bis es chlöpft, und hat mit einem berühmten Zauberer etwas gemeinsam.

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«Die Menschen sollten zufriedener sein»: Veloprofi Stefan Küng.

Christoph Köstlin

Sie kommen gerade von der WM. Haben Sie sich für die gewonnene Medaille etwas gegönnt?
Ja, ich habe ein Gläschen Sauser getrunken.

Wo am Körper tuts Ihnen weh?
Bei den Handgelenken. Ich hab Muskelkater in den Unterarmen, weil ich im WM-Rennen viele Stunden lang am Lenker gezogen habe. Dem Rest gehts gut.

Was war Ihr Spitzname als Kind?
«Ste»: Bei meinen Kindheits­kollegen heisse ich immer noch so. Im Team sagen mir einige 
King Küng.

Haben Sie ein Tattoo?
Nein. Aber viele Narben als na­türliche Tattoos. Die Derma­-to­logen sagen mir, dass ich lieber keines haben sollte wegen mei-ner Narbenbildung. Das könnte Wucherungen geben. Aber ich habe auch kein Verlangen danach.

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Highlights: Grösste Erfolge sind u.a. Siege bei der Tour de Romandie (Bild) und der Tour de Suisse. Auf der Bahn war er Weltmeister.

Keystone

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht ändern?
Veloprofi zu sein. Wir fliegen halt relativ viel. Im Alltag achte ich aber darauf, nehme die Treppe, die eigenen Säckchen mit zum Einkaufen, mache viel mit dem Velo.

Wer ist Ihr bester Freund?
Meine Freundin.

Die bisher beste Idee Ihres Lebens? Und die dümmste?
Die beste war ein Entscheid: Als ich zwölf war, musste ich mich zwischen Faustball und Rad­fahren entscheiden. Die schlechteste: immer so schnell den Berg runterzufahren, bis es chlöpft. Das habe ich als Kleiner schon gemacht. Heute ist es anders, aber es hat ein paar Versuche gebraucht.

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin wäre für Sie die Schmerz­grenze erreicht?
Mobilität ist uns so viel wert. Für mich könnte es ruhig teurer sein, so drei Franken pro Liter.

«Mobilität ist uns so viel wert. Für mich könnte es ruhig teurer sein, so drei Franken pro Liter»

Welche Pille gehört erfunden?
Die Anti-Nörgel-Pille. Die Menschen sollten zufriedener sein.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Um null. Ich bin absolut happy und freue mich auch, wenn ich sieben Stunden trainieren gehen kann. Das ist nicht gelogen.

Als Sie Kind waren: Was haben Ihre Eltern Ihnen da immer gesagt?
Dass ich anständig sein soll. Danke und Bitte sagen war wichtig. Und wenn ich jemanden grüsse, soll ich auch den Namen sagen.

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes verschenkt?
Ich ging bei einem Kollegen Tomaten und Zucchetti ernten und hab ihm dann ein Ratatouille gebracht. Ich koche gerne.

Als Sie 16 Jahre alt waren: Wie sah da Ihr Zimmer aus?
Da war eher ein Puff. Und: Alles war rotblau. Bettanzug, Vorhang, Flaggen des FC Basel.

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Lesen und siegen: Stefan Küng als junger Fahrer mit Mutter Brigitte Leu.

Fabienne Bühler

Wie wird ein Thurgauer FCB-Fan?
Mein Bruder war St.-Gallen-Fan. Ich sagte: Ich bin für den, der Letzter ist. Und das war dort der FCB, weil er im ersten Saisonspiel 1:8 gegen Sion verloren hat. Christian Giménez war ein grosser Held von mir, Pascal Zuberbühler auch. Heute bin ich einfach Sympathisant.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Ich würde noch ein paar hohe Berge in den Thurgau stellen, ansonsten haben wir alles.

Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Handydisplay?
Das, welches von Samsung drauf ist. Kürzlich gabs eine Diskussion deswegen. Aber ich brauche kein spezielles Hintergrundbild. Meistens hat man ja eh eine App offen.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Da ich keine typische Beerdigung mit Kirche oder so wollen würde, müsste es coole Musik sein, sagen wir von Passenger.

Was wären Sie für eine Frucht?
Ich bin Thurgauer, also ein Apfel.

«Meine Freundin hat mir Bananenbrot gebacken, als ich von der WM zurückkam»

Welche Idee, welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben?
Handmodel zu werden. Dafür habe ich zu viele Narben.

Welche Ihrer Eigenschaften möchten Sie Ihren Kindern vererben? Welche keinesfalls?
Durchhaltewillen. Dass man nie aufgibt, auch wenn es Rückschläge gibt. Lieber nicht: mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Sie dürfen ruhig etwas überlegter sein als ich.

Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu designen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheit soll er Sie erschaffen?
Ich bin zufrieden, wie ich bin. Und überzeugt, dass jeder Mensch 100 Prozent hat. Mit Vorteilen und Stärken in den einen Dingen und Schwächen bei anderen.

Welche Bücher und Filme haben Ihr Leben massiv beeinflusst?
Harry Potter. Das war ein Riesenteil meiner Kindheit. Ich lese und schaue diese Geschichte immer wieder gerne. Harry war zehn, als ich zehn war, und so wuchs ich mit ihm auf.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut?
Über Bananenbrot, das mir meine Freundin gebacken hat, als ich von der WM zurückkam. 

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Von Eva Breitenstein am 08.10.2019
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