Boris Becker und Hans-Dieter Cleven Boris & sein Lehrmeister

Sie scheinen ein ungleiches Paar: Boris Becker, schlagzeilenträchtiger Tennis-Star, und Hans-Dieter Cleven, stiller Multimillionär. Dabei verbindet die zwei mehr als nur eine Hochzeitseinladung.

Boris Becker, 41, lehnt sich im Sessel seines Büros in Baar ZG zurück. Seinen Platz am Schreibtisch hat Sharlely «Lilly» Kerssenberg, 30, (in modisch zerrissenen Bluejeans, weisser Bluse) besetzt. Sie telefoniert. Vor zwei Stunden ist das Paar in Zürich gelandet – aus Düsseldorf kommend.

Ein RTL-Team begleitet die beiden schon jetzt auf Schritt und Tritt. Der TV-Sender hat die Exklusivrechte an der Hochzeit des Jahres am 12. Juni in St. Moritz gekauft. Wir haben ihm ein Geschenk mitgebracht. Boris: «Darf ichs gleich auf­machen? Geschenke auspacken ist das Schönste.»

Als er das Foto sieht, das ihn mit Lilly und seinem jüngsten Sohn Elias Balthasar, 9, im Schnee von St. Moritz zeigt, hält Lilly kurz die Hand auf den Telefonhörer. «It’s so nice», flüstert sie. Stiller Beobachter: Hans-Dieter Cleven, 66, Boris’ Partner in der Cleven-Becker-Stiftung.

Herr Becker, in drei Wochen heiraten Sie in St. Moritz. Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen?
Die grossen Fragen sind alle geklärt. Jetzt gehts noch um einige Details – und die zu erledigen, macht meiner Verlobten Lilly und mir im Moment richtig Spass.

Kein bisschen Hochzeitsstress?
Überhaupt nicht.

Jetzt, wo gerade Ihre Verlobte aus dem Zimmer ist: Haben Sie schon Eheringe?
Sorry, aber ich dachte, wir reden über unsere Stiftung und unsere Projekte für Kinder.

Okay! Sie haben Ihre Heirat ja exklusiv an RTL verkauft. Kommt das Geld der Cleven-Becker-Stiftung zugute?
Sie können sicher sein, dass dieses Geld nicht in unsere eigene Tasche fliesst, sondern in meine gemeinnützigen Projekte – und so für sinnvolle Zwecke eingesetzt wird.

Was sind Ihre Stärken, Herr Becker?
Puh, das ist immer schwer, von sich selbst zu sagen. Was meinst du, Dieter?
Cleven: Boris ist sehr clever.

Wird Boris Becker unterschätzt?
Cleven: Ja! Vor allem die Öffentlichkeit hat ein völlig falsches Bild von ihm. Boris war mit mir und einigen befreundeten Ehepaaren vor einiger Zeit in China unterwegs. Die erlebten Boris eine Woche live und meinten erstaunt: Der ist ja ganz anders, als wir ihn aus dem TV oder aus Zeitschriften kennen.

Auf dem Tennisplatz war Boris Becker die Nummer 1. In der Stiftung taucht sein Name erst an zweiter Stelle auf. Ist Hans-Dieter Cleven die Nummer 1?
Cleven: Das ist vielleicht etwas übertrieben. Aber mein Name steht sicher vor Becker, weil ich der Initiator war und weil ich die Stiftung massgeblich weiterentwickle.
Becker: Die Reihenfolge ist völlig in Ordnung. Unsere Rollenverteilung sieht so aus: Dieter ist der «Innenminister», der sich im Kern um alles kümmert, ich bin als «Aussenminister» eine Art Türöffner?…

… und Aushängeschild. Sie sorgen für Schlagzeilen.
Cleven: Das ist halt der Unterschied: Becker ist Becker. Und Cleven-Becker ist Cleven-Becker.

Wie haben Sie sich eigentlich gefunden?
Becker: Fünf Jahre vor der Gründung unserer Stiftung fragte mich Dieter im Sommer 1999 an, ob wir uns mal treffen könnten. Das war unmittelbar nach meinem Abschied vom Tennis. Er wollte mich zu Völkl holen.

Herr Cleven, erinnern Sie sich an das Treffen?
(Lacht.) Und ob. Boris tauchte im «Hilton» in Düsseldorf mit mehreren Beratern auf, was ich ungewöhnlich fand, denn ich wollte ja ihn treffen, nicht seine Berater. Nach einer Viertelstunde Small Talk fragte er, was ich wolle. Ich trug mein Konzept vor, und er meinte: «Geben Sie mir 14 Tage Zeit, ich denke darüber nach.»
Becker: Wir haben dann recht schnell eine gemeinsame Wellenlänge gefunden.

Ist das eine Art Vater-Sohn-Beziehung?
Cleven: Ganz sicher nicht! Boris hat so etwas mal sinngemäss erwähnt. Ich sehe es nüchtern – als Geschäftsbeziehung.
Becker: Ich habe von Dieter einiges gelernt, und er ist mir ein beruflicher Lehrmeister in Sachen klassisches Unternehmertum.

Klingt sehr harmonisch. Gibts keine Unstimmigkeiten zwischen Ihnen?
Becker: Natürlich gibts die.

Wirds dann auch mal laut?
Cleven: Ich kann mich nicht erinnern, mit Boris auch nur einmal heftig in Fragen zur Stiftung diskutiert zu haben.
Becker: Wir sind beide eh nicht die Typen, die laut werden – selbst bei emotional geführten Diskussionen.
Cleven: Natürlich haben wir auch schon mal Klartext geredet. Der Vorteil unserer Beziehung ist ja: Er ist nicht von mir abhängig und ich nicht von ihm. Wenn irgendein ernsthaftes Problem zwischen uns wäre, dann wären wir beide frei zu sagen: Tschüss, das wars!

Sprechen Sie miteinander über Privates?
Cleven: Überwiegend sind unsere Themen geschäftlich – oder Boris?
Becker: Dieter hat ein anderes Privatleben als ich. Insofern war immer schon klar: Ich kümmere mich nicht um seine privaten Dinge und er sich nicht um meine?…
Cleven: … was nicht ausschliesst, dass wir nicht hin und wieder gemeinsam essen gehen oder uns bei mir zu Hause treffen.

Herr Cleven, sind Sie derjenige, der sagt, wo es langgeht mit der Stiftung?
Becker: Nicht nur. Sinn einer Partnerschaft ist es ja, sich zu ergänzen.
Cleven: (Schmunzelnd.) Überwiegend treffe ich die Entscheidungen. Natürlich nachdem wir uns im Vorfeld abgesprochen haben. Aber unsere Geschäfts-führerin redet sicher mehr mit mir als mit Boris. Er hat ja noch einige andere Sachen, um die er sich als Unternehmer kümmern muss.

Wie oft spielen Sie zusammen Tennis?
Becker: Bisher haben wir nur ein-, zweimal gespielt, im Rahmen von
«fit-4-future», dem Hauptprojekt unserer Stiftung.
Cleven: (Lacht.) Ich muss dazu sagen, dass ich erst mit 35 überhaupt angefangen habe, Tennis zu spielen.

Herr Becker, wird sich Ihre künftige Ehefrau ebenfalls in der Stiftung engagieren?
Lilly hat bereits mit der Laureus-Stiftung, in der ich als Vize-Chairman aktiv bin, zu tun gehabt. Sie weiss also, worum es geht. Zudem hat sie ein wahnsinnig grosses Herz und ist sehr daran interessiert, mir zu helfen. Ich bin überzeugt, dass Lilly im nächsten halben Jahr ein Projekt auf die Füsse stellen wird, welches sie persönlich anführt.

Und Sie, Herr Cleven, können Sie Lilly als weiteres Aushängeschild
brauchen?
Das ist vielleicht der falsche Begriff. Ich kenne Lilly, aber das soll sie beziehungsweise die beiden selbst beurteilen und entscheiden. (Lacht.) Wahrscheinlich werde ich dazu auch gar nicht gefragt, was für mich völlig in Ordnung ist.

Sind Sie an Boris’ Hochzeit eingeladen?
(Lachend.) Ja, bis jetzt noch.

Haben Sie schon ein Geschenk?
Meine Frau und ich überlegen noch, was wir Lilly und Boris Sinnvolles
schenken können. Uns stellt sich ja ein kleines Problem … Boris hat seinen Gästen vorgeschlagen, anstelle von Geschenken lieber für unsere Stiftung zu spenden.

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