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Sankt Bernhard

Im Barryland

Rumtollen, die Gegend erschnüffeln, mit Besuchern wandern und zeigen, wer hier die Chefs sind: 15 Bernhardiner verbringen den Sommer auf dem Grossen Sankt Bernhard.

Barry im Wallis
Replay mit Tier­pflegerin Mélanie Scheidegger beim Eingang des Hundezwingers. Für das Jungtier ist es noch nicht gesund, ­Treppen zu steigen. Marco Schnyder

Wuff! Auch diesen Sommer gehören sie zu den beliebtesten Fotosujets auf dem Gros-sen Sankt Bernhard: die Bernhardiner--Hunde der Fondation Barry du Grand-St-Bernard. Vergangenen Herbst war gar ein BBC-Team vor Ort, um einen Dok-Film über die Schweizer Nationalhunde zu drehen. Heuer gehts am 23. Juni los! Dann wandern 15 Barrys mit einem öffentlichen Alpaufzug (ohne Kühe) von Bourg-St-Pierre VS auf die auf 2473 Me-tern gelegene Passhöhe. Bis zum Alpabzug Ende September leben die Bernhardiner dann beim Hospiz, betreut von vier Tierpflegern der Stiftung.

2005 hatte die Fondation Barry die Zuchtstätte von den Augustiner-Chorherren vom Grossen Sankt Bernhard übernommen – sie befindet sich nun samt Barry-Museum in Martigny VS. Dort, in der weltweit bedeutendsten Bernhardiner-Zuchtstätte, leben die meist kurzhaarigen Vierbeiner während der übrigen Zeit des Jahres. 25 Welpen mit Stammbaum kommen jährlich zur Welt, ein zwölfwöchiges Jungtier kostet 2600 Franken, und wer eines adoptieren will, muss strenge Kriterien erfüllen – den Hunden soll es gut gehen.

«Bernhardiner haben Freude am Kontakt mit Menschen und an der Bewegung», sagt Stiftungsdirektor Claudio Rossetti. Deshalb werden im Juli und August täglich zwei Spaziergänge mit Barrys angeboten, Dauer 2,5 Stunden. Gutes Schuhwerk und ein bisschen Kon-dition sind nötig, um mitzuhalten. Vom Hospiz gehts los, in einer Gruppe von zehn Personen (samt Betreuer) mit drei bis vier Hunden. Gäste haben die Ge-legenheit, die Barrys an der Leine zu -führen. Keine Angst! Die bis zu 85 Kilogramm schweren Tiere (Risthöhe bis
90 Zentimeter) sind gut erzogen.

Barry im Wallis
Treuherziger Blick: ­Bernhardiner-Hunde sind von Natur aus gelassen, gutherzig und kinderlieb. Marco Schnyder
Barry im Wallis
Rüde Patsch am Lago del Gran San Bernardo, hinten das Hospiz. Die Tasche mit Hundeguetsli und Notfallset hat er bei den Wanderungen dabei. Marco Schnyder
Barry im Wallis
Patsch und Djanga (l.) spurten durch blühende Wiesen. In diesem Gebiet oberhalb der Passhöhe sind sie bei den Wanderungen mit Gästen unterwegs. Marco Schnyder

Auf einer Ebene mit ein paar kleinen Seen tollen die Hunde dann herum, sie trinken und baden. Ein wunderbares Vergnügen – für die Hunde und die Mitwandernden! Die Ausflüge sind begehrt, vor allem bei Familien. Deshalb empfiehlt sich die frühzeitige Anmeldung.

Schnapsfässli tragen die Hunde bei den Wanderungen nicht um den Hals. Rossetti: «Das würde sie beim Herumspringen stören.» – «Nie», sagte übrigens einmal ein Geistlicher des Hospizes, -«haben unsere Hunde Schnapsfässli getragen.» Keine Legende hingegen ist, dass der legendäre, 1814 verstorbene Lawinen-hund Barry vierzig Menschen vor dem Tod bewahrte. Ein Bernhardiner spürt, wenn ein Verschütteter noch lebt – und gräbt sofort. Andernfalls bleibt er reglos stehen.

Auch ohne Wanderung können die Barrys beim Hospiz im Gehege bei ihren Zwingern bestaunt und gestreichelt werden. Dort stellen Tierpfleger die Hunde vor, zeigen, wie sie ihnen das Fell bürsten, die Pfoten kontrollieren, und erzählen Wissenswertes: dass Bernhardiner früher erschöpfte Skitourenfahrer zum Hospiz schleppten und im Tal Milch-wägeli zur Käserei zogen. Im Hospiz des Grossen Sankt Bernhard erhält ein -Barry täglich zweimal bis zu 400 Gramm Trockenfutter. Plus einen Knochen, zur Beschäftigung und Zahnpflege. 2,5 Liter Wasser trinkt ein Bernhardiner am Tag.

Barrys sind auch als Sozialhunde in -Altersheimen und psychiatrischen Kliniken im Einsatz. Streicheleinheiten lassen sie stoisch über sich ergehen. Rossettis Tipp: sich auf Augenhöhe niederknien und kurz warten. «Am liebsten werden sie hinter den Ohren und am Rücken gestreichelt.» Und: «Die meisten wissen genau, wie man als Barry bei einem Selfie in die Kamera schaut.»

www.fondation-barry.ch

«Dem Blick eines Barrys kann niemand widerstehen»

Marco Schnyder
Marco Schnyder mit Barry
Marco Schnyder

Einmalige Verständigung mit Tieren: Der Walliser Fotograf Marco Schnyder, 21, mit Djanga. «Nach ein paar Berührungen war ich vollständig in ihrem Bann.» 

Von Thomas Kutschera am 10. Mai 2019