Sven Epiney «Das ESC-Lied muss eine Rakete sein»

Der Moderator ist ins schwedische Malmö gereist. Bereits zum sechsten Mal kommentiert Sven Epiney die Shows des Eurovision Song Contests und weiss mittlerweile, worauf es ankommt. Die «Schweizer Illustrierte» begleitet ihn und unterhält sich mit ihm über den europäischen Grossanlass.

Nach Belgrad, Moskau, Oslo, Düsseldorf und Baku ist Sven Epiney, 41, in Malmö zum sechsten Mal als Kommentator am Eurovision Song Contest dabei. 39 Länder kämpfen dieses Jahr um 
die beste europäische Komposition. 100 Millionen Menschen, auch in Australien, schauen zu. Im Pressezentrum neben der Malmö-Arena sind die Di­men­sionen spürbar. In einer Art «Lege­­batterie», wie Epiney sagt, sitzen 50 bis 60 Kommentatoren aus aller Welt 
nebeneinander in engen Boxen. Kaum grösser als ein Quadratmeter, bieten sie Platz für zwei Stühle und zwei Bildschirme. Epiney trägt zum Kommentieren «wie ein Pilot» Kopfhörer mit ­Mikrofon. Pro Show hat er 15 
A4-Blätter mit Informationen und Stichworten vollgeschrieben. Vor allem die richtige Aussprache aller Künstler hat er sich phonetisch notiert. «Isländische und armenische Namen sind besonders schwierig.» Und Portugiesisch - dieses Jahr ist Portugal zwar nicht dabei - höre sich sehr schön an, aber wird ganz anders geschrieben als ausgesprochen. Da brauchts Aussprache-Übung und auch «Lüggia till» - viel Glück!

Schweizer Illustrierte: Sven Epiney, was ist Ihre erste Erinnerung an den Eurovision Song Contest?
Sven Epiney, 41: In der ersten Show, die ich als kleiner Stöpsel gesehen habe, siegte Nicole mit «Ein bisschen Frieden». Gigantisch war aber, als Céline Dion 1988 für die Schweiz gewann. Und ich erinnere mich an Toto Cutugno 1990 in Zagreb mit ­«Insieme». Ihm tropfte die Farbe seiner schwarzen Haare auf sein weisses ­Jacket. Das waren richtige Hymnen.

Existiert heute der typische ESC-Song noch?
Klar. Allerdings sind heute viel mehr Musikstile vertreten. Doch egal, ob ­Heavy-Metal-Nummer oder traditionelle Landes-Folkore: Das Lied muss eine Rakete sein. Es muss zünden und ein Feuerwerk geben. Du hast keine zweite Chance für einen ersten Eindruck. Die Melodie muss sich im Kopf verankern.

Was fasziniert Sie am ESC?
Die Grösse des Anlasses und die vielen Menschen sind gigantisch. Von schrill-schräg bis traditionell, vom kühlen Nordländer bis zur temperamentvollen Südländerin ist alles vertreten. Aber der erste Wow-Moment ist für mich, wenn ich das erste Mal die Halle betrete. Der ESC hat den olympischen Charakter, man misst sich musikalisch. Wann sonst rennen wir schon mit der Schweizer Fahne umher?

Was sind die Stärken von Takasa?
Sie haben einen gut produzierten Song, tolle Stimmen, und wenn sie jetzt noch die Scheu vor der grossen Bühne ablegen können, dann ist vieles möglich. Mit dem ältesten Teilnehmer Emil und der jungen Sarah sind sie einzigartig. Nicht zuletzt mit ihrer Vorgeschichte und dem Namenwechsel haben sie für Schlag­zeilen in andern Ländern gesorgt, sind dort also keine Unbekannten mehr. Das ist ein weiterer Pluspunkt.

Die Schweiz hat rein politisch doch schlechte Karten...
Das muss man sportlich nehmen! Es gibt so viele Faktoren, die mitentscheiden. Wir sind immer optimistisch, geben unser Bestes und sind stolz, ein Teil des Concours zu sein. Die Fussballnati versucht sich auch stets für die WM zu qualifizieren, sagt aber nicht, wir werden Weltmeister.

Aber welches Land unterstützt uns?
Tja, selbst über die Österreicher machen wir lieber Witze, als sie zu unterstützen. Den Sieg holt man sich nach wie vor mit einem guten Song und ­Auftritt!

Spüren Sie jeweils, ob die Schweiz eine Chance hat?
Ja, wenn ich alle Künstler das erste Mal hintereinander auf der Bühne gesehen habe. Dann spüre ich, ob es schwierig sein könnte oder gut kommen wird.

Bei Ihnen läuft immer alles erfolgreich?
O nein! In Deutschland wars in der Kommentatoren-Kabine gefühlte 38 Grad heiss. Schliesslich fiel das System komplett aus. Ich kommentierte dann auf der Treppe via Telefon weiter. Oder in Moskau wurden wir mit Blaulicht vom Flughafen ins Hotel eskortiert. Und als noch Bernhard Russi in der Lobby stand, weil er für Sotschi dort weilte, war ich baff.

Das erste Halbfinale findet am 14. Mai statt. Die Schweiz tritt mit Takasa im zweiten Halbfinale am 16. Mai an. Das grosse Finale ist dann am Samstag, 18. Mai. SRF überträgt alle Shows live. Die Halbfinale auf SRF 2, das Finale auf SRF 1, jeweils 21 Uhr.

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