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Marrakesch

Wunderbare Wüstenstadt

Nie war die Magie der marokkanischen Metropole ­grösser! Stylische Riads, luftige Dachterrassen und hippe Gastronomie locken Menschen aus aller Welt an. Mittendrin: innovative Schweizer Jungunternehmer.

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Nah am Wasser gebaut: Riads ver­fügen traditionell über einen Brunnen oder Pool. Im Riad Bab 54 laden der Innenhof und leckere Fruchtdrinks zum Relaxen ein.

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Der Bann dieser Stadt ist ­ungebrochen! In den Sech­ziger- und Siebzigerjahren erkoren Hippies und der Jetset Mar­rakesch zu einem ihrer Hotspots. Die Rolling Stones und Led Zeppelin waren da. Der französische Modedesigner Yves Saint Laurent liess sich von den bunten Farben inspirieren, und im letzten Jahr ­feierte Madonna, die Queen of Pop, hier ihren 60. Geburtstag. Der orien­talische Zauber der marokkanischen ­Metropole wirkt aber auch bei Normal­sterblichen: Viele kommen immer wieder. Marrakesch hat Suchtpotenzial!

Egal ob Erstbesucher oder «Wiederholungs­täter»: Den Tag beginnt man am besten mitten in der Medina, der historischen Altstadt von Mar­rakesch. Im Dachterrassen-Bistro Shtatto Mar­ra­kech (an klaren Tagen sieht man bis zum Atlas-­Gebirge!) treffen wir auf den Schweizer Unter­nehmer Matteo Lettieri. Der Zürcher reiste vor fünfeinhalb Jahren zum ersten Mal ins nord­afrikanische Land und war begeistert: «Die Energie der Menschen und die Aufbruchstimmung ­haben mich mitgerissen.» Lettieri, der Wirtschaft an der Hochschule Luzern studiert hat, wollte von diesen kreativen ­Vibes profitieren. Zuerst exportierte er die damals angesagten Hippie-Rucksäcke in die Schweiz, musste aber einsehen, dass die Qualität zu wünschen übrig lässt. Also gründete Lettieri mit Freunden das Label Nasire. Heute stellt er zusammen mit einem fünfköpfigen Team Taschen und Portemonnaies aus hochwertigem Kalbsleder her. Ihr Showroom befindet sich im gleichen Gebäude wie das «Shtatto Marrakech». «Als Start-up sind wir hier am richtigen Ort, es ­passiert gerade unheimlich viel.» Alte Handwerkskünste seien aktuell durch den Austausch mit ­Ausländern wieder am Aufleben, erklärt Lettieri. So würden zurzeit immer mehr junge Brands und spannende Konzepte für Geschäfte aller Art entstehen. «Wir sind erst am Anfang. Wenn das Land stabil bleibt, wird die ­Medina in fünf Jahren ganz anders aussehen», prognostiziert der 28-Jährige.

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Angesagt. Im Restaurant ­Nomad blickt man von der Dach­terrasse direkt auf die Place des Epices. Hier wird der marokkanischen Küche ein neuer ­Twist verpasst.

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Die Feta-­Krapfen mit Minz­joghurt, die Briouat, gefüllt mit Randen, Rüebli und Ingwer, und der Mezze-Teller mit Oliven und haus­gemachtem Joghurt-Brot schmecken köstlich.

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Nach einem «Nous Nous» ­– einem marok­kanischen Milchkaffee – starten wir unsere Tour. In der Medina gilt: Entweder man hat einen Plan, oder man hat bewusst keinen. Sich hier treiben zu ­lassen, ist ein Erlebnis. Je nach Gasse steigt ­einem ein betörender Gewürzduft, der Rauch von gebratenem Fleisch oder frisch verarbeitetem ­Leder in die Nase. Wer bestimmte Sehenswürdigkeiten anpeilen will, lädt sich am besten noch vor Abflug eine «City Map 2Go» aufs Handy, damit man sich im Labyrinth der Altstadt nicht ständig verläuft. Ein guter Ausgangspunkt für einen ­Bummel ist der Djemaa el Fna. Der Marktplatz, auf dem im ­Mittelalter Hinrichtungen stattfanden, ist auch heute nichts für schwache Nerven. Schlangen­beschwörer, Gaukler und Wahrsagerinnen ver­wandeln ihn in ein riesiges Freilufttheater. Das bunte Treiben fasziniert, hat aber auch seine Schattenseiten – etwa jene Affenhalter, die ihre Tiere anketten und ihnen zur Belustigung mancher Touristen für ein paar Dirham eine Sonnen­brille aufsetzen.

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Schöne Aussichten. Blick auf die Place des Epices.

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Süss. Ein Strassenhändler in der ­Medina verkauft frische Kaktusfrüchte.

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Ideenreich. Der Schweizer Unter­nehmer Matteo Lettieri (rechts) vom ­Accessoire-Start-up Nasire mit Mitar­beiter Ibrahim Ettalabi.

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Die Medina, Marrakeschs Altstadt, ist der unumstrittene Puls der Stadt

Einen kurzen Fussmarsch entfernt liegt die einstige Koranschule Medersa Ben Youssef, die mit ihren filigranen Mosaikarbeiten ein fantastisches Beispiel für die islamische Baukunst ist. Ebenfalls einen Besuch wert: das Maison de la Photographie. Die Galerie besitzt über 8000 Fotos aus privater Sammlung, die das alte Marokko zeigen. Von der Dachterrasse hat man einen schönen Blick auf die Medina.

Streifzüge durch die Souks, wie die verschiedenen Märkte der Medina genannt werden, bieten alle paar Meter eine Shoppingmöglichkeit. Händler verkaufen traditionelles Kunsthandwerk wie Tücher und bunte Töpferarbeiten. Feilschen gehört dazu. Gute Faustregel: Ein Drittel des vom Händler genannten Preises ist in den meisten Fällen okay. Wer keine Lust auf Verhandeln hat, findet mittlerweile auch andere Möglichkeiten. Beispielsweise im Concept-Store Chabi Chic, der in der ­Medina gleich zwei Ableger hat. Einer ist bei der Place des Epices, der andere an der Rue Kennaria. Das ganze Sortiment (unter anderem Badetücher, ­Gläser und Bilder) wurde von lokalen Künstlern unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt.

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Ein marokkanischer Gastro-König. Der einheimische Unternehmer Kamal Laftimi führt in der Medina erfolgreich drei Restaurants: das «Le Jardin», das «Café des épices» und das «Nomad».

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Ein Mix aus Alt und Neu. In der Medina vermischt sich die alte ­Bauweise mit trendigen Lokalen und ­Graffitis an den Wänden.

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Kulinarisch hat sich in der Altstadt vor allem dank Kamal Laftimi viel getan. Der Marokkaner hat früh erkannt, dass Touristen auch in der Me­dina gutes Essen schätzen, sie dieses aber lieber ­sitzend mit schöner Aussicht geniessen als in den staubigen Gassen. «In meinen Restaurants versuchen wir das traditionelle Marokko mit dem neuen, modernen Groove der Stadt zu verbinden», erklärt der Gastro-Unternehmer. Das brummende Café des épices war Laftimis erstes Lokal. Sein zweites Projekt, «Le Jardin», ist eine Innenhof-­Oase mit grossen Palmen, die tief auf die Tische hängen. Besonders lecker: das pikante Karotten-Hummus und Baba-Ghanoush-Bruschette. Sein neuster Coup: das «Nomad», direkt gegenüber vom Café des épices – eine der hippsten Adressen der Stadt. Die elegante Rooftop-Terrasse könnte sich auch in New York befinden. Nur Cosmopolitans gibt es keine. Alkohol wird (noch) nicht ausgeschenkt. Burger mit Harissa-Mayonnaise und neu interpretierte Varianten der klassischen Tajine-­Gerichte (in Tontöpfen Gegartes) stehen ebenso auf der Karte wie vegane und glutenfreie Menüs.

Die Medina ist der unumstrittene Puls von Marrakesch, dennoch enttäuscht auch ein Besuch der Ville Nouvelle (Neustadt) nicht. Das Highlight ist der Jardin Majorelle, der botanische Garten, den Yves Saint Laurent 1980 kaufte und aufwertete. Er diente ihm lange als Rückzugsort. Hier steht man oft Schlange – um acht Uhr früh hat man den Garten aber praktisch für sich. Der grösste ­kulinarische Unterschied zur Medina? Es gibt in vielen Lokalen Alkohol. Zum Apéro geht man ins altehrwürdige Grand Café de la Poste. Auf der Weinkarte stehen auch marokkanische Tropfen. Zum Znacht ins «Plus 61», wo so viele Zutaten wie möglich von lokalen Bio-Bauern bezogen werden. Für den Absacker empfiehlt sich das «Baromètre», für ­viele die beste Cocktail-Adresse der Stadt.

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Ein Westschweizer in Marrakesch. Der Velo-Profi Pierre-Alain Renfer hat den Bike-Tourismus im Atlas-Gebirge mit aufgebaut und entscheidend geprägt.

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Ein Spaziergang durch die Altstadt. Die Medina, die Altstadt von Marrakesch, zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Einheimischen suchen sich mit dem Velo oder Töffli ihren Weg durch die Gassen.

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Ein Must für Fashionistas. Die Initialen des Modedesigners Yves Saint Laurent im gleichnamigen Museum sind ein beliebter Selfie-Spot.

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Wer mitten im Getümmel übernachten will, nimmt sich ein Zimmer in einem Riad der Medina. Die ehemaligen Häuser der Oberschicht wurden im Laufe der Jahrzehnte meist von Europäern in prächtige Pensionen umgewandelt. Ein Bijou: das Riad BE Marrakech, geführt von der Zürcherin ­Nicole Billi und ihrem einheimischen Ehemann Mohamed Bousaadi. «Kurz nachdem wir das Riad gekauft hatten, kam Mohamed auf die Idee, dafür eine ­Instagram-Seite einzurichten», erklärt Billi. Der Anfang einer Erfolgsgeschichte. «Bald klopften die ersten Influencer an unsere Tür.» Heute folgen ihnen auf Instagram über 60 000 Abonnenten. Ihr neuester Hotspot ist der Yogaplatz auf der Dachterrasse. Auch die Kochkurse, bei denen man mit Angestellten in den Souks einkaufen geht und ­gemeinsam kocht, sind bei den Gästen beliebt. ­Etwas reduzierter, aber nicht minder cool ist das Riad Bap 54 mit seinem stylischen Innenhof. Ebenfalls sehr wohnlich: das Riad Jardin Secret, das von einem jungen Pariser Paar geführt wird und einem Tropenhaus im Kleinformat ähnelt. Die mächtige Palme im Innenhof dominiert den Look, überall stehen Pflanzen und liegen Kunstbücher herum. Portier Youssef drückt allen Gästen ein uraltes ­Nokia mit seiner gespeicherten Nummer in die Hand; man soll sich melden, falls man sich verlaufen hat oder einen Tipp braucht.

Wer eine Pause von der Stadt will, ist in ­einem Ressort wie dem «TUI Sensimar Medina Gardens» gut aufgehoben. Die Hotelanlage im Herzen von Marrakesch wurde renoviert und öffnet im Mai ihre Pforten: mit ­neuem Spa-Bereich, Zimmern mit Jacuzzi und ­einer Sky-Bar.

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Das reichhaltige Frühstück mit frischen Backwaren und Früchten im Riad Jardin Secret.

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Auch die Gegend rund um Marrakesch hat viel zu bieten. Wer für einen Vormittag Landluft schnuppern will, fährt zu Christine Ferrari ins ­Ourika-Tal. Die Baslerin führt dort eine Safran-Farm – ein kleines Paradies mit einem selbst angelegten botanischen Garten und einem Barfuss-Weg, auf dem letztes Jahr auch Schauspielerin Salma Hayek wandelte. Für Surfliebhaber bietet sich eine Verlängerung am Meer an, beispielsweise im Pure Surfcamp in Aourir. Wer lieber in die Pedale tritt, der ist bei Pierre-Alain Renfer richtig: Der Westschweizer hat den Bike-Tourismus im ­Atlas-Gebirge massgebend mit aufgebaut. Bei ihm sind Touren von einem Tag bis zu einer ­Woche möglich. Selbstverständlich hatte auch Renfer schon bekannte Kundschaft. Sein Highlight? «Ganz klar Apple-Gründer Steve Jobs!» Renfer, der schon seit knapp dreissig Jahren hier lebt, ist der Stadt nicht überdrüssig. «Marrakesch überrascht mich noch heute jeden Tag aufs Neue!» Kein Wunder, kehren früher oder später alle hierher zurück.

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Ein Instagram-Hit. Die Zürcherin Nicole Billi und ihr ­einheimischer Ehemann Mohamed ­Bousaadi führen das Riad BE Marrakech.

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Der ­Instagram-Seite des Riads folgen mittlerweile über 60 000 Abonnenten. ­Besonders beliebt bei Gästen für ihre ­Erinnerungsbilder: die reich verzierten ­Innenhöfe des Riads.

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5 for the road

Anreise Mit Edelweiss direkt von Zürich nach Marrakesch. www.flyedelweiss.ch
Hotel «TUI Sensimar Medina Gardens» – Ruheoase in der Stadt. www.tui.ch/sensimar-medina-gardens
Restaurant Ein Hotspot ist das «Nomad» in der Medina. www.nomadmarrakech.com
Bar Grand Café de la Poste in der Neustadt (tolle Weinkarte!). www.grandcafedelaposte.restaurant
Sightseeing Biketouren im Atlas-Gebirge mit ­Pierre-Alain Renfer. www.marrakechbikeaction.com

Von Manuela Enggist am 23.04.2019
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