Rainer Maria Salzgeber, SF-Sport-Moderator Auf den Spuren der Zeit

27 Milliarden Tonnen Eis, 330 Hektaren Urwald und unzählige Kubikmeter Stein: SF-Sport-Moderator Rainer Maria Salzgeber besucht seine Walliser Heimat. «Im Aletschgebiet entdecke ich immer wieder Neues.»

Es gibt Momente, da schweigt sogar er: Wenn SF-Sportmoderator Rainer Maria Salzgeber, 40, von der Moosfluh auf die geschwungenen Eismassen des Aletschgletschers hinabblickt, entweicht seiner Kehle nur ein «Irrsinnig!». Dann wird er andächtig still. Die feinen Haare auf seinen Unterarmen stellen sich auf. Hühnerhaut.

«Ich bin ein Kind der Alpen», sagt der Walliser und lässt den Blick verzaubert über das Unesco-Weltnaturerbe schweifen. Eiger, Mönch und Jungfrau ganz nah. Weit im Süden, frei stehend, das Matterhorn. Er zeigt hinunter ins Tal. «In Raron bin ich aufgewachsen und mit dem Poschi in Brig zur Schule gegangen.» Das Wetter ist klar. Die Moosfluh bietet ein 360-Grad-Panorama. Hundert Berggipfel ragen ringsherum auf. «Irrsinnig», wiederholt er. «Und vor allem bequem mit der Gondelbahn ab der Riederalp erreichbar.»

«Wer beim
Bergsteigen schnell sein will, darf sich nicht beeilen»

Unterhalb des grössten Alpengletschers hat das Schmelzwasser über Jahrtausende die Massa-Schlucht geschliffen - «den Grand Canyon der Schweiz». Von der Riederalp führen nur zwei Wege hinüber auf die Belalp: Die Gletscherwanderung oder - seit letztem Sommer - die Massa-Hängebrücke. Da will Rainer Maria Salzgeber hin. «Zum Glück leide ich nicht an Höhenangst!» Die Stahlbrücke hängt 80 Meter über der Massa. Man hört das Wasser bis auf die Riederfurka hinauf tosen. Ein Trampelpfad führt hinunter durch dichten Arvenwald. «Die Erde ist so locker, der Boden federt richtig: gut für die Gelenke», freut sich der Sportfanatiker. Er hat einen Bergführer dabei. Denn obwohl rot-weisse Farbkleckse auf Steinen den Weg markieren, hätte er sich «garantiert verlaufen» im 330 Hektaren grossen Wald.

Geknickte Bäume und Wurzelstöcke versperren den Weg. «Der Aletschwald steht unter Pro-Natura-Schutz», erklärt Bergführer Hans Bortis vom Bergsteigerzentrum Fiesch. «Hier räumt niemand auf. Die Natur soll wuchern, damit wieder ein richtiger Urwald entsteht.» Salzgeber lauscht aufmerksam. Er sei zwar noch kein «Natur-Kenner», wolle es aber werden!

«Der Tannenhäher sammelt im Sommer die Samen der Arven und versteckt sie im Boden. Da der Vogel im Winter nur die Hälfte seiner Schätze wiederfindet, sorgt er für den Fortbestand der Wälder», erzählt der Bergführer. Bei der nächsten Wanderung wird Salzgeber diese Geschichte seiner Familie erzählen.

Zwei Stunden dauert der Fussmarsch zur Hängebrücke. Salzgeber: «Ich habe mich mit meinen Turnschuhen ja total verschätzt. Wanderschuhe wären nötig!» Er ist noch kein Profi, entdeckte seine Wanderlust erst kürzlich, als er für die SF-Sendung «Fernweh» durch die Ostalpen reiste.

Ankunft bei der Massa-Hängebrücke. Das 124 Meter lange Stahlgebilde bewegt sich stets im Wind und wegen wagemutig hüpfender Passanten. «Eine wackelige Angelegenheit!» Salzgeber versucht, mit ausgestreckten Armen auf die andere Seite zu balancieren, macht drei Schritte - und kippt gegen den Handlauf. «Das ist was für meine Kinder, wenn sie grösser sind!» Tochter Cloé, 8, und Sohn Jascha, 5, haben die Abenteuerlust und die Liebe zum Sport von ihrem Vater geerbt: «Cloé schwimmt sehr gerne, Jascha spielt leidenschaftlich Fussball und Tennis.»

Mindestens einmal im Jahr geniesst die in Zürich wohnende Familie Salzgeber Ferien im Wallis. Von den Aletsch-Destinationen mögen sie die Bettmeralp am liebsten. «Im Winter fahren wir hier Ski.» Die Familie hat das Hotel La Cabane entdeckt, ein Vier-Sterne-Gasthaus mit zwölf Suiten, alle nach SAC-Hütten benannt. «Unsere war das ‹Hörnli›.» Einfach, rustikal, familiär. «Nie würden wir in ein Strandhotel mit Kinderanimation fahren. Wir gestalten unsere Ferien abenteuerlich, es muss immer etwas laufen.»

Trockenfleisch, Bergkäse und nahrhaftes Roggenbrot, in Omelett-dünnen Scheiben serviert: das Zmittag beim «Bootshüsi» am Bettmersee. «Einfache Speisen sind die besten!» Den obligaten Weisswein aus der Region lässt Salzgeber weg. «Mit jedem Jahr mehr, das ich auf dem Buckel habe, macht mich der Weisse kribbeliger.» Er lässt sich darum einen Walliser Pinot servieren, geniesst und schweigt.

Mit Rainer Maria Salzgeber endet unsere Sommer-Serie
«Meine Schweiz».

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