Ruedi Lüthy «1000 Franken im Jahr retten ein Leben»

Simbabwe – ein Land, das langsam ausstirbt! Der Zürcher Arzt Ruedi Lüthy behandelt seit bald fünf Jahren Tausende Aids-Kranke – entweder in seiner Klinik in Harare oder direkt in ihren Armensiedlungen.
Diese Zehnjährige mit HIV ist in der Entwicklung zurückgeblieben. Dank Lüthys Behandlung hat sie wieder eine Chance.
Diese Zehnjährige mit HIV ist in der Entwicklung zurückgeblieben. Dank Lüthys Behandlung hat sie wieder eine Chance.

Ruedi Lüthy, hätten Sie gedacht, dass Ihre Klinik in so kurzer Zeit so stark wachsen würde?
Nein, nie. Das Konzept war ursprünglich auf 500 Patienten ausgelegt, inzwischen behandeln wir über 2000. Wir gehen davon aus, dass wir in unserer Klinik bis Ende Jahr 3000 Patienten ambulant betreuen.

Das bedeutet, dass Sie auch viel mehr Spendeneinnahmen brauchen.
Ja, letztes Jahr haben wir eineinhalb Millionen Franken für den Klinik­betrieb ausgegeben, dieses Jahr werden es etwa drei Millionen sein.

Doppelt so viel. Denken Sie, Sie erhalten so viele Spenden?
Absolut, die Menschen in der Schweiz sehen den Sinn unserer Arbeit.

«Wenn man in Simbabwe jemandem hilft, der im Sterben liegt, stirbt daneben schon der Nächste»

Was machen Sie mit den drei Millionen?
Ganz wichtig: 95 Prozent der Spendengelder fliessen direkt in die Klinik in Harare, für den administrativen Aufwand benötigen wir weniger als fünf Prozent. 1000 Franken im Jahr genügen, um bei einem Patienten zu verhindern, dass die Krankheit ausbricht. Neben den Medikamenten geben wir den Patienten zu essen, Kleider, Hygieneartikel, und Kinder erhalten Schulgeld.

Kann die Klinik noch weiterwachsen?
Nein, das wäre nicht sinnvoll. Wir verfolgen ein anderes Ziel: Wir möchten pro Jahr hundert Krankenschwestern aus den verschiedenen Spitälern im Land im Umgang mit Aids-Patienten ausbilden. So erreichen wir im Endeffekt viel mehr Menschen, als wenn wir weiter ausbauen würden.

Erschrecken Sie, wenn Sie sehen, welche Dimensionen Ihr Projekt an­genommen hat?
Ich habe Respekt. Wichtig ist mir, dass es auch nach mir weitergeht. Mein Ziel war von Anfang an, dass Leute aus dem Land die Klinik selbstständig weiterführen können, wenn ich einmal aufhöre. Ab März wird eine Einheimische den Betrieb mit mir leiten. Dann bilde ich die Ärzte und Krankenschwestern, die bei uns arbeiten, so aus, dass die medizinische Betreuung auch ohne mich gewährleistet ist.

Befürchten Sie nicht, dass die Spenden ohne Sie zurückgehen?
Nein, ich hoffe, dass die Leute nicht für mich, sondern für das Projekt spenden. Ich bin überzeugt, dass das so bleiben wird, auch wenn ich einmal nicht mehr da bin.

Im Februar werden Sie 68. Wie lange machen Sie noch weiter?
Solange ich die Kraft dazu habe. Im Moment habe ich sie noch.


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