Doris Leuthard Bundesrätin im Anflug

Unsere Wirtschaftsministerin geht in die Luft! Doris Leuthard besucht Abenteurer Bertrand Piccard bei seinen Tests zum Solar-Weltrekordflug. Und wird gleich als Pilotin angestellt.
Doris Leuthard, Bertrand Piccard (l.) und André Borschberg
Doris Leuthard, Bertrand Piccard (l.) und André Borschberg

Diese Position hat sie in ihrem Bundesratsamt noch nie erlebt: massive Schräglage! Doris Leuthard driftet nach links – und das absolut gewollt. Sie will landen. Denn da vorne kommen die Alpen bedrohlich schnell näher. Also runter. Linkskurve.

Unter ihr glitzert rechts der Greifensee, links der Pfäffikersee, «und vor Ihnen liegt die Landebahn des Militärflughafens Dübendorf», sagt Leuthards Fluglehrer in beru­higendem Ton – passieren kann ja nichts, man sitzt schliesslich bloss im Flug­simulator.

Zudem versteht der Mann das Flughandwerk: Pilot, Abenteurer und Visionär Bertrand Piccard, 50, hat 1999 die erste Non-Stop-Weltumrundung im Ballon geschafft. Jetzt will er nochmals rund um die Welt. Diesmal aber nur mit der Kraft der Sonne. In einem riesigen Solarflugzeug – der «Solar Impulse». 2011 soll das Abenteuer starten.

Piccard übt seine Sonnenmission schon fleissig im Flugsimulator. Und heute hat er prominenten Besuch bekommen. «Ich habe Doris Leuthard eingeladen, unsere Konstruktionshalle in Dübendorf zu besuchen, und sie hat sich tatsächlich Zeit genommen.» Dafür darf die Wirtschaftsministerin selber im Flugsimulator die virtuelle «Solar Impulse» pilotieren. Und sollte jetzt eigentlich landen …

Doris Leuthard ist vom Solar-Projekt «absolut beeindruckt». Von Monsieur Piccards visionärem Vorhaben habe sie natürlich schon viel gehört, «aber was ich hier in der Montagehalle in Dübendorf zu sehen bekomme, ist wirklich aussergewöhnlich». Eigentlich ist alles in dem 130-Meter-Hangar streng geheim. Zudem unheimlich filigran und darum auch zerbrechlich.

Hightech der Spitzenklasse. Fünfzig Spezialisten aus sechs Ländern entwickeln und bauen das Solarflugzeug. Es riecht nach künstlichem Harz und frischem Kaffee, und überall kleben «Don’t touch»-Schilder. Für seinen magistralen Gast macht Piccard aber gern eine Ausnahme.

Er lässt Doris Leuthard eines der riesigen Propellerblätter befühlen und präsentiert ihr stolz die haardünnen Solar­zellen, die dereinst die 61 Meter langen Flügel überziehen und die vier Flugzeugmotoren mit Sonnenstrom versorgen werden.

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