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«Heart Beats» für einen guten Zweck

Zwei Frauen mit ganz grossen Herzen

Mit ihrem Projekt «Heart Beats» helfen Claudia Knie und Carolina Caroli Schweizern, die in der Coronakrise besonders leiden. Dafür lassen sie Künstler zu Farbe und Pinsel greifen, touren durchs Land – und sammeln Geld.

heartbeats-tour, Claudia Knie, Carolina Caroli

Zeigen Herz: Claudia Knie und Carolina Caroli unterstützen mit ihrem Projekt vor allem Jugendliche.

Kurt Reichenbach

Die Herz-OP geht in einer Lagerhalle bei Rapperswil SG über die Bühne. Vorsicht ist geboten, damit keins der angelieferten Objekte kaputtgeht. Claudia Knie, 54, und Carolina Caroli, 49, weisen Nicolai «Elvis» Dörig, 21, an, wie er die kostbare Fracht auf dem Palettenhubwagen verstauen soll, um sie unversehrt aus dem Truck in die zum Atelier umfunktionierte Halle zu hieven.

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Hier kommt ein Herz zum anderen: sechzig grosse und zehn kleine Skulpturen. Bemalt, beklebt, gestaltet, verziert. Bei einer Wanderausstellung, beginnend auf dem Berner Bundesplatz, sollen die Kunstharzherzen echte Herzen berühren und bei einer Onlineversteigerung ordentlich Geld in die Kasse spülen. «Das Herz symbolisiert Hoffnung, steht für Emotionen – fürs Leben», sagt Claudia Knie. Sie und Caroli haben Anfang Jahr die Idee, jenen zu helfen, die in der Coronakrise besonders leiden: Kindern als Opfer häuslicher Gewalt, Jugendlichen, die ihre Ausbildungsstelle verloren, und Familien, deren Obdach in Gefahr ist.

heartbeats-tour

Kreative Familie: Claudia Knie mit ihren Zwillingen Nina (l.) und Tim. Auch sie helfen als kleine Künstler tatkräftig mit.

Kurt Reichenbach

Knie und Caroli begeisterten Künstler aus der ganzen Schweiz für ihre Idee. Lkw-Chauffeur «Elvis» kurvte zwei Tage lang durchs Land, um die von Künstlerinnen und Künstlern gestalteten Werke aufzuladen – von Genf führte ihn seine Tour über Thônex, Neuenburg, La Chaux-de-Fonds, Saint-Brais nach Dietikon und Rapperswil.

Rund um die Uhr arbeiten Knie und Caroli seit März an ihrem Herzensprojekt. Unterstützt wird es auch von der Glückskette. «Normalerweise benötigt man gut zwei Jahre, um so ein Projekt auf die Beine zu stellen», sagt Caroli. Sie und Knie sorgten bereits vor anderthalb Jahren mit einer bunten Elefantenparade zum Schutz Asiatischer Elefanten für Furore. «Jetzt wollen wir in der Schweiz helfen», betont Knie.

Die sechzig Herzen touren als Wanderausstellung, sind zunächst einmal in Bern, Zürich und Rapperswil zu sehen. Auf www.heartbeats-tour.ch werden Herzen versteigert. 85 Prozent des Erlöses gehen an eine Organisation, die Jugendliche unterstützt, 15 Prozent an die beteiligten Künstler.

Heartbeats-Tour, 2.Teil

Startschuss: Die Wanderausstellung beginnt in Bern auf dem Bundesplatz und tourt durch die ganze Schweiz.

Kurt Reichenbach

Aller guten Dinge sind drei. So viele Herzen gestaltete Vanessa Benz, 47. Die in einer Galeristenfamilie aufgewachsene Juristin entdeckte ihre künstlerische Ader vor einigen Jahren. Ein pinkfarbenes und ein blaues Herz sind von ihr, nun bemalt sie ein drittes. «Für eine Immobilienfirma, die mich gebucht hat.» Die schwarz-weiss gehaltenen Häuser auf der einen Seite des Herzens stehen für die Coronazeit, die farbigen auf der anderen für Lebensfreude – getrennt durch eine Mauer.

Nina und Tim, 12, die Zwillinge von Claudia Knie, machen sich an kleinen Exemplaren zu schaffen. Ninas blaues Herz wird mit Schmetterlingen verziert. «Die finde ich einfach schön.» Ihr Bruder übt sich in moderner Kunst. Er legt sein Herz auf den Boden und giesst abwechselnd Rot, Gelb und Grün darüber, sodass sich die Farben fliessend vermischen. «Eine spontane Idee», sagt er lächelnd.

Noch viel Arbeit vor sich hat Mikko Ojala, 46. Der Finne schnipselt an einer Collage. Sein Herz fürs Medienhaus Ringier soll nur positive Schlagzeilen zeigen, die er während der Pandemie in Publikationen wie «Blick» und Schweizer Illustrierte gefunden hat. Wie lange er noch daran werkelt, weiss er nicht. «So lange, bis ich zufrieden bin.»

Zufrieden blicken Claudia Knie und Carolina Caroli am Mittwochabend auf dem Berner Bundesplatz auf das Resultat ihres Projekts. Die beiden Frauen haben wirklich grosse Herzen.

Von René Haenig am 08.10.2021
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