Carlo Janka Cooler Carlo voll im Schuss!

Er ist der jüngste Siegfahrer der Schweiz. Doch wenn Carlo Janka gewinnt, setzt er sein Pokerface auf. Selbst wenn ihm die Frauen «ziemlich nachgucken».
Ski-Star und Fussballfan Carlo Janka schwärmt ­leidenschaftlich für Manchester United.
Ski-Star und Fussballfan Carlo Janka schwärmt ­leidenschaftlich für Manchester United.

Der Mann hat Nerven! Vor ­einigen Jahren schickten die Trainer Carlo Janka, 22, von einem seiner ersten ­internationalen Renneinsätze aus dem Engadin nach Hause. Carlo war im Renngelände umhergebummelt, auf der Ausschau nach Kollegen aus dem Klub. Und hatte so prompt seinen Start verpasst.

Auch Papa Reto kann ein Liedchen davon singen, wie wenig hektische Situationen ­seinen Sohn selbst aus dem Gleichgewicht bringen. «Einst rief mich Carlo aus Hoch­ybrig an. Er hatte wenige Stunden vor einem FIS-Rennen festgestellt, dass er die Innenboots seiner Skischuhe zu Hause vergessen hatte. Meine Transportfahrt von Obersaxen in die Innerschweiz war dann weniger entspannt ...»

Carlo Janka, der grosse Schweiger, der Ice-Man, das coole Pokerface, einer, der keine Emotionen erkennen lässt. Selbst dann nicht, wenn er die Skiwelt mit frechen Fahrten in die Weltspitze auf den Kopf stellt. Den zweiten Rang bei der Abfahrt von Lake Louise taten viele noch als Glücksgriff aufgrund der Wetterkapriolen ab. 

«Freundin? Hab ich nicht. Ich bin aber kein Single aus Überzeugung. Wenns was gibt, gibts was»

Die über­legene Siegpremiere beim Riesenslalom von Val d’Isère liess dann alle geringschätzigen Kommentare verstummen. Drei weitere Top-Ten-Klassierungen kamen hinzu sowie der Sieg bei der Kombi-Abfahrt von Val d’Isère.

Laut geworden ist «Jänks» deswegen nicht. Wobei er auch anders kann. «Carlo klopft mit seinem trockenen Humor schon mal Sprüche», weiss Pius Berni, Carlos erster Trainer und Förderer in Obersaxen. «Nur kommt er halt erst aus sich heraus, wenn er die Leute um sich herum gut kennt. Für die macht er dann alles. Noch heute arbeitet er als Freiwilliger bei Dorfveranstaltungen mit oder hilft bei Trainings der Kleinsten aus.»

Schwester Fabienne, 19, die im C-Kader ebenfalls FIS-Rennen fährt, bestätigt das Bild von Carlo als «stillem Wässerchen»: «Er haut zwischendurch schon auch auf den Putz, obwohl man ihn in den Ausgang eher mitschleppen muss. Mehr als drei-, viermal pro Jahr ist er da kaum unterwegs.» Nur drei-, viermal jährlich ohne Schnee auf die Piste? «Sie weiss halt auch nicht alles», lacht Carlo.

Was die Jankas – Papa Reto, Mama Ursula, Schwester Fabienne und Bruder Pirmin – hingegen mit Sicherheit wissen, ist, wann man Shootingstar Carlo besser nicht stört: wenn im Fernsehen Fussball läuft. «Kaum ist er zu Hause, schaut er jeden Match, der übertragen wird. Und ist dann nur in dringenden Fällen ansprechbar», erzählt Reto Janka und schmunzelt. Seinem Sohn, einst FC-Junior in Ilanz, hat es vor allem der englische Fussball angetan, Manchester United insbesondere.

Neuerdings hat der Rest der Familie allerdings wieder die Hoheit über das TV-Programm. Carlo wohnt seit Kurzem in einer eigenen Wohnung, nahe beim Elternhaus in Obersaxen. Noch ist er mit Einrichten nicht ganz fertig. «Und meine Wäsche bringe ich weiterhin gerne zu Mama», bekennt der Skistar, der sich ansonsten «für absolut fähig hält, den Haushalt selbst zu führen».

Mama Ursula lacht ­allerdings schallend, als Carlo gebeten wird, fürs Foto Hand anzulegen ­hinter dem Buffet des Restaurants Stai in Miraniga, das sie seit vielen Jahren führt: «Also, das wär ganz was Neues für ihn, sich hier nützlich zu machen.»

Durchzogene Aussichten also für eine künftige Frau Janka. Carlo hat jedoch noch Zeit, auch in häuslichen Disziplinen Weltklasse-Niveau zu erreichen. «Eine Freundin hab ich nicht. Es hat sich einfach noch nicht er­geben. Ich bin kein Single aus Überzeugung. Wenns was gibt, gibts was.»

Schwester Fa­bienne zweifelt nicht: «Ich kenne schon ein paar, die ihm ziemlich hinterhergucken. Und dann ist er auch nicht immer so cool, wie er tut.» Pokerface bleibt eben Pokerface.

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