Urs Lehman über Daniel Albrecht «Chancen 50:50, die Saison heil zu beenden»

Urs Lehmann
Urs Lehmann

Herr Lehmann, Sie haben nach dem Unfall von Daniel Albrecht die Sicherheitsmassnahmen kritisiert.
Meine Aussagen wurden aus dem Zusammenhang gerissen. Die lokale Sicherheit in Kitzbühel war ausgezeichnet. Danis Unfall war ganz klar ein Fahrfehler.

Aber?
Mir gibt zu denken, dass vier von neun unserer Ab­fahrer verletzt sind. Bei den Österreichern sieht es genau gleich aus. Salopp gesagt, hat ein Fahrer eine 50:50-Chance, die Saison gesund zu überstehen.

Was sind die Gründe?
Der Skirennsport hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt. Und mir scheint, als würden die Sicherheitsvorkehrungen mit dieser Entwicklung derzeit nicht mithalten.

Wie waren Ihre Emotionen, als Sie vom Unfall Daniel Albrechts erfuhren?
Ich fühle stark mit Dani mit. Die Sekunde vor dem Aufprall ist brutal. Man weiss genau, dass es gleich furchtbar wehtun wird.

Was kann Swiss-Ski für Dani und seine Angehörigen tun?
Früher hat sich beim Verband keiner um die verletzten Fahrer gekümmert. Es ist wichtig, der Familie und dem Athleten zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Wie sie unser Angebot annehmen, ist ihnen überlassen.

Wie wirkt sich ein solcher Unfall auf einen Athleten aus?
Es gibt solche, die überwinden bereits die erste grosse Verletzung nicht. Dann gibt es solche, die wieder aufstehen und weiterkämpfen. Aber spätestens nach der dritten oder vierten schweren Verletzung ist kaum mehr einer bereit, 110 Prozent zu riskieren. Nur, dann reicht es nicht mehr zum Sieg.


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