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Schwarzer Peter, bunter Vogel

Zu Besuch beim HCD-Mäzen Peter Buser

Still verläuft sein Aufstieg zum Multimillionär. Schrill tritt der Solothurner als Sponsor in Davos auf. Peter Buser kokettiert, provoziert und bekommt so, was er will: Aufmerksamkeit! Dem 82-jährigen Junggesellen und Lebemann gehts um seine Stiftung – und um seinen Ruf und Ruhm in der Nachwelt.

Maezen und Multimillionaer Peter Buser, fotografiert in seinem Haus in Triesen, Liechtenstein.

Verspielt: Multimillionär Peter Buser im Bad seines von aussen unscheinbaren Reihenhauses in Liechtenstein. Ein Gang samt Treppe führt versteckt direkt ins Schlafgemach.

PASCAL MORA

Seine Millionen verdiente er leise, ohne Aufsehen zu erregen. «Ich besitze 60 Millionen», sagt Peter Buser, 82. In der «Bilanz»-Liste der 300 Reichsten sucht man ihn aber vergeblich. «Was soll ich da?», sagt der Vermögensverwalter. Sein Name ist trotzdem bekannt.

Spätestens seit er im Dezember 2019 als Sponsor beim Eishockeyclub HC Davos einstieg, zerreisst man sich das Maul. Vor allem über einen Auftritt im SRF-«Sportpanorama». Da spielt der Exzentriker am Flügel – eine dunkelhäutige Schönheit zu Füssen. Buser sagt in die Kamera: «Sie muss in einer untertänigen Stellung sein. Weil ich bin der Herr ... Früher war sie eine Sklavin, jetzt ist sie eine untergebene Frau ...»

Buser liebt Rollenspiele. Sein Auftreten ist nichts anderes. Triesen (FL), letzte Woche. Buser bittet zur exklusiven Audienz ins unauffällige Reihenhaus. Die Tür öffnet Ramona, 36, «eine Bekannte». Der Hausherr thront am Schreibtisch im Entrée. Bilder halb nackter Mädchen ringsum an den Wänden.

Maezen und Multimillionaer Peter Buser, fotografiert im Schlafzimmer seines Hauses in Triesen, Liechtenstein.

Spielwiese: Exzentrisch eingerichtet ist Busers Schlafzimmer: plüschrotes Bett, verspiegelte Wände.

PASCAL MORA
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Buser ist aufgebracht, er schimpft über die Schlagzeile «Steueramt Zürich rückt Millionär Buser auf die Pelle». Von drohendem Steuerstreit ist die Rede. «Blödsinn!», ereifert er sich. Neben dem Domizil im «Ländle» hat Buser Wohnungen in Zürich, Marbella, Südamerika. Er weiss, wo er wie lange sein darf, notiert penibel, wie viele Tage er sich wo aufhält. «Hier bin ich ein halbes Jahr, in Zürich 90 Tage, in Paraguay zahle ich als Ausländer nur Grundstücksteuer.» Ihn ärgern die Vorwürfe. «Ich bin 82, das belastet meine Gesundheit.»

Mit sechs Girls am Opernball

Belustigt reagiert Buser, wenn er als «Playboy» und «Lebemann» betitelt wird. «‹Bizarr-Buser› amüsiert mich köstlich.» Erstmals ins Rampenlicht drängt er 2015 am legendären Wiener Opernball. Da taucht der Schweizer mit sechs Girls in blonden Perücken im Arm sowie Kultstar und Skandalnudel Helmut Berger, 75, an der Seite auf. Busers Outfit (am Opernball gilt Frackzwang) ist geliehen. Seine Alltagsuniform: weite, schwarze Hosen, fette Gürtelschnalle, Sneakers – und ein bis zum Bauchnabel offenes Hemd.

«Alte Frauen findens albern, junge sagen: Du bist cool! Und ich mache, was mir junge Frauen sagen», sagt Buser schalkhaft. Sein Credo: «Ich war nie wie die anderen, wollte nie wie die anderen sein.» Obwohl millionenschwer, trägt er eine 200-fränkige Luminox-Uhr, fährt VW Beetle. Das Aston-Martin-Cabrio (360000 CHF) dient nur dazu, Frauen zu beeindrucken. Ebenso das Interieur seines Hauses – ein Mix aus Fantasieschloss des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. und Verlies des Porno-Grafen Marquis de Sade. Überall Sextoys, Lack- und Lederdessous – in einer Vitrine glitzern über ein Dutzend strassbesetzte Highheels.

 

 Maezen und Multimillionaer Peter Buser, fotografiert am Piano in seinem Haus in Triesen, Liechtenstein.

Spielfreude: Buser versunken am Flügel im Estrich. Der Ex-Lehrer mag Schumann. Notenblätter des Komponisten stapeln sich auf der Couch.

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Seine erste Million hat er verdient, da ist er noch keine 30. Als Student findet Buser einen Weg, aus dem Handel mit WIR-Schecks ordentlich Kapital zu schlagen. Beliebt macht er sich damit bei der WIR-Bank nicht. Zudem verkauft er Kommilitonen Zigaretten, Ski und Schulbücher – billiger als im Laden. 1974 erhält Buser eine Konzession als Wertpapierhändler.

Seine vor drei Jahren erschienene Biografie trägt den Titel «Ich war eine Bank. Und Schlimmeres». Buser managt Portfolios wohlhabender Kunden, erzielt Jahresumsätze bis 800 Millionen Franken. «Es gibt in der Laufbahn des Peter Buser mehrere Momente, in denen er am Rande der Legalität operierte», schrieb die «Weltwoche». Bis heute vermehrt er Kundenvermögen – und seines dazu. «Täglich bin ich bis zu vier Stunden an der Börse aktiv.»

Peter Buser zeigt früh Geschäftssinn

Aufgewachsen ist Buser mit zwei jüngeren Geschwistern in einer Arbeiterfamilie in Trimbach SO. Vater Julius ist Maurer, Mutter Luise verdient als Zeitungsverträgerin dazu. Peter zeigt früh Geschäftssinn, verlangt fürs Kasperletheater Eintritt, verleiht Geld an Mitschüler und Nachbarn. Kredite samt Zins notiert er säuberlich in ein Kassenbuch. Er fährt Milchkannen in die Dorfmolki, kassiert vom Bauern 50 Rappen pro Fuhre.

Er ist ein Lausbub, aber ein guter Schüler (spricht 14 Sprachen), erhält ein Stipendium fürs Lehrerseminar in Solothurn. Als Pauker unterrichtet er kurz in Wisen und Derendingen SO, ehe er in Bern Romanistik studiert und doktoriert. Einer Karriere als Professor gewinnt er nichts ab, «weil man da nix verdient – und keine Frauen bekommt».

Maezen und Multimillionaer Peter Buser, fotografiert im Schlafzimmer seines Hauses in Triesen, Liechtenstein.

Blumig: Buser schreibt Gedichte. «Ich fühle mich als ‹Angstblüte›.» So bezeichnen Botaniker Pflanzen, die vorm Eingehen nochmals ihre Pracht entfalten.

PASCAL MORA

Buser ist kinderlos, hat nie geheiratet. «Ich bin ein freier Schmetterling», kokettiert er, prahlt, «Tausende Frauen» gehabt zu haben. Bis 27 hat er angeblich keinen Sex, praktiziert höchstens Petting. Im streng katholischen Elternhaus gilt Sex vor der Ehe als Todsünde. Buser wird Agnostiker, lässts krachen – auch bei Sadomasospielen.

Der Grund, weshalb Buser provoziert, mag überraschen. «Ich fühle mich wie eine ‹Angstblüte›.» So heisst ein Roman von Martin Walser: Protagonist ist ein alternder Investmentbanker. Buser hat in Brasilien gelebt, wo er Opfer einer Entführung wird, sich freikauft. Als Angstblüte bezeichnen es Botaniker auch, wenn Pflanzen kurz vorm Eingehen letztmals ihre Pracht entfalten. So ergehts Buser.

100000 Euro für Königin Silvia

«Mit 75 merkte ich, dass ich etwas für die Gesellschaft tun möchte.» Er schreibt Gedichte, veranstaltet Klassik-Konzerte, überreicht bei einem seiner Events Königin Silvia von Schweden 100000 Euro für deren World Childhood Foundation – und gründet 2018 seine Stiftung Res Ubique.

Um das Engagement bekannt zu machen, greift Buser zur Provokation. Für Staranwalt Valentin Landmann ist Buser «ein Schweizer Bankier, der mitunter auftritt wie ein Hollywood-Star und nicht viel von Political Correctness hält. Ob Opernball-Besuch, Kaufinteresse an Schloss Eugensberg TG und die dort heimlich geschossenen Erotikbilder einer Freundin oder sein jüngster SRF-Auftritt – Peter Buser reizt gern. Es machte ihm schon als Bub Freude. «Ich war das schwarze Schaf der Familie», lacht er. Böses schwarzes Schaf? Sicher ein verrückter Vogel!

Von René Haenig am 03.01.2020
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