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  4. Unterwegs in Berlin mit dem Citroën Ami

Citroën Ami

Der Würfel des Kolumbus

Mit dem ebenso winzigen wie witzigen Freund (fr. Ami) traut sich Citroën an eine Art urbanen Wiedergänger des Döschwo. Auf Probefahrt staunen wir, wie gut sich die Berliner Stadtluft auch bei nur 45 km/h erschnuppern lässt.

Citroën Ami auf Probefahrt in Berlin

Ein Zwerg aus nur 250 Teilen. Der Citroën Ami ist Basismobilität pur.  Hier zirkelt er nahe des einstigen Checkpoints Charlie durch Berlin (D).

Citroën

Eigentlich wäre Sightseeing an­gesagt – die Probefahrt führt ja durch Berlin. Eigentlich. Statt des Alex interessiert die Passanten und uns aber heute eher der Ami. Smartphones klicken, Leute winken, jemand berlinert «Wat is dat denn?». Willkommen in Citroëns Freund (fr. Ami). Genie oder Wahnsinn? Jedenfalls ein mutiger Wurf, den wir vielleicht in Jahren rückblickend als mobilen Würfel des Kolumbus betrachten.

Der verwöhnte Automensch des 21. Jahrhunderts sucht im Ami, was ihm erspart bleibt für um die 7400 Franken. In Frankreich kostet der Ami 6900 Euro oder 20 Euro Leasing im Monat, Schweizer Preise stehen aus. Bändel statt Innen-Türgriffe, keine Klimaanlage (aber Heizung), kein Laderaum (aber Ablagen für Koffer), nur zwei Sitze mit dem Komfort einer Biergarten-Bank (aber ungeheuer Platz innen). Und ein einsamer Scheibenwischer, dem man kein Gewitter wünscht. Aber schwärmen wir nicht bei der Bratwurst im Rustico vom Reiz des Einfachen? Man muss sich auf den Ami einlassen, dann verblüfft er positiv. Kürzer als ein Smart, saust die Plastik-Knutschkugel mit ihren 8 Elektro-PS luftiger und lustiger los, als der Golf auf der Nebenspur Gänge und Drehzahlen sortieren kann. 

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Wir wuseln mit dem Wendekreis eines Velos durchs städtische Gewühl, cool! Auch deshalb reichen 45 Sachen Spitze locker, schneller fährt man sowieso kaum. Durch die Nach-oben-Klappfenster à la Döschwo kühlt die Berliner Luft. Basismobilität? Basis-Basismobilität, aber gut gemacht und wie Citroëns Ente in Version 2.0. Nicht alles ist freundlich am kleinen Freund: In der Sommersonne dürfte das rollende Glashaus zur Sauna taugen, die Federung erinnert uns an den Termin beim Orthopäden. Aber der Ami macht Laune und fährt gut – nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

Mit dem Citroën Ami auf Probefahrt durch Berlin.

Reduced to the max. – Ausstattung gibt es fast keine, Sitzkomfort wenig. Als Navi dient das eigene Handy.

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Mit dem Citroën Ami auf Probefahrt durch Berlin.

Zum Laden des 5,5-kWh-Akkus reichen dem 471 Kilo leichten Ami eine Steckdose und drei Stunden.

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Die Reichweite reicht weit genug: 75 Kilometer, die auf Testfahrt realistisch scheinen. Danach zapft man drei Stunden lang die Haushalts-Steckdose an (Schnellladen folgt) und Strom für ab etwa einen Franken ab. Wer das kaufen soll? Young urban Professionals ohne Bock auf Parkplatzprobleme. Dazu Grossmütterchen und 16-Jährige, auf deren EU-Fahrausweise der Ami geeicht wurde – daher das 45-km/h-Limit. Wie all das in der Schweiz aussieht, wenn er 2021 wohl zu uns startet, wird derzeit abgeklärt. Abwarten, kleiner Freund.

Den 1-Gang-Automat Citroën Ami mit 6kW E-Motor und 8 PS wird es ab ca. 7400.– Fr. zu kaufen geben. Er verbraucht 11,9 kWh/100km, hat eine Reichweite von 75 km und kommt auf 45 Stundenkilometer.

Von Timothy Pfannkuchen am 09.10.2020
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