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Das Ende einer Ära

Rückbau vom Kernkraftwerk Mühleberg

Am 20. Dezember ist Schluss: Das Kernkraftwerk Mühleberg wird abgestellt. Die BKW ist damit die erste Betreiberin, die ein Werk zurückbaut. 2034 soll das Gelände neu genutzt werden können.

Rückbau KKW Mühleberg

Vor einem Jahr wurde die letzte Jahresrevision durchgeführt. Der Deckel des Reaktordruckbehälters wurde am Ende der Arbeiten wieder aufgesetzt.

Manuel Stettler

Zwei Mitarbeiter des Kontrollraums werden am Freitag, dem 20. Dezember, um genau 12.30 Uhr je einen Knopf drücken – und damit das Kernkraftwerk Mühleberg endgültig abschalten. 47 Jahre vorher war das Werk ans Netz gegangen. In den Siebzigerjahren herrschte die Überzeugung, dass mit der Kernkraft der richtige Weg in die Energiezukunft gefunden worden war. Nach Beznau 1969 war Mühleberg 1972 das zweite Werk in der Schweiz, das mit Kernspaltung Strom produzierte.

Rückbau KKW Mühleberg

Probeentnahme für Kontaminierungsmessung in der Reaktorgrube.

Manuel Stettler

Schwere Unfälle schüren weltweit Ängste

Doch schon bald trat Ernüchterung ein: 1979 gab es in Harrisburg (USA) einen schweren Reaktorunfall, der weltweit Ängste vor der Atomkraft auslöste. Mit dem Super-GAU in Tschernobyl 1986 stieg der Widerstand gegen die Kernkraft massiv an, und nach dem Erdbeben und Tsunami in Fukushima 2011 beschloss der Bundesrat den Ausstieg aus der Kernenergie, ohne aber ein konkretes Datum zu nennen. Die BKW als Betreiberin von Mühleberg entschied 2013 aus unternehmerischen Gründen, das KKM vom Netz zu nehmen. Es liefert rund fünf Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Schweiz.

Rückbau KKW Mühleberg

Probemontage der neuen Eintauchkühler für den künftigen Einsatz im Brennelementlagerbecken.

Manuel Stettler

Laut BKW-CEO Suzanne Thoma sind die Arbeiten für die Stilllegung auf Kurs. «Die Technologie zum Rückbau ist bekannt und im Ausland erprobt, in der Schweiz mussten wir, die Aufsichtsbehörde und die Verwaltung Pionierarbeit auf rechtlicher Ebene leisten.» Der Rückbau wird vor allem mit eigenem Personal vonstattengehen. «Unsere Leute verfügen über wertvolles Know-how und wurden in den letzten Jahren auf die neuen Aufgaben vorbereitet», so Thoma. Die BKW hat aber auch eine auf Strahlenschutz spezialisierte Firma zugekauft, die am Abbau beteiligt sein wird und ihr Personal bereits aufgestockt hat. «Wir wollen aber auch, wo möglich, lokales Gewerbe zum Zug kommen lassen.»

Die Abschaltung erfolgt, indem Steuerstäbe zwischen die Brennelemente gefahren und damit die Kernreaktion unterbrochen wird. Innerhalb von sieben Stunden fällt die Temperatur im Reaktor dann von 280 auf 100 Grad Celsius, erklärt Martin Saxer, Leiter des KKM. Die 240 Brennelemente verbleiben noch drei Monate im Reaktor, danach werden sie in einem mit 850 000 Litern Wasser gefüllten Kühlbecken innerhalb des Reaktors abgekühlt. Das Lagerbecken für die Kühlung wird bis 2024 betrieben, dann können die Brennelemente ins Zwischenlager Würenlingen überführt werden. Laut Thoma sind drei Tage nach dem Abschalten Druck und Temperatur stark abgesunken. Drei Monate danach ist die Radioaktivität tausendmal kleiner als im Leistungsbetrieb, wenn die Brennelemente abtransportiert sind, eine Million Mal kleiner.

Rückbau KKW Mühleberg

Entriegelung des Wasserabscheidbolzens.

Manuel Stettler

Die einzelnen Systeme werden nach und nach ausser Betrieb genommen, demontiert und sicher entsorgt, betont Projektleiter Stefan Klute. Danach müssen die Gebäude abgebrochen werden. Das alles braucht Zeit; der gesamte Rückbau dauert bis 2034.

RÜCKBAU BIS 2034

Abhängig davon, ob das Areal künftig industriell oder naturnah genutzt wird, werden beim konventionellen Rückbau die nicht mehr benötigten Gebäude abgebrochen. Ab 2034 kann das Areal neu genutzt werden.

Rückbau KKW Mühleberg

Overalls und Schutzkleidung im Übergang zur kontrollierten Zone.

Manuel Stettler

Die Kosten werden sich auf geschätzt 927 Millionen Franken belaufen, welche die BKW mit ihren Einzahlungen in den Stilllegungsfonds, mit weiteren Rückstellungen und mit Anlageerträgen absichert. Grösstenteils ab 2040 kommen Kosten von 1,427 Milliarden Franken für die Entsorgung des radioaktiven Materials dazu. Dafür zahlt die BKW ihren Teil in den Entsorgungsfonds ein.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit BKW.

Das Freizeit-, Sport- und Eventzentrum Tägi in Wettingen AG ist eine Aargauer ­Institution. Pro Jahr zieht es rund 400'000 Besucher an. Damit setzt es auch landesweit Massstäbe: Das Tägi ist eine der grössten Infrastrukturanlagen seiner Art der Schweiz.

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Von Schweizer Illustrierte am 21.10.2019