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Harte Corona-Zeit

Wie sich Promis während der Pandemie Gutes tun

Yoga, Malen, Beten oder Baden – sinnliche Wohlfühlmomente sind in der Corona-Krise so wichtig wie nie. Zehn Prominente haben ihren ganz eigenen Weg gefunden, um jetzt Kraft zu tanken und mit Zuversicht voranzugehen.

Pablo Brügger, Kunstturner Europameister, 11. November 2020, Münchwilen

Pablo Brägger, Europameister am Reck, beim Entspannen zu Hause im thurgauischen Münchwilen.

Fabienne Bühler

Pablo Brägger, 27, Kunstturner

«Seit elf Wochen trainiere ich zweimal täglich am Regionalen Leistungszentrum für Kunstturnen in Wil im Kanton St. Gallen. Kraft, Technik und Ausdauer. Mein Ziel sind die Olympischen Spiele 2021 in Tokio. Immer wieder gönne ich mir daheim ein abendliches Entspannungsbad. Bis 40 Minuten erhole ich mich im wohlig-warmen Wasser, höre Musik von den Pedestrians und Maître Gims oder drücke auf meinem Smartphone herum. Das Unterschenkel-Tattoo habe ich mir im aargauischen Baden stechen lassen, es zeigt einen Teil meiner Turngeschichte. Seit Mitte Juli leben meine Freundin Stefanie und ich hier in Münchwilen TG, sie arbeitet als Hebamme. Wir sind beide gesund und munter, einen Corona-Test mussten wir zum Glück nicht machen. Die restliche Freizeit bereite ich mich auf die Aufnahmeprüfung für mein Physiotherapiestudium vor. Momentan studiere ich das Fachbuch ‹Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem›. Am liebsten fläze ich mich dafür auf unser Sofa. Das habe ich mir nach den harten Trainings verdient.»

Jolanda Neff, Weltmeisterin Mountainbik-Cross-Country, Sammelgeschichte, 11. November 2020, Goldach

Allabendliches Ritual. In ihrer Stube in Goldach SG entspannt sich Jolanda Neff mit Stretching. «Das tut mir so gut.»

Fabienne Bühler
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Jolanda Neff, 27, Mountainbike-Weltmeisterin

«Wegen Corona fanden nur zwei statt acht Weltcuprennen statt. Und trotzdem war dieser Sommer anstrengend – wegen der grossen Unsicherheit. Bei der WM fuhr ich auf Rang 6 – der schwere Sturz Ende 2019 wirkt noch nach. Nach Saisonende verreise ich normalerweise in die Ferien, nun verbringe ich diese Zeit hier in Goldach SG in meinem neuen Haus. Eben habe ich die dritte Nummer meines Magazins ‹trois mois› fertig geschrieben. In der Frühjahrsausgabe hatte ich Tipps für den Corona-Alltag, ich beherzige sie selbst: Internet abschalten, Tagebuch schreiben, lesen. Als ich 2019 am Testrennen für die Olympischen Spiele in Tokio war, habe ich mir ein japanisches Malbuch mit Zeichnungen aus der Heian-Epoche gekauft. Diese male ich nun aus – eine wunderbar meditative Tätigkeit. Jeden Abend vor dem Zubettgehen mache ich Stretching, das ist das Beste zum Abefahre. Dazu höre ich SRF 3 oder schaue Sportnachrichten, danach fühle ich mich herrlich entspannt. Bis vor Kurzem war mein Freund Luca zu Besuch, viereinhalb Monate, nun ist er daheim in den USA. Wir skypen jeden Tag und hoffen, dass die Einreisebeschränkungen dort bald aufgehoben werden, damit ich ihn wieder besuchen kann.»

Beat Schlatter, Schauspieler, Sammelgeschichte, 11. November 2020, Zürich

Daheim in Zürich taucht Komiker Beat Schlatter mit Kunstschnauz in die Welt der Maler ein – und den Pinsel in Öl- und Acrylfarbe.

Fabienne Bühler

Beat Schlatter, 59, Komiker und Schauspieler

«Wenn ich Gemälde für 120 Stutz in den Brocki-Ecken sehe, finde ich das traurig. Deshalb schenke ich ihnen ein zweites Leben! Ich kaufe und verbessere sie – schliesslich war Zeichnen mein bestes Fach während zwölf Schuljahren! So habe ich schon ganze Wälder oder Dächer von Häusern weggemalt, Flüssen eine andere Farbe verpasst. Die von mir verbesserten Kunstwerke verschenke ich nur zu runden Geburtstagen. Dieses Hobby tut mir gut, denn wenn es mir gelingt, ein Bild zu verbessern, macht es mir Freude und danach dem beschenkten Jubilar oder der beschenkten Jubilarin. Denn je länger es bei ihnen daheim hängt, desto mehr gefällt es ihnen. Zudem kommen der Person gute Momente mit mir in den Sinn – das Gleiche passiert bei mir beim Malen, das fünf Minuten oder auch drei Tage dauern kann. Die Gemälde finde ich übrigens in diversen Brockis. Einmal kaufte ich ein Katzenbild in Budapest. Trotz Bescheinigung des Ladenbesitzers, dass es nichts wert ist, liessen sie mich am Zoll nicht ausreisen und holten einen Kunstexperten. Gerade habe ich wieder Gemälde gekauft, darunter Porträts. Dank ihnen habe ich während Corona ein paar Tischnachbarn.»

Bibi Vaplan, Songpoetin, Sammelgeschichte, 11. November 2020, Lumbrein

Ein Extra-Leben: Songpoetin Bibi Vaplan kuschelt in Lumbrein GR mit Rind Roccobello.

Fabienne Bühler

Bibi Vaplan, 41, Pop-Queen

«Vor einem Jahr entschied ich mich, der Welt den Rücken zu kehren, um im bündnerischen Lumbrein an meiner neuen künstlerischen Vision zu arbeiten: der Popcorn-Opera. Im Januar richtete ich mein Atelier im Schulhaus ein, lud am 11. März das Dorf zum Aperitif ein. Nie wäre mir in den Sinn gekommen, dass sich zeitgleich die Welt zurückziehen würde. Draussen war es nun noch stiller als sonst. In mir drin sprühte es vor Ideen. Während dieser Zeit traf ich auf dem Nachhauseweg täglich Roccobello und Leon, zwei wunderschöne Rinder. Ich wollte sie adoptieren. Der Bauer lachte mich aus: Sie seien geboren, um zum Metzger zu gehen! So erhielten Roccobello und Leon einen Auftritt in meinem neuen Videoclip ‹Extra Life›, zu sehen auf www.popcornopera.ch. Rückendeckung erhielt ich von Bistgaun Capaul, dem Bauern, der mich damals ausgelacht hatte. Pünktlich zur zweiten Corona-Welle startete nun mein Projekt ‹Crazy Popcorn 1›. Ein Projekt, dass verlängertes Leben, Liebe, Glück und einen Flug zum Mond verspricht.»

Felix Gmür, Bischof, Sammelgeschichte, 11. November 2020, Solothurn

Bei der Rast in einem Wald bei Solothurn betet Bischof Felix einen Rosenkranz. Er hat ihn aus Bolivien.

Fabienne Bühler

Felix Gmür, 54, Bischof von Basel

«Mein Tag als Vorsteher des grössten Schweizer Bistums ist durchgetaktet. Von 5.15 bis 23 Uhr. Beten, Krisengespräche, Firmungen. Konferenzen leiten, Messen feiern, Seelsorger sein. Doch ich nehme mir jeden Tag Zeit, den Kopf durchzulüften. Gut gelingt mir dies bei einem Marsch in unserer schönen Natur. Dabei nehme ich einen Rosenkranz aus dem Hosensack und finde damit einen guten Rhythmus. Ich habe Dutzende davon, aus jedem Land bringe ich einen heim. Das Rosenkranzgebet ist Meditation, es bringt den Puls runter, es beruhigt. Danach habe ich wieder neue Kraft, kann das Leben nüchtern betrachten. Ich bekomme viel Post von Menschen, die mir ihr Herz ausschütten – Unsicherheit und Ungewissheit plagen sie, vor allem in Zeiten von Corona. Mir geht es gleich. Ich versuche, alle Schreiben zu beantworten. Dabei gehen mir oft die Worte von Jesus durch den Kopf: ‹Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir. Meine Last ist leicht.›»

Von Schweizer Illustrierte am 13.11.2020
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