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Corona-Betroffene erzählen

«Von Hilfe merke ich nichts»

Das Coronavirus hat auch die Wirtschaft infiziert. Besonders schwer haben es die Selbstständigen und die KMU. Fünf Betroffene erzählen von ihrem Kampf um Lebenswerk und Existenz. In Teil 1: Tontechnikerin Ilona Walker, 33, aus Bern.

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Das Coronavirus hat der Eventbranche und damit Tontechnikerin Ilona Walker den Stecker gezogen.

Geri Born

«Der Montag ist inzwischen mein AHV-Tag. Einmal die Woche rufe ich bei der hiesigen Ausgleichskasse an, um nachzufragen, ob mein Antrag auf Erwerbsentschädigung schon angenommen wurde. Als Tontechnikerin habe ich keine starke Lobby, die sich für mich einsetzt, wie das etwa bei Coiffeuren oder Beizern der Fall ist. Bei mir gilt eher: Mich sieht man nicht, mich gibt es nicht.

Immerhin hat der Bundesrat inzwischen angekündigt, dass neu auch indirekt betroffene Selbstständige wie ich Hilfe erhalten sollen. Gemerkt habe ich davon jedoch noch gar nichts. Bei meinem letzten Anruf bei der Ausgleichskasse hat man mich wieder vertröstet. Es müssten noch mehr als 10 000 Anträge geprüft werden, sagte man mir.

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Mein Konto leert sich stetig. Eigentlich hätte ich mein Erspartes in neues Equipment investieren sollen. Wenn dieses Geld aufgebraucht ist, kann ich noch mein Auto verkaufen. Danach bleibt mir aber nur noch die Geschäftsaufgabe.

Zum Glück brauche ich nicht viel und muss nur mich selbst versorgen. Auch wenn ich in die Sozialwerke der Schweiz vertraue, mache ich mir Sorgen: Die Veranstaltungsbranche, in der ich mir zehn Jahre lang etwas aufgebaut habe, existiert im Grunde genommen nicht mehr.

Im Sommer hätte ich auf verschiedenen Festivals arbeiten sollen. Momentan rechne ich frühestens für den Herbst wieder mit Engagements. Ich gebe mir noch zwei, drei Wochen. Dann muss ich entscheiden, wie es weitergehen soll. Umsatteln wird jetzt immer mehr zum Thema. Die Frage ist nur: auf was? Ich kann doch nur das, was ich jetzt mache.»

Von Onur Ogul und Marlies Seifert am 24.04.2020
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