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Musikerin Bibi Vaplan

«Ich schlafe mit einem Plüschtierli»

Die Bündner Musikerin Bibi Vaplan träumt davon, ein Lied auf dem Mond zu singen. Warum sie auf der Bühne nie mehr ein Latex-Kostüm tragen will, in welchem Zustand sie auf Bäume klettert und wie sie mit dem «Tschütschapuolvra» entspannen kann.

Bibi Vaplan, Songpoetin, Sammelgeschichte, 11. November 2020, Lumbrein

«Popcorn Opera» ist das neuste Werk der Sängerin Bibi Vaplan, 42. «Meine Oper lebt von Musik, Literatur, Happenings, Online-Festivals und Grenzenlosigkeit.»

Fabienne Bühler

Bibi Vaplan, was ist Ihre frühste Erinnerung?
Ich war ganz klein, und wir fuhren irgendwohin mit dem Auto. Es regnete, der Scheibenwischer lief, und aus dem Radio kam Musik. Ich erinnere mich noch sehr gut an dieses schöne, wohlige Gefühl. Noch heute spüre ich es, wenn ich bei Regen Auto fahre.

Was hatten Sie als Kind für einen Spitznamen?
«Glupschaug» oder «Fischaug». Oder «Cowboy», weil ich so krumme Beine habe. Ganz böse, ich weiss. Meine Mutter nannte mich schon immer Bibi statt Bianca. Bei einem Curlingturnier malte sie mir mal mit grossen Buchstaben «Bibi» auf mein Trikot, weil sie fand, das wäre doch so ein schöner Spitzname.

Wie hätte Ihr Vorname als Bub gelautet?
Marcel! Meine Eltern hatten aber zum Glück vereinbart, dass meine Mutter den Namen bestimmen darf, wenns ein Mädchen gibt. Wäre ich ein Bub geworden, hätte mein Vater wählen dürfen. Beim zweiten Kind haben sie es umgekehrt abgemacht. Da ich einen Bruder bekam, gewann wieder meine Mutter und durfte entscheiden.

Als Sie 16 waren: Wie sah Ihr Zimmer aus?
Ich wohnte bei meinen Eltern in Scuol im Engadin. Mein Zimmer war volltapeziert mit Postern meiner Lieblingsband Guns n’ Roses. Und mit selbst gezeichneten Graffitis. Aber es war immer tipptopp ordentlich und sauber.

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Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Ich war so hoffnungslos in David Hasselhoff verliebt, dass ich kaum Augen für andere hatte. Zudem war ich eine richtige Spätzünderin. Aber in der Dorfmusik gefiel mir der Schlagzeuger. Mit dem hielt ich einige Male Händchen nach der Probe.

Wie alt wären Sie gern für immer?
66. Weil es eine schöne Zahl ist. 33 ist zwar auch eine schöne Zahl. Aber ich finde, seit ich 33 Jahre alt war, ist einiges besser geworden. Wie gut muss das Leben dann erst mit 66 sein?

Ob ich Phobien habe?In Menschenmengen halte ich es nicht lange aus und bekomme Panik. Ich stehe definitiv lieber auf statt vor der Bühne!

Ihr ulkigstes Mundartwort?
Mein liebstes, liebstes Lieblingswort ist «Tschütschapuolvra». Das heisst in meiner Muttersprache Rätoromanisch Staubsauger. Das Wort kommt auch immer wieder in meinen Liedern vor. Ich finde sogar, es sieht auch geschrieben wunderschön aus. Ausserdem kann ich beim Staubsaugen sehr gut entspannen.

Ihr schönstes Geschenk als Kind?
Einmal bekam ich von meiner Tante zu Weihnachten eine Plüschmaus. Die war fast so gross wie ich, und ich konnte sie richtig gut umarmen. Die habe ich jahrelang behalten. Noch heute schlafe ich immer mit einem Plüschtierli.

Ihre peinlichste Modesünde?
Als ich 29 Jahre alt war, sang ich in einer Punkband. Bei einem Auftritt trug ich ein langes schwarzes Ganzkörperkostüm aus Latex, das ich sogar selber entworfen hatte. Zu diesem Glanzstück trug ich Sneakers von Converse und kurze orange Haare. Auf der Bühne schwitzte ich, und da Latex nichts durchlässt, waren meine Turnschuhe nach dem Auftritt gefüllt mit Wasser. Ich hoffe, es existieren keine Fotos davon!

Die beste Idee Ihres Lebens?
Auf den Mond zu fliegen! Mein Ziel ist es, dort ein Lied zu singen. Ob und wie ich das schaffe, muss ich aber noch herausfinden.

Für welche Eigenschaften bekommen Sie immer wieder Komplimente?
Für meinen Mut. Und für meine schönen blauen Augen.

Welche Bücher, Filme und Musik haben Ihr Leben massiv beeinflusst?
Am meisten beeinflussen mich Menschen und das Leben selber. Aber ich erinnere mich, dass «Der Steppenwolf» von Hermann Hesse mich sehr beeindruckte und tief berührte, als ich das Buch mit 18 Jahren las.

Was können Sie alkoholisiert besser als in nüchternem Zustand?
Ich trinke seit elf Jahren keinen Alkohol mehr. Aber an eine Sache kann ich mich gut erinnern: Als ich noch trank, bin ich im betrunkenen Zustand regelmässig auf alle Bäume geklettert. Ob ich das nüchtern auch so gut kann? Keine Ahnung, ich verspüre überhaupt nicht das Bedürfnis, es auszuprobieren.

Angenommen, Sie könnten Wunder vollbringen – Superkräfte inklusive: Was sind Ihre ersten drei Taten?
Grenzen sprengen, Glück neu erfinden und viel Leichtigkeit in die Herzen der Menschen bringen.

Welchen Tag möchten Sie noch einmal erleben?
Mein 30. Geburtstag. Aber nur, um alles besser zu machen. An diesem Tag lief einiges schief. Was, bleibt aber geheim.

Womit belohnen Sie sich selber?
Mit meinem Liegestuhl. Wenn alles erledigt ist, schlafe ich gerne in der Sonne.

Als Sie Kind waren: Was haben Ihre Eltern da immer zu Ihnen gesagt?
Mein Vater sagte stets, ich singe falsch. Darum hörte ich sogar für einige Jahre damit auf – und spielte nur noch Klavier. Erst als ich ungefähr 21 Jahre alt war, fing ich wieder damit an. Da merkte ich: Ja, stimmt, ich singe wirklich falsch! (Lacht.) 

Von Silvana Degonda am 06.06.2021
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