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Der indiskrete Travel-Talk

«Ich bin oldschool»

Familienferien statt Ballermann. Auto statt Flugzeug. Jackett statt Jogginghose. Eishockey-Torhüter Leonardo Genoni plaudert über seine privaten und geschäftlichen Reise-Erlebnisse.

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Nächste Ziele Leonardo Genoni ist mit 32 noch lange nicht müde: Der ­Eishockeygoalie will mit dem EV Zug den Meistertitel und mit der Schweizer Nati erfolgreich an der Heim-WM punkten.

Luzerner Zeitung AG

Dieser Mann wünscht sich, dass er noch ganz lange auf die nächsten Ferien warten muss! Warum? Leonardo Genoni befindet sich mit seinem Klub, dem EV Zug, mitten in der Saison. Und das äusserst vielversprechend. Im Mai erwartet den 32-jährigen Eishockey-Torhüter mit der WM in der Schweiz gleich das nächste Highlight. Und für Leonardo Genoni gilt: «Je erfolgreicher wir spielen, desto länger dauert meine Saison.» Unterwegs ist der Familien­vater von Giulien, 7, Emilia, 5, und ­Gianni, 2, dann jeweils umso mehr – mit Jackett, Eishockeytasche und manchmal gar mit dem eigenen Kissen.

Leonardo Genoni, woher stammt Ihr letzter Passstempel?
Das liegt etwas länger zurück: von den Olympischen Spielen im Februar 2018 in Pyeongchang, Südkorea. Das war mit drei Wochen meine längste und auch weiteste Reise. Mit dem Klub sowie mit der Familie hiessen die letzten Ziele Tschechien, Frankreich, Finnland, Dänemark, Schweden. Da reise ich jeweils mit ID.

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Sie kommen viel herum!
Ja, doch leider habe ich an der Olympia nicht viel vom Land und der Kultur gesehen. Allgemein ist es so, dass wir bei den Auslandeinsätzen meist nur Hotel und Eishalle sehen. Doch der Norden mit den vielen Seen gefällt mir sehr gut.

Welche Ferien-Erinnerung aus Ihrer Kindheit begleitet Sie?
Meine Eltern fuhren mit uns Jungs im Auto nach Italien ans Meer – immer durch die Nacht. Vergangenen Sommer kam mir das wieder in den Sinn, als ich mit meiner eigenen Familie nach Frankreich fuhr. Früher war ich der­jenige, der ständig fragte: Wie lang gehts noch? Nun sind es meine Kinder – und ich sehe, wie anstrengend das ist (lacht).

Verreisen Sie regelmässig per Auto?
In die Ferien meistens. Ich fliege fast nur fürs Eishockey. Nicht aus Prinzip, aber ich muss nicht weit weg, um abschalten zu können. Eine Ausnahme waren die ersten Familienferien zu fünft auf Mallorca. Das liegt eineinhalb Jahre zurück. Wir suchten die Wärme – haben sie aber leider trotz Flugreise nicht gefunden!

Wo sitzen Sie im Flieger am liebsten?
Am Gang. Doch wenn wir mit der Mannschaft reisen, kann ich nicht auswählen. Wir fliegen immer mit Linienflügen – und sitzen in der Economy.

Geht das gut mit Ihrer Grösse?
Ja, ich finde das voll okay. Für einen Eishockeyspieler bin ich mit 1 Meter 83 nicht gross. Ausserdem kann ich nicht vergleichen: Ich flog noch nie Business.

Welcher Typ Sitznachbar sind Sie?
Ich schätze, ein ganz angenehmer. Bis jetzt beklagte sich zumindest noch niemand (lacht). Ich bin ruhig. Esse meistens nichts. Flugzeug-Food sagt mir nicht zu. Ich höre Musik oder lese.

Ihre Lektüre?
Meist ein Magazin mit Sport- oder Wirtschaftsthemen vom Flughafen-Kiosk.

Ihr unübertroffenes Reiseoutfit?
Habe ich keines. Bei Eishockey-Reisen ist es vorgeschrieben, was wir anziehen: Jeans, T-Shirt oder Hemd und Jackett. Ähnlich reise ich auch privat, ich bin sowieso nicht so der Jogginghosen-Typ.

Eigene Socken für den Flieger?
Wir haben einst Kompressionssocken bekommen. Die wollte ich eigentlich ausprobieren, doch ich habs vergessen.

Was darf im Handgepäck nicht fehlen?
Kaugummis für den Druckausgleich, Kopfhörer und einen Schal, da ich mich unterwegs schon oft erkältet habe.

Führen Sie eine Reise-Apotheke mit sich?
Nur, wenn ich mit der Familie reise. Sonst sind wir diesbezüglich gut betreut. Glücklicherweise ist noch nie ­etwas passiert. Ein Arztbesuch im Ausland war noch nie nötig.

Ihre Koffer-Pack-Strategie?
(Lacht.) So spät wie möglich damit anzufangen! Und ich falte alle Kleider auch bei der Rückreise wieder schön zusammen, um Platz zu sparen.

 

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Auszeit Leonardo Genoni verreist jeweils nur im Sommer in der Saisonpause. 2017 genoss er Strandferien auf Formentera.

Handout

«Auf Safari würde ich gerne mal gehen. Doch das kommt wohl erst nach der Eis­hockeykarriere»

Haben Sie schon mal einen Flieger verpasst oder was Wichtiges vergessen?
Nein. Das kann kaum passieren, denn privat hat meine Frau alles im Griff. Sie kontrolliert Tickets und Dokumente dreimal und will auch immer viel zu früh am Flughafen sein. Für mich wäre auch eine Stunde später noch okay …

Und bei Reisen mit dem Team?
Auch da wird genügend Zeit eingeplant. Und ich packe vorsichtshalber die wichtigen Dinge wie Fang- und Stockhandschuh, Schlittschuhe und Eisen lieber doppelt ein. Bei längeren Reisen nehme ich auch mein eigenes Kissen mit. Doch wenn das Gepäck nicht ankommt, nützt alles nichts.

Ist das schon einmal passiert?
Ja, an der U20-WM kam meine ganze ­Tasche nicht an. Bis zum Turnierstart war zum Glück aber alles da. Wenn das heute während eines kurzen Champions-­League-Trips passieren würde, könnte ich gar nicht spielen.

Wann und wie oft können Sie sich als Profisportler Ferien gönnen?
Wir haben unmittelbar nach der Saison ein bis zwei Wochen Pause und nochmals im Sommer. Die ersten Wochen sind jedoch nicht planbar, da ich nie weiss, wie weit wir in der Meisterschaft kommen und ob ich ein WM-Aufgebot erhalte. Und nun ist unser ältester Sohn in der Schule. Das heisst, uns bleiben ­eigentlich nur noch die Sommerferien, um zu verreisen.

Wie buchen Sie Ihre Ferien? Übers Reisebüro oder online?
Da bin ich oldschool – immer übers Reisebüro. Doch ich checke Websites wie Tripadvisor, um mich zu informieren.

Ihr erster Ferien-Flirt?
Ich hatte nie einen. Erst waren Mädchen noch nicht interessant. Und später gingen wir nicht mehr richtig in die Ferien. Meine ersten Ferien ohne Eltern – mit 16 in der Türkei – machte ich bereits mit meiner heutigen Frau.

Fünf-Sterne- oder Boutique-Hotel, Massenschlag, Familienhotel oder zur Miete?
Ich mag es sauber – aber die Anzahl Sterne spielt mir keine Rolle. Das kann ein Gasthaus sein, eine Finca, ein Hotel. Für die Kinder ist ein Pool von Vorteil.

Wie viel Sport gibts in den Ferien?
Das Pensum ist zwar reduziert, aber wir haben auch da einen Trainingsplan. Ein bis zwei Stunden pro Tag sollte ich trainieren: Joggen, Kraftraum, Ausgleichssport. Nach den Ferien wartet jeweils ein Leistungstest. Wer zuvor nichts gemacht hat, bekommt dann die Quittung. Ich weiss, wovon ich rede!

Nehmen Sie also Sportgeräte oder Nahrungsergänzungsmittel mit?
Bei Autoreisen immer! Gymnastikmatte, kleinere Hanteln, eine Blackroll und ein Ball. Auf Nahrungszusatz verzichte ich – auch im Alltag.

Ihr Ernährungsmotto in den Ferien?
Ich esse gerne lokale Gerichte. Doch ich bin nicht so experimentierfreudig, dass ich schon mal etwas Exotisches oder Ekliges ausprobiert hätte. Dafür gönne ich mir ab und zu mal ein – oder zwei, oder drei – Schoggiglaces.

Kaufen Sie Souvenirs?
An Olympia konnte ich nicht widerstehen und habe die Plüsch-Maskottchen gekauft für meine Kinder. Und mein ­ältester Sohn ist im Fussballfieber, bei ihm stehen Fussballtrikots hoch im Kurs.

Von welchem Klub?
Nicht von einem Klub, nur von Manuel Neuer. Natürlich ein Torhüter (lacht).

Eine Destination mit speziellem Trauma?
Trauma ist übertrieben. Doch 2016 war ich mit dem SC Bern auf Mallorca am Ballermann. Einmal und nie wieder! Doch in unseren Familienferien habe ich mich wieder mit der Insel versöhnt. Es gibt wunderschöne Ecken dort.

Ihr Traumziel für die Zukunft?
Ich war noch nie in Australien, Südamerika oder Afrika. Gerne würde ich mal auf Safari gehen. Doch das kommt wohl erst nach der Eishockeykarriere.

Ihre nächste Reise?
Die Sommerferien werden wir wieder in der Nähe von Nizza verbringen. Und da wir die Eishockey-WM-Vorrunde in Zürich bestreiten, wird auch da meine Anreise nicht allzu weit sein!

Von Sarah van Berkel am 20.12.2019
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