Marco Padalino Amore & Flügelläufe

Volltreffer. In der Schweiz kennt man ihn kaum. Doch Nati-Trainer Hitzfeld weiss, was er an Marco Padalino hat. Auch Freundin Carlotta setzt auf ihn: Im August kommt ein Baby!
Marco Padalino hat in Genua sein Glück gefunden. Mit dem Serie-A-Club Sampdoria und Schatz Carlotta.
Marco Padalino hat in Genua sein Glück gefunden. Mit dem Serie-A-Club Sampdoria und Schatz Carlotta.

Es braucht schon einen atem­beraubenden Sonnenuntergang an der ligurischen Küste bei Genua, damit Marco Padalino, 25, für einmal etwas zur Ruhe kommt. «In meinem Leben verändert sich alles im Schnellzugstempo», sagt er. Und mit breitem Lächeln fügt er an: «Von mir aus kanns so weitergehen.»

Rückblick: Vor einem Jahr war Padalino noch ein unbekannter Serie-B-Fussballer, der in der italienischen Provinz in Piacenza kickte. Und Single. Jetzt ist der Tessiner aus Viganello nicht nur eine Team-Stütze beim Serie-A-Klub Sampdoria Genua, sondern auch Nati-Spieler unter Ottmar Hitzfeld. Und verlobt mit Carlotta, 22. Und schon bald Vater eines Kindes. «Wahnsinn» ist das einzige Wort, das Marco selber dazu einfällt.

Drei Tage haben gereicht, um das Leben des Marco Padalino auf den Kopf zu stellen: Am 30. August 2008, dem ersten Spieltag der laufenden
italienischen Meisterschaft, bereitet er bei seinem Serie-A-Debüt den Ausgleichstreffer seiner Mannschaft gegen Inter Mailand vor. «Dabei hatte ich in der Nacht zuvor keine Minute geschlafen, weil ich derart nervös war!»

«Bei einer Feier habe ich Carlotta kennengelernt – tanzend auf einem Tisch!»

Drei Tage später lernt Marco in einem Re­staurant die angehende Dental­hygienikerin Carlotta kennen. «Ein paar Mannschaftskollegen und ich hatten eine kleine Feier. Dort habe ich Carlotta kennengelernt und mich gleich verliebt – tanzend auf einem Tisch!» Und nur zwei Monate später war seine Freundin schwanger.

«Geplant war das nicht», gibt Marco zu. «Aber wir wussten gleich, dass wir dieses Kind behalten wollen. Wir sind extrem glücklich miteinander.»
Der Geburtstermin ist am 12. August, mit grosser Wahrscheinlichkeit wirds ein Bub. Einziges Problem(chen): Ausgerechnet an diesem Tag steht in Basel ein Test-Länderspiel der Nati gegen Italien auf dem Programm. «Na ja, das werden wir schon irgendwie lösen», sagt der Mittelfeldspieler locker. Carlotta gibt ihrem Schatz einen Kuss. «Auf Marco kann ich mich voll verlassen.»

Egal, was kommt: Es scheint nicht viel zu geben, was Marco erschüttern kann. Wer aus der wilden Party-Geschichte mit Carlotta schliesst, dass er das ausschweifende Leben eines Fussball-Profis führt, irrt. Marco wandelt derzeit auf Wolke sieben, aber bleibt dabei am Boden: «Ich gehe praktisch nie aus, trinke keinen Alkohol und achte pedantisch auf meine Ernährung.»

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Disziplin-Probleme hat er höchstens in Elektronik-Läden: Das Wohnzimmer seiner Wohnung im pittoresken Nervi, einem Genueser Stadtteil, sieht aus wie die Mini-Ausgabe eines Mediamarkts. Zu finden sind: ein Flachbildschirm, eine Box für den Satelliten­empfang, ein Computer, ein Laptop, eine Xbox, eine Play­station, eine Nintendo-Konsole, vier ­Mobiltelefone, zwei MP3-Player. Und selbst der Bilderrahmen ist elektronisch! Marcos Kommentar: «Bist du sicher, dass das alles ist? Da müsste doch noch mehr sein.»

Marco kann es sich leisten. Klar verdiene er viel Geld für sein junges Alter. «Aber das verändert mich als Mensch nicht. Gefährlich ist hingegen die übertriebene Aufmerksamkeit der Fans und Medien, die Fussballer in Italien erhalten. Da muss man cool bleiben.»

Wie ein Fan bittet er nach den Spielen Weltstars wie Beckham oder Kaká jeweils um ihren Leibchen. Aber nicht für sich selber. Carlotta: «Marco schenkt sie meiner Mutter, die sie dann für ein Kinderhilfswerk in Weissrussland versteigert.»

Das Radar der öffentlichen Aufmerksamkeit hat Padalino in der Schweiz erst seit seinem Aufgebot für die Nationalmannschaft im Februar erfasst. Die Erfüllung eines Lebenstraums sei die Einberufung in die Nati gewesen, sagt er. «Und jetzt werde ich alles geben, damit wir uns für die WM qualifizieren.» Bei Ottmar Hitzfeld steht der 25-Jährige hoch im Kurs: Der Trainer setzt auf den Mittelfeldspieler und wird ihn beim Qualifikationsspiel in Moldawien in die Startformation stellen.

«Allerdings muss ich noch an meinem Deutsch arbeiten. Ehrlich gesagt verstehe ich kaum ein Wort von dem, was Herr Hitzfeld sagt.» Zum Glück ist da noch Assistent Michel Pont, der fleissig auf Italienisch übersetzt …

Seine Bücher liest Marco bis auf weiteres in seiner Muttersprache. Am liebsten Geschichtsbücher und historische Romane. Seiner anderen grossen Leidenschaft, dem Motorsport, kann er nur auf vier Rädern frönen: «Ich würde gerne Töff fahren. Aber mein erstes Motorrad nahm mir mein Vater weg, und jetzt verbietet es mir der Klub.» Zum Trost fährt Marco einen Audi R8 V8-FSI mit 420 PS. So kann das Leben auf der Überholspur weitergehen.


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