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  4. Michelle Hunziker spricht über Gewalt an Frauen und Feminismus

Michelle Hunziker war Opfer von Gewalt

«Ich wurde diskriminiert und erniedrigt»

Seit Jahren kämpft Michelle Hunziker mit ihrer Stiftung «Doppio Difesa» gegen häusliche Gewalt. In einem Interview offenbart die Moderatorin, was sie schon konkret zum Schutz von Frauen erwirkt hat – und welche Lehre sie in diesem Zusammenhang für die Erziehung ihrer Töchter gezogen hat.

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Moderatorin Michelle Hunziker ist dreifache Mama.

Instagram/therealhunzigram

Für einmal sorgt Strahlefrau Michelle Hunziker, 42, mit einem ernsten Thema für Schlagzeilen. Die Moderatorin und Ex-Frau von Schmusesänger Eros Ramazzotti, 56, wurde in der Vergangenheit Opfer von Gewalt, wie sie im Interview mit dem deutschen Magazin «Bunte» offenbart.

Danach gefragt, ob sie selbst je geschlagen worden ist, sagt Hunziker: «Ehrlich gesagt habe ich diese Erfahrung schon gemacht, aber nie mit meinen Ehemännern. Und auch ich bin im Leben diskriminiert und erniedrigt worden.» Aufgrund dieser schlimmen Erlebnisse ist der Schutz von Frauen eine Herzensangelegenheit für die Schweiz-Italienerin. Vor zwölf Jahren hat sie deshalb die Stiftung «Doppio Difesa» (auf Deutsch: «Doppelte Verteidigung») gegründet. Die Organisation hat das Ziel, häusliche Gewalt einzudämmen und einen besseren Schutz von Frauen zu erwirken.

Star-Anwältin Giulia Bongiorno unterstützt Michelle Hunziker

In Italien kämpft die Schönheit an vorderster Front für ihr Anliegen. Von Anfang an stets zur Seite gestanden ist ihr Anwältin Giulia Bongiorno, 53. Mit ihrer Hilfe ist es Belle Michelle gar gelungen, zwei neue Gesetze durchzubringen. Das eine schützt Frauen vor Stalkern, das andere sichert schnelle Hilfe, wenn Frauen in den eigenen vier Wänden Gewalt erleiden.

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Für gewöhnlich lacht Michelle Hunziker ihre Mitmenschen immerzu an. Doch beim Thema häusliche Gewalt verfinstert sich ihre Miene.

Dukas

«Es war sehr beängstigend»

Gerade auch Stalking kann ein schlimmes Ausmass annehmen, wie die Moderatorin vor einiger Zeit am eigenen Leib erfuhr: Damals gab es einen Stalker, der sie über zwei Jahre verfolgte. «Ich weiss noch genau, wie er heisst: Tibor. Ein Pole, der total in mich verliebt war und beschlossen hatte, dass wir seelenverwandt sind», erinnert sich Hunziker. Der Mann habe sie verfolgt, Briefe geschrieben, sei ständig in ihrer Nähe gewesen, schildert sie die Situation. «50 Mal habe ich die Polizei gerufen. Es war sehr beängstigend.»

Zum damaligen Zeitpunkt konnte ihr die italienische Polizei nicht helfen. Denn die Ordnungshüter durften bei Stalking-Affären noch nicht von Gesetzes wegen aktiv werden. «Ich hatte das Glück, mir einen Bodyguard leisten zu können», erklärt Hunziker. Da eine Mehrheit sich aber nicht einen persönlichen Leibwächter leisten kann, hat sie gemeinsam mit Anwältin Bongiorno ein Gesetz erwirkt. «Heute muss die Polizei innerhalb von 72 Stunden nach der Anzeige intervenieren und aktiv werden», erklärt die Dreifach-Mama stolz.

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Erst mit Tomaso Trussardi hat Michelle Hunziker den Mann fürs Leben gefunden. Seit 2014 ist sie mit dem Mode-Millionär verheiratet.

Instagram/Michelle Hunziker

Dass man ihr aufgrund ihres «Heile-Welt-Images» dieses ernste Anliegen nicht abnimmt, glaubt die 42-Jährige nicht. Im Gegenteil: «Ich glaube, die Menschen spüren, dass mich Frauenschutz und Frauenrechte ehrlich berühren.»

«Nur wenn du es selbst erlebt hast, weisst du, wie es sich anfühlt»

Es ist ihr wichtig, aufzuzeigen, dass es nicht nur um körperliche Gewalt geht, sondern auch psychische. Letztere habe manchmal schlimmere Auswirkungen als körperliche, ist Belle Michelle überzeugt. «Nur wenn du es selbst erlebt hast, weisst du, wie es sich anfühlt.»

Für die Stiftungsarbeit wendet Hunziker täglich oft mehr als zwei Stunden auf. In dieser Zeit organisiert sie Veranstaltungen, Kampagnen, kümmert sich ums Fundraising oder trifft sich mit potenziellen Gönnern und betroffenen Frauen. «‹Doppio Difesa›» ist wie eine Tochter für mich, die mich täglich begleitet», so Hunziker.

Die Geschichten der Betroffenen raubten ihr den Schlaf

Zu Beginn lastete die ganze Arbeit auf ihren und Giulia Bongiornos Schultern, erzählt sie: «Wir haben den ganzen Tag Mails beantwortet und die Schicksale betroffener Frauen angehört.» Es gab so viel zu tun, dass es der Dreifach-Mama zu viel wurde. «Ich konnte nicht mehr schlafen. Die Geschichten waren so schlimm und grausam», erinnert sich Hunziker.

Heute ist ihre Stiftung anders aufgestellt: Spezialisten, Therapeuten und Sozialarbeiter kümmern sich um die Anliegen der betroffenen Frauen. Wer den Sprung in ein selbstbewusstes, neues Leben, schafft, wird direkt als Botschafterin engagiert. «Dieses Frauen-Empowerment ist ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit», so Hunziker.

«Das Wichtigste im Leben ist Unabhängigkeit»

Die TV-Frau ist selbst eine Powerfrau und achtet darauf, dass ihre drei Töchter, die erwachsene Aurora, 23, sowie ihre jüngeren beiden, Sole, 6, und Celeste, 4, eines Tages genauso selbstbewusst im Leben stehen werden.

In diesem Zusammenhang ist es ihr wichtig, dass ihre Kinder auf eigenen Beinen stehen. «Ich sage meinen Töchtern, seit sie klein sind, dass das Wichtigste im Leben Unabhängigkeit ist. Vor allem finanziell», betont Hunziker. «Dann hast du die Wahl, ob du mit deinem Partner aus Liebe zusammen bist. Du musst nicht notgedrungen bleiben.»

Denn in der Realität sei es leider so, dass oft genau Frauen misshandelt werden, die zugunsten des Mannes zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern, mahnt Hunziker: «Es gibt natürlich auch viele intelligente Männer, die Frauen wie Königinnen behandeln. Trotzdem erziehe ich meine Töchter zu Feministinnen.» Auch bei dieser Debatte geht es ihr mitunter ums Finanzielle. «Dass Frauen in Italien heute noch 30 Prozent weniger Gehalt bekommen, das ist der Skandal!»

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Michelle Hunziker wies ihrer ältesten Tochter Aurora Ramazzotti schon früh den Weg zu einer selbstbewussten Persönlichkeit.

Instagram / Michelle Hunziker

Um dieses Ungleichgewicht auszubalancieren und gleiche Rechte zu erwirken, ist Hunziker bestrebt, die Dinge zu verändern. «Wir arbeiten gerade an einem Gesetz, das festlegt, dass in der Schule mit den Kindern eine Stunde pro Woche über Emanzipation und darüber, wie Frauen und Männer sich respektvoll verhalten können, gesprochen wird.»

Von Sarah Huber am 16.01.2020
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