1. Home
  2. People
  3. Swiss Stars
  4. das Persönliche Interview mit Yello: «Socken mit Polyester gehen gar nicht»

Das Persönliche Interview mit Yello

«Socken mit Polyester gehen gar nicht»

Sie machen als Yello zusammen Musik, träumen nachts das Gleiche, und ihre erste Liebe trug denselben Vornamen. Einzig wenn es um Kitsch geht, haben Boris Blank und Dieter Meier unterschiedliche Vorstellungen.

Yello, Oktober 2020

Dream-Team: Mit Songs wie «Oh Yeah» oder «The Race» schrieben Dieter Meier (l.) und Boris Blank Musikgeschichte.

Universal Music

Was ist Ihre früheste Erinnerung?
Boris Blank: Der Rhythmus des Herzschlages meiner Mutter, etwa zwei Monate vor meiner Geburt.
Dieter Meier: Spaziergänge auf dem Pfannenstiel mit anschliessendem Nuss­gipfel.

Als Sie Kind waren, was haben Ihre Eltern immer zu Ihnen gesagt?
Meier: «Dieterli, bis en Brave.»
Blank: «Räum endlich wieder mal dein Zimmer auf.»

Und wie sah Ihr Zimmer aus, als Sie 16 waren?
Blank: Tipptopp aufgeräumt natürlich.
Meier: Meines war sehr bürgerlich, mit einem Schreibtisch, den ich nie benutzte, und einem Grammofon, auf dem endlos Miles Davis lief.

Was hatten Sie als Kind für einen Spitznamen?
Meier: Dietsch.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Blank: Klar. Sie hiess Ruthli und war die Tochter des Bäckers im Quartier. Sie hat immer für den Znüni – Weggli mit Schoggistängeli – gesorgt.
Meier: Wirklich? Mein erster Schulschatz hiess auch Ruth. Unter dem Vorwand, ihr den Thek nach Hause zu tragen, erlebte ich im Hochsommer die Sensation, wie zufällig ihre Schulter zu berühren.

Mehr für dich
Yello, Oktober 2020

Ende August erschien mit «Point» das 14. Yello- Album. Es ist das vierte, das es an die Spitze der Schweizer Charts schaffte.

Universal Music

Ihr Lieblingsbild im Fotoalbum aus Kindertagen?
Blank: Ruthli, die mich küsst, mit einem Schoggistängeli in der Hand.

Ihr schönstes Geschenk als Kind?
Blank: Ein Spielzeug-Baukran vom Götti Emil.
Meier: Ein Werkzeugkasten, mit dem ich nichts anfangen konnte. Bis ich auf die Idee kam, das Bettgestell zu ­zer­legen.

Welche Bücher, Filme und Musik haben Ihr Leben massiv beeinflusst?
Meier: Alle Schriften von Robert Walser, Jean-Luc Godards «Ausser Atem», «Kind of Blue» von Miles Davis.
Blank: Die Trilogie «Der Pate» von Francis Ford Coppola beeindruckt mich noch heute.

Ihr grässlichster Urlaub?
Meier: Im Sommerlager als Pfadfinder, als bei schwerem Gewitter das Zelt weggeschwemmt wurde. Alles war pflotschnass.
Blank: Bei Ferien mit meiner Frau ­Patrizia in Südfrankreich wurde während unserer kurzen Abwesenheit der gesamte Inhalt unseres Autos ausgeräumt. Alles war weg bis auf eine Krawatte. Es wurde dann trotzdem ein wunderbarer Urlaub.

Ihre liebste App?
Blank: Nach wie vor liebe ich die Sample-App Yellofire, die ich immer dabei habe, um musikalische Ideen spontan an jedem Ort aufzeichnen zu können. Meier: Ich bin da praktischer veranlagt: die Wetter-App.

Yello, Hintergrundbild Boris Blank 2020

Mein Hintergrundbild: Auf meinem Smartphone prangt dieses hübsche Landschaftsbild. (Boris Blank)

ZVG

Das Kitschigste, was Sie jemals gemacht haben?
Meier: Das Yello-Video für den Song «Desire» im Tropicana Club in Havanna. Blank: Das fandest du kitschig? Ich finde «Jingle Bells» für den ameri­kanischen Film «Santa Clause» – die ­einzige Coverversion, die ich jemals musikalisch umgesetzt habe – um Längen kitschiger!

Die beste Idee Ihres Lebens?
Blank: Dass ich statt der Bäckerstochter Ruthli meine Frau Patrizia Fontana geheiratet habe. Sie ist das Beste, was mir passieren konnte.

Und die dümmste?
Meier: Die Entwicklung eines digitalen Mischpultes.

Haben Sie nachts einen Traum, der immer wiederkommt?
Blank: In vielen Träumen kann ich fliegen. Mal höher, mal tiefer.
Meier: Ich auch. In meinen Träumen fliege ich allerdings aufrecht stehend.

Welches Geräusch lieben Sie?
Blank: Jedes, welches die Natur her­vorbringt.
Meier: Das Einschenken eines Puro-­Weines.

Und welches hassen Sie?
Blank: Laubbläser und Motorsägen.
Meier: Krähen im Morgengrauen.

Yello, Oktober 2020

Ungewöhnliche Zusammenarbeit: Blank (r.) schreibt erst die Musik, Meier später dazu die Texte.

Universal Music

Ihre peinlichste Modesünde?
Blank: Double Inch Platform Shoes in den 70er-Jahren.

Bei welchem Thema haben Sie Ihre Meinung fundamental geändert?
Meier: Socken mit Polyesterverstärkung gehen gar nicht mehr.

Wofür bekommen Sie immer wieder Komplimente?
Meier: Für meinen Sprechgesang bei Yello.
Blank: Für die Musik, welche ich seit über vierzig Jahren für Yello mache.

In welcher Situation in Ihrem Leben hatten Sie so richtig Schwein?
Blank: Dass ich Dieter Meier zur richtigen Zeit getroffen habe.

Was war der unangenehmste Job, den Sie je verrichtet haben?
Blank: Ich jobbte zwischenzeitlich als Vertreter für Schreibmaschinen und Schulmaterial. Das war nicht lange mein Ding.

Was an Ihnen ist nicht normal?
Meier: Die angestrengte Eitelkeit, nicht eitel zu wirken.
Blank: Vielleicht, dass ich heute noch gern Schoggistängeli esse?

Yello, Lino Hund von Boris Blank

Mein Haustier: Dieser treuherzige Vierbeiner heisst Lino und wohnt bei Patrizia und mir. (Boris Blank)

ZVG

Was können Sie alkoholisiert besser als in nüchternem Zustand?
Meier: Witze erzählen, über die ich zum tausendsten Mal selbst lache.

Engagieren Sie sich ehrenamtlich?
Meier: Ich engagiere mich für gute Zwecke. Das gehört sich so. Und es gehört sich ebenso, dass niemand wissen muss, wofür.

Haben Sie ein besonderes Talent, von dem niemand weiss?
Meier: Ich bin schneller als jede Abwaschmaschine.

Womit belohnen Sie sich selbst?
Blank: Mit einer Bergwanderung im Jungfraugebiet.
Meier: Mit Härdöpfel-Salat.

Haben Sie Phobien?
Blank: Jede Art von Zynismus.
Meier (grinst): Ich kann Königskobras von über zwei Metern Länge echt nicht ausstehen.

Angenommen, Sie könnten Wunder vollbringen – was würden Sie tun?
Meier: Weltweit jede Art von Waffen abschaffen, jedem Erdenbürger zu ­seinem Glück verhelfen und unseren Planeten retten, wo es nötig ist.
Blank: Den Klimaschutz drastisch vorantreiben, den Menschen Empathie bei­bringen und den Mond öfter voll erscheinen lassen.

Restaurant Weinkontor Ojo de Agua von Dieter Meier. Zürich 2012

Dieter Meier: «Mein Lieblingsrestaurant ist meine «Ojo de Agua» in Zürich und Berlin. Mein Tick ist, dass ich bei vierzig Grad Celsius in der argentinischen Pampa immer ein Seidenfoulard um den Hals trage. In der Tasche trage ich wiederum immer den Abholschein von der chemischen Reinigung.»

ZVG

Ab welchem Geldbetrag ist man Ihrer Meinung nach reich?
Meier: Fragen Sie Hausi Leutenegger.

Sie wären für einen Tag eine Frau. Was tun Sie?
Meier: Als Opernsängerin auftreten.

Wie alt wären Sie gern für immer? Warum?
Blank: So etwa 38. Da ist das Leben noch rund.
Meier: So alt, wie ich jedes Jahr bin, um zu werden wie ein Kind.

Welchen Tag möchten Sie noch einmal erleben?
Meier: Die glücklichen Geburten meiner Kinder.
Blank: Diesen einen Tag, etwa zwei Monate vor meiner Geburt …

Sie erhalten einen Preis für Ihr Lebenswerk. Wer soll die Hommage halten?
Meier: Mit Hommagen kann ich nichts anfangen.

Und wer soll dereinst Ihren Nachruf schreiben?
Meier: Den wird es nie geben. Ein irischer Zigeuner hat gegen zehn englische Pfund Aufgeld aus meiner Hand gelesen, dass ich ewig lebe. Selbstverständlich glaube ich ihm.

Von Sandra Casalini am 17.10.2020
Mehr für dich