Fotovoltaik

Pioniergeist am Matterhorn

Auf fast 4000 Metern liefert die Sonne besonders viel Power. Wie die BKW auf der höchstgelegenen Bergstation Europas Massstäbe setzt.

Neue PV Anlage auf dem kleinen Matterhorn. Aufgenommen am 02.07.2019 in Zermatt ©David Birri

Glänzende Fassade: Die Fotovoltaik-Anlage am Klein Matterhorn überzeugt durch höchste Effizienz. Nach ihrer
Totalsanierung läuft sie wieder auf vollen Touren.

david birri

Das schier endlose Seil der Gondelbahn scheint direkt zur Pforte des Himmels zu führen. Die Nordwand des Matterhorns wirft lange Schatten. Im Untergrund leuchtet das ewige Eis in mystischem Blau. An der Bergstation warnt der Bahnführer die asiatischen Touristen vor dem Höhenkoller: «Wenn Sie sich schlecht fühlen, ­legen Sie sich bitte auf den Rücken und ­lagern die Beine hoch.»

Auf dem Klein Matterhorn befindet sich die höchstgelegene Bergstation Europas. Es ist ein schier unwirklicher Ort zwischen globa­lem Tourismus, lokaler Gastronomie – und der rauen Schönheit der höchsten Alpen­gipfel: mit dem Blick auf 38 Viertausender und 14 Gletscher. Atemberaubend! Das Breithorn scheint fast in Griffnähe. Unterhalb der Dufourspitze glänzt die Fassade der Monte-Rosa-Hütte in der Sonne.

Pioniergeist und Expeditionsgedanke sind hier allgegenwärtig – weil sich dank der Technik der Moderne die hochalpine Welt auch ohne Steigeisen und Sicherungsseil erleben lässt. Das Klein Matterhorn gehört zu den kältesten bewohnten Orten der Westalpen. Allein seine Höhe von rund 3883 Metern bringt die Menschen an ihre Grenzen. «Die Arbeitsleistung nimmt hier oben um bis zu 30 Prozent ab», sagt Kurt Guntli, bei den Zermatt Bergbahnen in der Geschäftsleitung für den Bereich Elektrotechnik zuständig.

Guntli ist an diesem Morgen in sym­bol­trächtiger Mission unterwegs. Zusammen mit Marc Hauser, dem Ingenieur für Wind- und Solarenergie der BKW, will er die Solar­stromeinrichtung an der Fas­sade des Bergrestaurants wieder in Betrieb nehmen. Aufgrund der sehr intensiven Sonnen­ein­strahlung hatten die Module der Fotovol­taik-Anlage der hohen Belastung nicht so lange wie erwartet stand­gehalten: «Die Bedingungen hier oben sind extrem», erklärt Hauser, «das Material wird weit stärker in Anspruch ­genommen als im Flachland.»

«Die Bedingungen hier oben sind extrem. Das Material wird in höherem Masse beansprucht als im Flachland.»

Neue PV Anlage auf dem kleinen Matterhorn. Aufgenommen am 02.07.2019 in Zermatt ©David Birri

Seit 1979 kann das Klein Matterhorn mit einer Seilbahn erreicht werden. Die Fotovoltaik-Anlage ist seit 2009 in Betrieb.

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Hauser und Guntli treten aus der Berg­sta­tion in den ewigen Schnee. Sie betrachten die Fotovoltaik-Anlage nicht ohne Stolz. Das 2009 lancierte Projekt zur Gewinnung von Sonnenenergie an der Fassade des Res­taurants Matterhorn Glacier Paradise ist mit viel Prestige verbunden – auch weil man sich bei der Erstellung und den Sanie­rungs­arbeiten mit ungewohnten He­raus­forderun­gen konfrontiert sah. «Die Wet­ter­bedin­gun­gen könnten auf dieser Höhe unterschiedlicher nicht sein.

Temperaturschwankungen von minus 30 Grad bis plus 10 Grad sind keine Seltenheit. Die Windgeschwindigkeit erreicht Stärken von bis zu 250 Stundenkilometer», erklärt Guntli.

Neue PV Anlage auf dem kleinen Matterhorn. Aufgenommen am 02.07.2019 in Zermatt ©David Birri

Kurt Guntli (l.) und Marc Hauser blicken ­optimistisch in die Zukunft: «Eine Solaranlage auf dieser Höhe liefert 80 Prozent mehr Strom als auf Meereshöhe.» 

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An diesem Morgen sind die Bedingungen ideal. Die Alpengipfel präsentieren sich im besten Postkarten-Look. Ski-Teams aus der Schweiz und aus Kroatien proben den Winter bei Frühlingstemperaturen. Bergführer bringen Touristen schon fast im Akkord aufs Breithorn. Oben angekommen, dürfte der eine oder andere nach Luft schnappen und in den Energienotstand ­geraten. Die Solaranlage auf dem Klein Matterhorn dagegen generiert überpro­portional viel Strom. «Hier oben lassen sich 80 Prozent mehr Energie gewinnen als ­auf Meereshöhe», erklärt Guntli. Mit der Jahresproduktion dieses Kraftwerks werde der gesamte Energiebedarf der Bergstation für Heizung, Lüftung und Haustechnik ­gedeckt. Der Strom würde für acht bis zehn Haushalte reichen – ein ganzes Jahr. Hauser fügt an: «Die hohe Effizienz der Energiegewinnung auf dieser Höhe ist auf die Lichtreflexion durch Eis und Schnee, die tiefen Temperaturen sowie die reine Luft zurückzuführen.»

Die BKW-Anlage gilt in der Branche als Wegweiser für die nachhaltige Energieproduktion

Die BKW-Anlage gilt in der Branche ­quasi als Wegweiser für die Energiewende. 2010 wurde sie mit dem Schweizer Solarpreis ausgezeichnet. Damit sie auch künftig den hohen Erwartungen standhält, wurde sie nun zwischen Mai und Juli totalsaniert.

Der grosse Moment der Wiederinbe­trieb­nahme kommt am 2. Juli kurz nach neun Uhr. Im Energie- und Heizungsraum unter dem Bergrestaurant stellt Techniker Ro­berto Ge­novese den Kontakt zwischen Fotovoltaik-Anlage und dem Stromnetz her. In der «Schalt­zentrale» wird der sonnenerzeugte Gleichstrom in den systemkompatiblen Wechselstrom umgewandelt. Guntli beobachtet die Arbeiten gespannt – und ist sichtlich zufrieden, als alles nach Plan ­verläuft, die Lämpchen leuchten und die Anlage wieder ihren Dienst verrichtet, als sei sie nie still gestanden: «Wir können hier ein starkes Zeichen im Sinne der Nachhaltigkeit setzen und eine wichtige Alternative zum vorhandenen Stromnetz bieten.» Die Kooperation mit der BKW ist für den Walliser von zentraler Bedeutung. «Nur mit einer schlagkräftigen Partnerin lässt sich ein solch ambitiöses Projekt umsetzen. Als Besitzerin und Betreiberin der Anlage spielt die BKW die zentrale Rolle.»

Neue PV Anlage auf dem kleinen Matterhorn. Aufgenommen am 02.07.2019 in Zermatt ©David Birri

Mystisch: Die raue Schönheit der Alpen ist hier förmlich greifbar.

david birri

Kurt Guntli und Marc Hauser haben ihre Mission erfüllt. Nach rund zweimona­ti­gem Unterbruch läuft die solare Energiegewinnung auf dem Klein Matterhorn wieder auf hohen Touren. Bevor die beiden mit der ­modernen 3S-Bahn talwärts fahren, gönnen sie sich im Bergrestaurant einen Cappuc­cino. Dabei blicken sie zufrieden zur italienischen Grenze hinunter und ­wissen genau: Ihr Kaffee wurde mithilfe der wichtigsten Mitspielerin im Schweizer Tourismus gebrüht – der Sonne.

Tickets gewinnen für Glacier Paradise

Neue PV Anlage auf dem kleinen Matterhorn. Aufgenommen am 02.07.2019 in Zermatt ©David Birri
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Rauf auf die höchste Bergstation Europas auf 3883 Metern über Meer. Treten Sie auf dem Klein Matterhorn hinaus in eine Welt aus Schnee, Eis und Gipfeln. Mit dem Lift geht es hoch auf die 360-Grad-Aussichtsplattform. Der Ausblick von dort ist atemberaubend. Erblicken Sie unglaubliche 38 Viertausender und 14 Gletscher. Und entdecken Sie den höchstgelegenen ­Gletscher-Palast der Welt. Fahren Sie mit dem Lift 15 Meter in den Gletscher hinein, und treffen Sie auf funkelnde Eiskristalle und Eisskulpturen. Gewinnen Sie 2 × 2 Retourtickets Zermatt–­Matterhorn Glacier Paradise inklusive Eintritt in den Gletscher-Palast. Mitmachen:
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Dieser Beitrag entstand in Zusammen­arbeit mit BKW.

Von Thomas Renggli am 12. August 2019