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Patrick Rohr im Persönlichen Interview

«Ich war jung und leicht betrunken»

Nach langer Bildschirmabstinenz kehrt Patrick Rohr zum TV zurück. Bei MySports plaudert der frühere SRF-«Arena»-Moderator mit Sportgrössen. Der Schweizer Illustrierten gesteht er seine peinlichste Modesünde, verrät, wann er Umsturzpläne schmiedet – und outet seinen «coolen Onkel».

Rohr Patrick, Persönliches Interview SI 06/2021

In der Sendung «Mensch, Rohr» spricht Patrick Rohr, 52, mit Sportgrössen. Jeweils sonntags ab 20.15 Uhr auf MySports.

Joseph Khakshouri

Patrick Rohr, 14 Jahre nach Ihrem SRF-Weggang kehren Sie zum TV zurück. Wurde Ihnen langweilig?
Haha, alles andere als das! Dem Angebot von MySports konnte ich jedoch nicht widerstehen. Und das Gute ist: Wir produzieren an zwei Tagen Sendungen für zwei Monate.

Was moderieren Sie?
Ich spreche mit Sportgrössen, wie wenn sie bei mir daheim zu Besuch wären – persönlich, mit viel Tiefgang. Bei «Mensch, Rohr» gehts für einmal nicht um Auf- oder Abstieg und Resultate.

Und was machten Sie all die Jahre?
Seit 14 Jahren leite ich meine eigene Firma, coache Führungspersönlichkeiten, moderiere, halte Referate. Zudem reise ich als Fotojournalist um die Welt – für Organisationen wie Helvetas oder Ärzte ohne Grenzen oft in Krisengebiete.

Gerade veröffentlichen Sie ein Buch?
Mein Herzensprojekt! Ich reiste mit der Fotokamera entlang der neuen Seidenstrasse von China nach Europa, wollte herausfinden, was für Länder durch dieses gigantische Infrastrukturprojekt der Chinesen verbunden werden. Dabei hatte ich wunderschöne, zum Teil auch irritierende und traurig stimmende Begegnungen.

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Mein neustes Buch: «Dafür bereiste ich China, Kirgisistan, die Türkei, Rumänien, die Ukraine und Polen.»

ZVG

Ihre früheste Kindheitserinnerung?
Wie Bernhard Russi nur Wochen nach seinem Olympiasieg in Sapporo mit der Goldmedaille und einem riesigen Osterhasen zu uns nach Hause kam. Russi ist ein guter Freund meines Vaters. Als Kind war er für mich so etwas wie ein cooler Onkel.

Als Sie Kind waren: Was sagten Ihre Eltern da immer zu Ihnen?
Konzentrier dich auf die Schule!

Gabs dafür einen Grund?
Ich hatte viele Ideen, machte mit acht schon eine kleine Zeitschrift, fotografierte und interviewte Leute.

Ihr Spitzname als Kind?
Filou – mein erster Pfadiname.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Denise wohnte drei Häuser weiter, und wir gingen zusammen in den Chindsgi.

Haben Sie ein Tattoo?
Eine sich drehende Sonne auf dem rechten Oberarm. Es erinnert ans Goa-Festival Ozora in Ungarn, das ich zweimal besuchte.

Ihr schönstes Geschenk als Kind?
Eine Modelleisenbahn. Ich baute ganze Berglandschaften, über die sich Schienen schlängelten.

Ihr Lieblingsbild im Fotoalbum aus Kindertagen?
Ein Bild, das wohl mein Vater beim Wandern machte: Es zeigt meine Mutter, die ihre Arme um meine Schwester Tanja und mich hält. Unser Cockerspaniel Anusch ist auch auf dem Bild.

Als Sie 16 waren: Wie sah da Ihr Zimmer aus?
Unter der Dachschräge stand ein Riesenschreibtisch, zugedeckt mit Pfadi- und Zeitungsprojekten. Dazwischen lagen Schulunterlagen. Es gab eine Coca-Cola-Bettdecke und einen Coca-Cola-Vorhang. Den hatte meine Mutter genäht, weil ich das Cola-Design cool fand.

Ihre peinlichste Modesünde?
Als ich mir die Haare strohblond färbte. Ich war jung und wahrscheinlich leicht betrunken. Zu dumm, dass ich tags darauf im TV Abstimmungsresultate präsentieren musste – der Chefredaktor war «not amused». Er sagte nur: «Das nächste Mal einfach nicht blau!»

Rohr Patrick, Persönliches Interview SI 06/2021

Mein Talisman: Ein kleiner Schutzengel, der mich an alle Enden dieser Welt begleitet – das Geschenk einer Freundin.

ZVG

Ihre liebste Website oder App?
Zurzeit die Schrittzähler-App. Ich versuche, mich möglichst viel zu bewegen. Es gelingt fast immer. Wenn nicht, erinnert mich die App gnadenlos dran.

Das Kitschigste, was Sie je machten?
Den Jahreswechsel 2009/2010 feierten wir auf unserer Hochzeitsreise in einem kleinen Pool in Thailand mit einer Flasche Champagner. Wunderschön!

Die beste Idee Ihres Lebens?
Meinen Mann zu heiraten, er begeistert mich jeden Tag aufs Neue.

Und die dümmste?
Frida von Abba auf ihr Alter anzusprechen, es beendete ein sehr schönes Gespräch, das wir hatten, abrupt.

Haben Sie nachts einen Traum, der immer wiederkommt?
Ich soll in einem Saal voller Leute einen Anlass moderieren, habe aber vergessen, mich vorzubereiten, und weiss nicht einmal, wer meine Gäste sind. Bis ich schweissgebadet aufwache.

Rohr Patrick, Persönliches Interview, Sneeker, SI 06/2021

Das habe ich mir zuletzt gekauft: Zwei Paar Sneaker von Adidas.

ZVG

Welches Geräusch lieben Sie?
Das Klicken des Gürtels im Flugzeug.

Welches hassen Sie?
Autorennen im Fernsehen.

Was war der unangenehmste Job, den Sie je verrichtet haben?
Hamburger-Brater bei McDonald’s. Als Student gabs 11.90 Franken Stundenlohn.

Wie sind Sie, wenn Sie betrunken sind?
Sehr redselig.

Und: Was können Sie alkoholisiert besser als in nüchternem Zustand?
Die Welt zu einer besseren machen – nur habe ich das am nächsten Morgen meistens wieder vergessen. Da ich mit zunehmendem Alter immer weniger Alkohol vertrage, werden auch meine Umsturzpläne seltener.

Rohr Patrick, Persönliches Interview SI 06/2021

Das schaue ich gerade: Die vierte Staffel von «Dix pour cent» auf Netflix und «Zwei am Morge» auf SRF2.

ZVG

Sie sind für einen Tag eine Frau. Was tun Sie? Was probieren Sie aus?
An der Sitzung eines Macho-Gremiums teilnehmen, um herauszufinden, wie es ist, wenn man sich als Frau in einer Männergruppe durchsetzen muss.

Sie werden für Ihr Lebenswerk geehrt. Wer soll die Hommage halten?
Moritz Leuenberger – da gäbs auch was zu lachen. Ich schlug mit ihm zu seinen Bunderats- und meinen «Arena»-Zeiten manche Redeschlacht. Er ist für mich einer der gewitztesten und präzisesten Rhetoriker in der Schweiz.

Von René Haenig am 14.02.2021
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