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«Meine Mutter war alleine mit acht Kindern»

Nati-Trainer Murat Yakin spricht über seine Kindheit

Zuerst erfolgreichen Profi-Fussballer, jetzt Trainer der Schweizer Fussballnationalmannschaft: Die Karriere von Murat Yakin ist beeindruckend. Der Start in sein Leben aber war alles andere als einfach, wie er nun in einem Interview erzählt.

Murat Yakin

Im Jahr 2000 spielte Murat Yakin für den FC Basel, zwölf Jahre später übernahm er den Posten als Trainer beim gleichen Fussballverein (hier 2014).

Bongarts/Getty Images

Seit wenigen Tagen ist Murat Yakin neuer Trainer der Schweizer Fussballnati. Ein Trainer, der sich um alles und um andere kümmere – «ich bin der fürsorgliche Typ», charakterisiert sich der 46-Jährige selber in einem aktuellen Interview mit dem «Sonntagsblick».

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Diese fürsorgliche Seite dürfte auch mit der Kindheit von Murat Yakin zusammenhängen. Murat Yakin wuchs zusammen mit sieben Geschwistern auf, sechs davon aus der ersten Ehe seiner Mutter Emine Yakin, deren erster Ehemann im Genfersee ertrank, sowie Murat und Hakan Yakin, 44, aus zweiter Ehe.

«Wir lebten zu zehnt in einer 3½-Zimmer-Wohnung. Wir waren zu fünft im Zimmer, da kommts zu Spannungen», erinnert sich Murat Yakin im Gespräch mit dem «Sonntagsblick». Reibereien, die dazu geführt hätten, dass Emine Yakin sogar einmal ins Frauenhaus flüchtete.

Emine Yakin

Emine Yakin im Jahr 2008.

IMAGO SPORTFOTODIENST

Murat Yakin: «Meine Mutter war alleine mit acht Kindern»

Als Murat Yakin ein Teenager war, trennten sich seine Eltern. «Meine Mutter war alleine mit acht Kindern, ging putzen, machte den ganzen Haushalt. Unser Vater zahlte die Alimente irgendwann nicht mehr, wir lebten von Sozialhilfe.»

Murat Yakin unterstützte seine Mutter und die Familie damals tatkräftig: Er habe alle Behördengänge gemacht, weil seine Mutter schlecht Deutsch sprach, die Zeitungen nach Stelleninserate durchsucht, aber auch die Elternabende von seinem jüngeren Bruder Hakan Yakin in der Schule besucht.

«Ich konnte eigentlich gar nie verarbeiten, was eigentlich abgegangen ist», blickt Murat Yakin heute zurück. Er habe nie Zeit gehabt, zu reflektieren. «Ich musste einfach funktionieren. Ich kann alles erst heute mit fast 47 einordnen.»

Murat Anja Yakin

Murat Yakin und seine Frau Anja – hier im Jahr 2009 – sind seit 2011 verheiratet.

imago images/Eventpress

Murat Yakin: «Es war schön, dass wir uns verabschieden konnten»

Während Murat Yakin nach der Trennung seiner Eltern zuerst noch alle seine Ferien beim Vater verbracht hat, habe er danach einige Zeit keinen richtigen Kontakt mehr zu ihm gehabt. 2005 verstarb der Vater. Murat und Hakan Yakin, die 49 beziehungsweise 87 Mal für die Schweizer Fussballnationalmannschaft spielten, hätten damals einen Anruf aus dem Spital bekommen, als sie im Nati-Camp waren. «Köbi Kuhn hat uns gehen lassen, wir fuhren sofort ins Krankenhaus. Es war schön, dass wir uns verabschieden konnten – wir erfuhren erst da, dass er immer ein riesiger Fan von uns war und die FCB-Saisonkarte hatte. Er hatte immer unsere Spiele geschaut, ohne dass wir es wussten.»

Murat Yakins Mutter Emine ist inzwischen 88 Jahre alt und ihr gehe es so weit gut, so Murat Yakin. Immer rund um Emine Yakins Geburtstag Mitte Dezember versuche sich die Grossfamilie Yakin ausserdem zu treffen, wobei sie es bisher ein einziges Mal geschafft hätten, dass alle gekommen seien. Kein Wunder, bei 52 Familienmitglieder. Vier davon – mit ihm zusammen – steuert Murat Yakin bei: Mit seiner Frau Anja ist der jetzige Schweizer Nati-Trainer seit 2011 verheiratet, zusammen haben sie zwei Töchter, neun und sieben Jahre alt.

 

Von Thomas Bürgisser am 15.08.2021
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