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Cruise-Interview

Und jetzt die «Excellence Empress»!

Flussfahrten, Busreisen, Wandern, Rundreisen: Reeder Karim Twerenbold führt sein Familienunternehmen in der vierten Generation. Beeindruckend erfolgreich.

Karim Twerenbold

Endspurt! Karim Twerenbold freut sich auf sein neustes Schiff, die «Excellence Empress»: neues Res­taurantkonzept, nachhaltige Clean Air Technology.

Stefan Matzke

Karim Twerenbold, Ihr zwölftes Flussschiff ist in Bau, die «Excellence Empress». Was hat sie, was andere nicht haben?
Wir setzen als erstes Passagierflussschiff auf eine moderne Clean Air Techno­logy, können die Schadstoffe damit um 75 Prozent und den Feinstoff um 90 Prozent reduzieren. Wir wollen Verantwortung übernehmen und haben zusammen mit unserer Werft in Holland eine sehr gute, verlässliche Lösung gefunden. Die «Empress» verlässt die Werft am 1. Juni 2020. Bei zwei Schiffen, die nicht uns gehören, läuft der Chartervertrag Ende 2019 aus. Sie verlassen die Flotte.

Sie wollen auch mit Kulinarik verblüffen.
Wir setzen mit der «Excellence Empress» neue Massstäbe. Der Gast will heute eine Auswahl. Eine Auswahl an verschiedenen Ausflügen an Land. Eine Auswahl auch an verschiedenen Restaurants an Bord. Also gibts auf dem neuen Schiff zusätzlich zum Haupt- und zum Spezialitätenrestaurant eine neue Weinbar-Idee, Bar und Barbecue am Pool auf dem Sonnendeck und ein zusätzliches Bistro-Konzept im Salon. Die Babyboomer kommen immer mehr auf unsere Schiffe; die wünschen flexiblere Konzepte.

Was kostet denn eigentlich so ein moder­nes Flussschiff?
20 Millionen Euro. Wir finanzieren das alles mit eigenen Mitteln, wollen von den Banken unabhängig sein und immer alles selber entscheiden können.

Sie kaufen Flussschiffe. Andere chartern.
Wir wollen wenn immer möglich kein «Schiff ab der Stange». Wir wollen alle unsere Schiffe so ausstatten können, wie wir es für richtig halten. Nur so können wir die angestrebte Exzellenz auch wirklich erreichen.

Excellence ist eine Gourmet-Reederei. Die besten Köche der Schweiz und auch aus dem Ausland kochen an Bord Ihrer Schiffe. Hobby oder Business?
Freude an der kulinarischen Sache ist natürlich auch dabei. Stephan Frei, der Geschäftsleiter des Reisebüros Mittelthurgau, und ich schätzen gutes Essen sehr. Wir sind immer begeistert von den Auftritten der Sterne- und Punktechefs. Mit der Initiierung des Excellence Gourmetfestivals 2013 hat Stephan Frei einen Coup gelandet. Wir spüren, was der Markt will. Kulinarik ist eine der drei Pfeiler der Excellence-Philosophie. Die anderen sind Service und Sauberkeit in den Kabinen.

«Spüren, was der Markt will». Isoliert in der «Owner’s Suite» oder im Chefbüro spürt man das wohl nicht.
Ich bin regelmässig auf allen unseren Schiffen. Ich gehe auf die Passagiere zu, rede mit ihnen und auch mit unseren oft langjährigen Mitarbeitern. Viele meiner Meetings führe ich an Bord durch. Unsere treusten Gäste sind Mitglieder des Excellence Reiseclubs. Auch an Events des Reiseclubs kriege ich viel Feedback.

Flussreisen mögen wunderschön sein. Als ausgesprochen sexy gelten sie nicht. Junge Gäste kriegen Sie wohl kaum auf Ihre Schiffe.
Unser Markt ist die Altersklasse 60+. Das ist ein sehr guter Markt mit tollen Kunden. Bei Events wie dem Excellence Gourmetfestival lernen auch jüngere Gäste unsere Schiffe kennen und schätzen. Einige von ihnen kommen wieder.

Das Reisebüro Mittelthurgau vermarktet die Excellence-Flotte und bietet auch Kreuzfahrten auf dem Meer an.
Richtig. Wer Kreuzfahrten bucht, ist auch ein potenzieller Kunde für unsere Schiffe. Unser Fokus liegt aber ganz klar auf den Flussreisen.

Wie überzeugen Sie Passagiere zu einer Buchung, die noch nie auf dem Fluss ­waren?
Wir führen unsere Gäste bequem zu ­verschiedenen attraktiven Destinationen. Das Schiff ist gewissermassen die Homebase, man muss den Koffer auf der ganzen Reise nur einmal ein- und auspacken. Die Passagiere machen das, wozu sie Lust haben: Entschleunigen an Bord. Landausflüge. Veloausflüge. Golfrunden. Wir bieten jedem etwas an.

Sie führen das Unternehmen Tweren-bold in der vierten Generation. Von Ihren Eltern sprechen Sie mit Respekt und ­Bewunderung.
Ich bewundere meinen leider früh ­verstorbenen Vater extrem. Er war ein richtiger Familienunternehmer, bodenständig und freundlich zu allen. Er ging bewusst und kalkuliert unter­nehme­rische Risiken ein. Er hat den ­Bereich Flussschifffahrt ins Unter­nehmen geholt. Das hat uns noch stärker gemacht, weil viele Synergien mit unserem angestammten Busgeschäft möglich sind.

 

 

Karim Twerenbold Reeder Mittelthurgau-Chef Stephan Frei

Die Twerenbolds! Karim, Mutter Nazly, Ehefrau Andrea (v. r.). Mittelthurgau-Chef Stephan Frei, Taufpatin Christa Rigozzi.

Marcus Gyger
Reederei «Excellence Countess»

Der Stolz der Reederei Die «Excellence Countess». Design by Mutter Nazly.

Arie Jonkman Fotografie
Twerenbold Reederei

Gemeinsam kreativ. Die Twerenbolds mit ihrem Bau- und Designteam beim Aushecken neuer Schiffspläne.

Handout

Ihre Mutter Nazly bedeutet Ihnen genauso viel.
Sie war die wichtigste Beraterin meines Vaters. Sie berät auch mich, und sie gibt mir Kraft. Das Wohl des Unternehmens geht auch ihr über alles. Meine Mutter ist zuständig für das Design der Schiffe. Sie verblüfft uns alle immer wieder mit ihren Ideen, mit ihrem «Gschpüri». Dass die «Excellence Princess» 2015 zum «Flussschiff des Jahres» gewählt wurde, ist zu einem wesentlichen Teil auch ihr Verdienst. Mein Bauchgefühl sagt mir: Das wird nicht die letzte Auszeichnung sein, die wir gewinnen.

Söhne, die das Geschäft vom Vater übernehmen, haben es nicht immer einfach in der Firma. Ein «fils à papa» muss sich erst beweisen.
Mein Vater hat mich gut auf die Aufgabe vorbereitet. Er hat dafür gesorgt, dass ich alles von der Pike auf gelernt habe. Seit ich 16 Jahre alt war, arbeitete ich in der Firma mit: Ich habe Busse geputzt, Rechnungen abgelegt, Tele­fonverkauf gemacht. Ich versuche, die Firma so zu führen, wie es mir mein ­Vater vorgemacht hat: menschlich, mit gutem Kontakt und Umgang mit unseren Mitarbeitern. Mit den meisten bin ich per Du.

Ihr Vater hat das Busbusiness revolu­tioniert.
Er wollte nicht, dass unsere Gäste irgendwo auf einem Kiesplatz in die Busse zusteigen. Er wollte, dass sie elegant einchecken können wie an einem Flughafen. Also baute er in Baden einen modernen Terminal, den ersten seiner Art in der Schweiz. Der Gast parkiert in der Garage, fährt dann hoch zu seinem Bus und kann vorher noch gemütlich einen Kaffee trinken. Die Reise soll bereits beim Einsteigen entspannt beginnen.

Der Buschauffeur ist auch Reiseleiter.
Korrekter wäre: Reisebegleiter. Er kümmert sich am Ziel aufmerksam und hilfsbereit um die Gäste, ist jederzeit für sie da. Wir haben die modernste Flotte: Im Schnitt sind unsere Busse dreieinhalb Jahre alt, dann wechseln wir sie aus. Stolz sind wir auf unsere Königsklasse: Da fahren nur 30 statt 48 Passagiere mit, pro Reihe gibts eine komfortable 2+1-Konfiguration mit sehr bequemen Fauteuils.

Was sagt Ihr grünes Gewissen zu Bus­reisen?
Der Bus ist das ökologisch sinnvollste Reisemittel. Alle unsere Busse erfüllen ab 2020 die strenge Euro-6-Norm. Wir wissen, dass wir eine gesellschaftliche Verantwortung haben, nehmen sie gern wahr und investieren viel in die Nachhaltigkeit.

Zur Twerenbold-Gruppe gehören noch zwei weitere Firmen: Vögele Reisen für Rundreisen, Imbach fürs Wandern.
Vögele war vor unserer Übernahme ein «kränkelnder Patient». Jetzt macht uns die Firma viel Freude. Denn Rundreisen haben eine neue Dynamik gewonnen. Auch Wandern ist wieder im Trend. Wir versuchen, abseits der Trampelpfade unterwegs zu sein, unsere Gäste beispielsweise in Griechenland auch mal auf ­einen Bauernhof oder in eine schöne Taverne zu führen. Vögele- und Imbach-Gäste sind gerne in guter Gesellschaft,
in einer guten Gemeinschaft unterwegs.

Nächstes Jahr wird gefeiert. 125 Jahre Twerenbold. Sie lassen es krachen!
Wir feiern mit unseren Kunden unter anderem im März in der Mailänder Scala. Wir haben eine Sondervorstellung gebucht, sehen uns «Il trovatore» von Giu­seppe Verdi an. Auf der grossen Ju­bilä­ums-Musikreise fahren wir erst mit unseren Königsklasse-Bussen in die Mo-zart­stadt Salzburg, dann nach Mailand.

Twerenbold verblüfft immer wieder mit Sonderaufführungen in berühmten Opern­­häusern und Konzertsälen.
Wir haben bewiesen, dass wir grosse Häuser füllen können: Wir hatten bereits eine Twerenbold-Vorstellung in der Semperoper in Dresden und waren die ersten, die ein so grosses Projekt in der Elbphilharmonie umgesetzt haben. Solche Events sind Leuchttürme in unserer Unter­nehmung. Die Idee für die Scala hatten wir im Anschluss an ein Konzert in der Seebar des KKL Luzern. Schön, dass sich dieses Projekt umsetzen liess.

Der Firma Twerenbold gehts gut. Also haben Sie wohl immer wieder Kauf­angebote auf dem Tisch.
Das gabs. Aber ich habe einen anderen Traum. Ich möchte unsere Familienfirma irgendwann mal in gesundem Zustand der fünften ­Generation übergeben.

 

Von Urs Heller am 30. August 2019