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Interview

Der Ferien-Macher

TUI Suisse Chef Martin Wittwer über all-inclusive, ­seinen Lieblingsclub, die Internet-Konkurrenz und den Luxus, ­eigene Hotels, Flieger und Airline(s) anbieten zu können.

Martin Wittwer CEO TUI Suisse
Geri Born

Martin Wittwer, Kreuz­fahr­ten boomen. Sind die guten alten Badeferien endgültig tot?

14 Tage nur im gleichen Liegestuhl liegen will keiner mehr. Auch nicht in klassischen Badeferienhotels. Der Gast will Abwechslung, vom Wellness­angebot profitieren, Sport treiben, gut und gesund essen. Das müssen wir auf den Kreuzfahrtschiffen sowie in den Hotels bieten.

Was lockt die Gäste so zahlreich auf Kreuzfahrtschiffe?

Kreuzfahrten sind «Badeferien plus». Der Gast packt nur einmal seinen Koffer und ist trotzdem jeden Tag an einem neuen Ort. Er kann jederzeit selber entscheiden, wie er seinen Tag verbringen will: an Bord. An Land. Auf einem Ausflug. Auf dem Velo. Auf dem Golfplatz. Ferientage will man nicht bis ins ­letzte Detail planen, sondern spontan entscheiden. Ein Schiff bietet Meer, angenehme Temperaturen, viele Sportmöglichkeiten. Ich war kürzlich selbst auf einem Schiff und genauso begeistert wie die Passagiere.

All-inclusive boomt. Bei Familienferien, aber auch auf luxuriösen Schiffen.

Ich mag die All-inclusive-Formel. Aber das Angebot muss auf gutem Niveau sein. Der Gast muss die Möglichkeit haben, noch etwas Luxus dazuzubuchen: die besondere Massage, seinen Lieb­lings­wein. All-inclusive soll für ein Grund­rauschen auf hohem Level sorgen, dem Gast aber trotzdem die Möglichkeiten bieten, etwas Besonderes zusätzlich zu kaufen. Man will sich in den Ferien auch mal was gönnen.

TUI ist auch eine Reederei, tauft jedes Jahr ein neues Kreuzfahrtschiff. Man kanns auch übertreiben …

Der Kreuzfahrtenmarkt ist ein Markt, der noch wächst. Da müssen wir dabei sein. Das ist Teil unseres Konzeptes: TUI hat eigene Hotels und Resorts, eige­ne Reiseleiter vor Ort, eigene Flugzeuge. Und folglich auch eigene Schiffe.

Die Mein-Schiff-Flotte von TUI Cruises kreuzt auf dem Meer. In den boomenden Bereichen Flussschifffahrt und Expedi­tions­schiffe haben Sie nichts zu bieten.

Auch Hapag-Lloyd Cruises gehört zum Konzern. Diese Reederei ist im Ex­peditionsbereich sehr stark unterwegs und baut im Moment drei Fünf-Sterne-Ex­pe­ditionsschiffe: «Hanseatic nature», «Han­seatic inspiration» und «Hanseatic spirit». Diese Schiffe werden neue Mass­­stäbe setzen. Die Mein-Schiff­-Flotte konzentriert sich auf den deutsch­spra­chigen Gast und bietet mit den Wohl­fühlschiffen ein einmaliges ­Erlebnis mit verschiedensten Reise­routen. Flusskreuzfahrten vermitteln wir gerne, auch wenn wir hier keine ­eigenen Schiffe haben.

Kreuzfahrten haben einen Haken. Man kann kaum spontan buchen und kurz­fristig an Bord. Die Schiffe sind früh ausgebucht.

Das spricht für den Markt. Die Nach­frage ist im Moment riesig. Allerdings sind sehr viele neue Schiffe im Bau. Das wird die Situation entspannen.

Robinson Club Soma Bay Aegypten Ferien Bucht
Sein Lieblingsresort. Martin Wittwer ist Stammgast im Robinson Club Soma Bay. Handout

Ich weiss, wo Sie am liebsten hingehen. In Robinson Clubs! Weshalb tummeln sich eigentlich so viele zahlungskräftige Manager in einem All-inclusive-Resort?

Weil man in einem Robinson Club alle Freiheiten hat: Man kann alles, muss nix. Aber wenn man aktiv werden will, weiss man: Das Surfbrett ist top. Der Tennisplatz ist in gutem Zustand. Die Instruktoren sind hervorragend ausgebildet. Die Wellnessanlagen sind grosszügig und lassen keine Wünsche offen. Die Qualität stimmt in unseren Robinson Clubs, auch beim Essen. Für viele Gäste gilt: einmal Robinson, immer Robinson. Es gibt nichts Vergleichbares!

Robinson ist auch Trainingslager. Sie und viele Ihrer Geschäftsfreunde bereiten sich auf anspruchsvolle Velorennen vor.

Wir bestreiten die Tortour, weil wir gerne mal an unsere körperliche Grenze gehen wollen. Dafür bieten wir bei TUI Trainingscamps an – für die Tortour, aber auch für das schwedische 300-Kilometer-Rennen Vätternrundan. Ein idealer Trainingsort ist Mallorca – und auch da gibt es einen bestens dafür geeigneten Robinson Club.

Sie kennen sich aus bei Robinson. Ihr Lieblingsclub?

Soma Bay! Dort gibts das ganze Jahr über – nur vier Flugstunden entfernt – alles, was ich brauche: Sand, Meer, Wind, Weite. Seit 2003 bin ich mit Freunden und der Familie dort, meine Kinder haben in Soma Bay surfen gelernt.

Es gibt einen weiteren Trend auf dem Reisemarkt. «Adults Only». Für alle, die Kindergeschrei nicht so mögen.

Ich liebe Kinder, aber ich bin in den Ferien trotzdem mal froh, wenn man im Hotel Ruhe hat. Beim Frühstück, am Pool, beim Wellnessen. Das sehen viele Gäste so, deshalb sind «Adults Only»-Angebote stark gefragt. TUI hat dafür ein eigenes Konzept: die Sensimar-Hotels. Wir bauen diese Hotels für Pärchen und Erwachsene massiv aus, eröffnen nächstes Jahr weitere
25 eigene Sensimar-Hotels. Das sind alles sehr moderne, nicht allzu grosse Anlagen mit gediegenem Entertainment, aber ohne Partyzone. Für Familien mit Kindern haben wir selbstverständlich ebenfalls ein riesiges Angebot: mit den zwei Hotelkonzepten «TUI Family Life» oder «best Family».

TUI hat eigene Schiffe, eigene Hotels – und jetzt auch eigene Destinationen. Die Kapverden sind eine «TUI-Erfindung»!

Erfunden oder eher entdeckt haben es vor vielen Jahren die Portugiesen. Aber ja: TUI hat den Tourismus gross gemacht auf den Inseln. Das ist Teil unserer Strategie. Wir schicken unsere Gäste mit der eigenen Airline TUI fly auf die Kapverden, dort besteigen sie am Flughafen einen TUI-Bus und machen dann Ferien in einem TUI-Hotel. Ich kann die Kapverden nur empfehlen. Eine wundervolle Destination mit kilometerlangen weissen Sandstränden!

TUI setzt auf Nachhaltigkeit. Die Kapverden sollen Beispiel dafür sein.

Richtig. Denn unserer Meinung nach muss Tourismus auch nachhaltig sein. Der Bevölkerung etwas zurückgeben
ist wichtig. Wir investieren nicht nur in Hotels und in den Flughafen. Wir bauen nachhaltig, betreiben vor Ort Schulen für die Kinder, schützen Schildkröten. Wir beschäftigen fast ausschliesslich Einheimische in unseren Hotels und bilden die lokale Bevölkerung im Tourismus und in der Hotellerie aus.

Martin Wittwer CEO TUI Suisse Tortour Velorennen
Seine Lieblingsqual. Der TUI-Chef an der Tortour, dem mit 1000 Kilometern härtesten Velorennen der Schweiz. Lucia Hunziker
Martin Wittwer CEO TUI Suisse Surfen
Sein Lieblingshobby. TUI-Suisse-CEO Martin Wittwer ist passionierter Surfer. Lucia Hunziker

75 Prozent Ihrer Gäste fliegen mit Edelweiss in die Ferien. Die Airline gibt Gas, fliegt ständig neue Destinationen an.

Edelweiss ist unser strategischer Partner. Ich finde es sehr cool, dass sich Edelweiss als Ferienflieger positioniert und immer auch neue Destinationen anfliegt. Ein guter Name, ein gutes Produkt: Edelweiss wird trotz schneller Expansion erfolgreich bleiben.

TUI ist auch Reisebüro. Das Reisebüro meiner Tochter heisst Internet. Haben klassische Reisebüros noch eine Zukunft?

Bei TUI kann man online buchen oder im Reisebüro. Bei beiden Kanälen gilt: Schnüren wir für den Feriengast das Paket, kriegt er, was er gebucht hat! Wir übernehmen Verantwortung: Gibts Probleme, sind wir erreichbar, kann man mit uns reden. Wir bringen jeden Gast, der bei uns gebucht hat, in Krisensituationen wieder heim.

Was spricht für das gute alte Reisebüro?

Der persönliche Kontakt! Ein Familienvater investiert in die Ferien gut und gerne einen Monatslohn. Da will er seinem Reisepartner in die Augen sehen können. Es geht nicht nur um Convenience und Schnelligkeit. Es geht auch um Sicherheit und Vertrauen.

Der Kunde hats gut momentan. TUI operiert mit tiefen Preisen, Kuoni ist beim Pricing ganz schön getaucht, Hotelplan hat attraktive Angebote.

Meine Konkurrenten sind nicht Kuoni und Hotelplan. Meine Konkurrenten sind Booking.com und Expedia. In diesem internationalen Konkurrenzkampf bin ich froh um unsere Trümpfe: Wir haben eigene Produkte wie die eben erwähnten Hotels und Schiffe. Und wir stellen den Menschen immer in den Mittelpunkt.

Sie sind jetzt zwanzig Jahre bei TUI. Kein bisschen müde?

Im Gegenteil! Ich arbeite beim grössten Tourismuskonzern der Welt. Wir haben eine gute Strategie. Wir können unser Versprechen täglich einlösen: «Discover your smile»! 

Von Urs Heller am 1. April 2019