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Promis in der Corona-Risikogruppe

Kurt Aeschbacher: «Der Virus lehrt uns Menschlichkeit»

«Ich war schon immer ein fatalistischer Mensch», das sagt Moderator Kurt Aeschbacher von sich selber. Der 71-Jährige gehört zwar zur Corona-Risikogruppe, das hält ihn aber nicht davon ab, anderen zu helfen. Wie Aeschbi seine Tage verbringt und wie er aus der Coronakrise Positives zieht, erzählt er im Interview mit schweizer-illustrierte.ch.

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In Zeiten von Corona empfindet Moderations-Legende Kurt Aeschbacher besonders viel Dankbarkeit.

RDB/Blick/Toini Lindroos

Kurt Aeschbacher, Sie gehören der Risikogruppe an. Wie gehen Sie mit dieser Sorge um?
Ich bin ein fatalistischer Mensch, der immer schon mit der Zufälligkeit des Lebensverlaufes umzugehen versuchte. Ich lebte immer schon mit der unumgänglichen Endlichkeit des eigenen Daseins. Diese Einstellung half mir stets, jeden Moment des Daseins bewusst und mit grosser Dankbarkeit zu geniessen.

Wie schützen Sie sich vor einer Infektion?
So wie hoffentlich die meisten Menschen ob jung oder alt. Niemand möchte sich dem Risiko aussetzen, angesteckt zu werden. Deshalb halte ich mich an die Verordnungen des Bundesrates und bleibe zu Hause, wasche mir regelmässig die Hände und halte Abstand.

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Wie verbringen Sie aktuell Ihre Zeit?
Wir lancierten vor drei Wochen mit unserem Magazin 50plus und der Zusammenarbeit mit anderen Verlagen die Solidaritätsbox (www.solibox.ch), um den älteren Menschen, die in ihren vier Wänden isoliert sind, mit Lesestoff die Tage zu verkürzen. Die Aktion erfreut sich riesiger Resonanz und hält meinen Geschäftspartner Benno Kästli und mich dermassen auf Trab, dass keine Langeweile aufkommt. Weit über 1000 solcher Boxen mit etwas «Seelennahrung» sind verschickt und jeden Tag flattern Dutzende von Dankesschreiben auf meinen Schreibtisch. Selbstverständlich werden auch diese berührenden Briefe handschriftlich beantwortet. 

Wie gehen Sie mit den News rund um Corona um? 
Ich versuche ganz bewusst, nicht dauernd an diesem Nachrichtenstrom zu hängen. Es genügt mir, einmal im Tag mich umfassend zu orientieren. Dauernd neue Zahlen, Verordnungen und Schicksalsgeschichten zu konsumieren, macht meiner Ansicht nach die Leute verrückt…

Haben Sie sich vollständig isoliert und wie geht es Ihnen damit?
Ich bin privilegiert. Ich lebe mit meinem Partner, der sich um die Einkäufe kümmert und habe ja auch noch unsere Hündin Amélie, die Gassi gehen muss. 

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Hündin Amelie und Herrchen Kurt Aeschbacher. 

Facebook/Kurt Aeschbacher

Wie halten Sie Kontakt mit Ihrer Familie? 
Das Positive an diesem unerbittlichen Virus ist, dass es uns wohl körperlich trennt, aber emotional näher rückt. Ich telefoniere, skype, und was es sonst alles noch für Kommunikationsformen gibt, mit Freunden und Bekannten, mit denen ich mich in der Hektik des Vorher nur selten austauschte. Dem Virus kann man immerhin zugutehalten, dass es uns wieder Menschlichkeit und Anteilnahme lernt. 

Gibt es Dinge oder Menschen, die Sie besonders vermissen?
Nein.

Was hat Ihnen in den letzten Wochen besonders viel Freude bereitet?
Die Tatsache, dass Solidarität unter den Menschen wieder gelebt wird. Dass Dankbarkeit, zum Beispiel den Pflegeberufen gegenüber, aber auch allen, die weiterhin engagiert arbeiten, ausgesprochen wird. Dass wir uns gegenseitig wieder wertschätzen. Dass wir wieder mit den Herzen sehen…

Von Berit-Silja Gründlers am 13.04.2020
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