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Eishockey Familie Meichtry

Bambini, Piccolo und Moskito

Spielt ein Kind Eishockey, sind auch die Eltern im Einsatz. Stehen gleich Drei Kinder auf dem Eis, wirds ziemlich verrückt – so wie bei Familie Meichtry.

WALLISELLEN, 07.10.2018 - Reportage ueber die Eishockey-Familie Meichtry aus Wallisellen, wo 3 von 4 Buben Eishockey spielen und Vater Patrick schon als Eishockeyprofi gespielt hat.

Tanja und Patrick Meichtry mit Lyan, Yanis, Nayel und Nevyn (v. l.). Nur der Kleinste spielt (noch) kein Hockey.

PASCAL MORA

Sonntag ist Spieltag und Familie Meichtry auf Achse. Statt eines gemütlichen Frühstücks gibt es Fahrdienst, früh aufstehen inbegriffen. Um halb sieben treffen Patrick Meichtry, 38, und sein Sohn Nayel, 5, auf dem Parkplatz beim Sportzentrum Wallisellen ein. Die Jüngsten im Klub, die Bambini, müssen als Erste aufs Eis. Rundherum laden die anderen Hockey Mums und Dads Taschen und Kinder aus den Autos. Ohne Mama und Papa läuft im Kinder-Hockey nichts. Die Eltern backen für die Heimspiele Kuchen und sind Speaker. Sie bedienen während des Spiels die Match-Uhr, öffnen das Türli bei der Strafbank und jubeln ihren Kindern bei jedem Wetter von der Tribüne aus zu. Dazu kommt der ständige Fahrdienst – mit der sperrigen Ausrüstung kann kein Kind mit dem Bus oder dem Velo selbständig ins Training fahren. Und so beginnt der Sonntagmorgen halt auf der Eiskunstbahn. Es ist noch dunkel, richtig reden mag niemand. Man hört vor allem die ratternden Rollen der rot-gelben Sporttaschen. Sie sind so gross, dass locker ein Bambini darin Platz hätte. 

Patrick und Nayel Meichtry

WALLISELLEN, 07.10.2018 - Reportage ueber die Eishockey-Familie Meichtry aus Wallisellen, wo 3 von 4 Buben Eishockey spielen und Vater Patrick schonals Eishockeyprofi gespielt hat. Fruehmorgens unm 06:30 bringt Patrick Meichtry Sohn Nayel am Sonntagmorgen zum Spiel des EHC Wallisellen. PHOTO BY PASCAL MORA

Sonntagmorgen früh: Patrick Meichtry und Nayel auf dem Weg zur Garderobe. Die Bambini müssen um 7.30 Uhr aufs Eis.

PASCAL MORA

Turnier im Morgengrauen

WALLISELLEN, 07.10.2018 - Reportage ueber die Eishockey-Familie Meichtry aus Wallisellen, wo 3 von 4 Buben Eishockey spielen und Vater Patrick schonals Eishockeyprofi gespielt hat. Fruehmorgens beginnen die Spiele der Nachwuchs-Mannschaften auf der Kunsteisbahn des Sportzentrums SPOEDE in Wallisellen. PHOTO BY PASCAL MORA

Turnier im Morgengrauen: Das Sportzentrum Spöde in ­Wallisellen: Auf der Stufe Bambini spielen die Kinder vier gegen vier.

PASCAL MORA

In der Garderobe sind plötzlich alle wach. «Wart ihr auf der Toilette?», ruft der Trainer in das laute Geplapper der Kinderschar. Dass die Kinder die Frage gehört haben, ist eher unwahrscheinlich. 25 Jungen und ein Mädchen montieren wie kleine Ritter ihre Hockey-Ausrüstung. Der Goalie liegt bäuchlings auf dem Boden, ruft nach Hilfe, um seine Schoner zu schliessen. Nayel schaut bei jedem Teil, das er aus dem Bauch seiner Tasche zieht, leicht fragend. Links, rechts, drunter, drüber? Unterstützung kommt von den älteren Kindern. Und da ist zum Glück auch noch der Papi. Patrick Meichtry, der seine Karriere beim EHC Dübendorf gestartet hat, ist Hilfstrainer bei den Bambini. Als bei allen Kindern die Schlittschuhe geschnürt sind und jedes seinen Stock in der Hand hält, atmet er tief durch. Der Gegner ZSC ist pünktlich eingetroffen, draussen wird es langsam hell, das Turnier kann beginnen. 

Währenddessen machen sich zu Hause Tanja Meichtry, 39, und Yanis, 12, bereit für sein Spiel mit den Moskitos. Die Familie hat vier Buben, drei spielen Eishockey. Ihr altes, selbst umgebautes Riegelhaus in Wallisellen ist sorgfältig und liebevoll eingerichtet. Im Wohnzimmer stehen frische Blumen, auf dem Sofa liegen arrangiert karierte Kissen mit Quasten. Den einzigen Hinweis, dass hier eine Hockey-verrückte Familie lebt, liefert Yanis mit seiner Pittsburgh-Penguins-Mütze, die wie auf seinem Kopf festgewachsen wirkt. Bruder Lyan, 9, schaut an diesem Morgen noch ziemlich verschlafen drein. Sein Spiel mit den Piccolos wird erst am Nachmittag stattfinden. Fehlt nur noch der dreijährige Nevyn: Er hat bei den Grosseltern übernachtet und wird mit der Oma direkt zu Yanis’ Spiel kommen. 

Eishockeyjunior Lyan Meichtry

WALLISELLEN, 07.10.2018 - Reportage ueber die Eishockey-Familie Meichtry aus Wallisellen, wo 3 von 4 Buben Eishockey spielen und Vater Patrick schonals Eishockeyprofi gespielt hat. Lyan, 8, beim Spiel des EHC Wallisellen im Sportzentrum SPOEDE in Wallisellen. PHOTO BY PASCAL MORA

Lyan ist ready: Die schwarzen Streifen im ­Gesicht helfen gegens Blenden.

PASCAL MORA

Hockeyfans

WALLISELLEN, 07.10.2018 - Reportage ueber die Eishockey-Familie Meichtry aus Wallisellen, wo 3 von 4 Buben Eishockey spielen und Vater Patrick schonals Eishockeyprofi gespielt hat. Yanis, 12, Vater Patrick,38 und Mutter Tanja, 39, schauen sich das Spiel von Sohn Lyan, 8, an. PHOTO BY PASCAL MORA

Yanis und seine Eltern verfolgen Lyans Spiel mit den Piccolo.

PASCAL MORA

Gegen neun Uhr treffen Tanja Meichtry und Yanis in Urdorf ein. Während er sich umzieht, trinkt sie einen Kaffee im Klublokal. Kunsteisbahnen sind für sie wie ein zweites Zuhause, Tanja war früher Eiskunstläuferin. «Meine Kindheit bestand aus Essen, Schlafen, Schule, Training und Wettkämpfen», erzählt sie. «Das habe ich selber so gewollt.» Patrick und sie lernten sich als Teenager an den Banden kennen. Er hatte jeweils nach ihr Training. Mit zwanzig bekam Tanja bei «Holiday on Ice» einen Vertrag und tourte während zwei Jahren mit der Show um die Welt. Patrick spielte bei Klubs wie den ZSC -Lions oder dem HC Thurgau. Heute arbeitet er als Verkaufsingenieur. Tanja ist Eislauftrainerin – und managt den Familienalltag. 

Yanis, Lyan und Nayel stehen unter der Woche dreimal auf dem Eis, dazu kommen die Spiele am Wochenende. Unter dem Jahr gibt es Trainingscamps. Das wichtigste sei, dass ein Kind richtig gut Schlittschuhlaufen lerne, sagen Tanja und Patrick Meichtry. Und natürlich zu nichts gedrängt würde: «Unsere Kinder sollen vor allem Freude am Eishockey haben.»

«Für eine Profikarriere braucht es neben Talent viel Glück»

Patrick Meichtry

Inzwischen ist es Mittag. Patrick Meichtry hat Pasta gekocht und ein Glas Pesto aufgeschraubt. Die Familie trifft sich kurz zu Hause. Nach dem Essen drängt Lyan zum Aufbruch, bald ist sein Spiel, und er will einen guten Platz in der Garderobe. In seinem Jahrgang ist er einer der Besten. Ob er es einmal bis zum Profispieler schaffen wird? Patrick Meich-try ist realistisch. «Davon träumt wohl jeder Bub. Doch neben Talent braucht es vor allem auch sehr viel Glück.» 

Ziemlich sicher hingegen ist, dass bald eine vierte Hockey-Ausrüstung in der Garage hängen wird. Nevyn, der Jüngste der Familie, besucht diesen Winter einen Eislaufkurs.

Von Barbara Halter am 18. März 2019