Aktuell zu schaffen macht mir der zunehmende Werteverlust, gepaart mit der Heuchelei und Überheblichkeit mancher, die meinen, den Rest der Welt sanktionieren zu müssen.
Wenn ich morgens aufwache, höre ich Meeresrauschen oder vorbeifahrende Autos.
Zum Frühstück esse ich Baguette mit Butter und Erdnussschokolade, dazu trinke ich Kinkéliba-Tee.
Zur Arbeit fahre ich mit dem Auto, aber nicht täglich.
Mein Arbeitstag dauert von 8.30 bis 14 Uhr. Ich bin frei und arbeite blockweise.
Am Feierabend gönne ich mir ein Glas Rotwein oder gehe mit Freunden aus.
Typisch senegalesisch an mir sind die Gestik, Mimik und der Humor. Man sollte vor allem auch über sich selbst lachen können.
Touristen aus meiner Heimat zeige ich neben Dakars Sehenswürdigkeiten die einmaligen Teppichknüpfereien von Thiès – und ich gebe gern Einblicke in die traditionelle Pflanzenmedizin, was nichts mit Schamanismus zu tun hat.
Überschätzt wird hier, dass man den «armen Einheimischen» helfen muss. Vor allem die Jungen sind sehr gut ausgebildet.
Am meisten stört mich an Senegal oftmals die Gleichgültigkeit, verbunden mit der Einstellung «Komm ich heut nicht, komm ich halt morgen».
Von der Schweiz vermisse ich einen guten Cervelat.
Die Schweiz kann von Senegal lernen: Das friedliche Zusammenleben verschiedener Menschen und deren Kulturen.
Schweizer Politik verfolge ich vor allem im Zusammenhang mit dem Gebaren von US-Präsident Trump.
Ich würde zurückkehren: Das schliesse ich kategorisch aus.
Mein Tipp an andere Auswanderer: Nicht zu viel Sicherheitsdenken – Pläne und Budgets sind okay, ein bisschen Gelassenheit ebenso.
Die Fakten zur Person
Beruf: Früher Sozialpädagogin, heute Rentnerin und Betreiberin der Auberge Keur Diame.
Leben in Zahlen: Bewohnt ein kleines Häuschen zur Miete, ihre AHV-Rente ermögliche ein angenehmes Leben und zudem den Unterhalt eines Autos. In Dakar kostet ein Baguette 50 Rappen, ein Vollkornbrot 3 bis 5 Franken, der Coiffeurbesuch «mit weissen Haaren» 50 bis 80 Franken.
Seit sie als kleines Mädchen in der Schule erstmals vom «Urwalddoktor» Albert Schweitzer hörte, ist sie von Afrika fasziniert. Als sie mit ihrem senegalesischen Ehemann 1989 erstmals dessen Heimat besucht, habe sie sich «schockverliebt». Die Ehe scheitert zwar, doch die Liebe zum Land bleibt – und seit 2001 lebt sie dauerhaft in Dakar.

