Katharina Tanner Das Leben als Bühne

Katharina Tanner schrieb ihren Erstling «Da geht sie» in ihrer kargen Schreibklause in Basel. Manchmal schaut ihr auch Tochter Sophie über die Schulter.
Katharina Tanner macht alle Korrekturen mit Bleistift.
Katharina Tanner macht alle Korrekturen mit Bleistift.

Katharina Tanners Buch «Da geht sie» war erst eine Woche im Handel, schon wurde es im «Literaturclub» im Schweizer Fernsehen besprochen. «Ich dachte, ich falle in Ohnmacht», sagt die zweifache Mutter – und schickte eine Spionin zur TV-Aufzeichnung. Das Werk wurde gelobt – «mir fiel ein Stein vom Herzen. Auch das gehört zum Alltag, dass man Kritik aus­halten muss.»

Katharina Tanner ist eine starke Frau. Genau wie ihre Heldin Lisette Winkelmann. Wie sie machte auch die gebürtige Schaffhauserin eine Schauspielausbildung, träumte von den Brettern, die die Welt bedeuten. Die Ernüchterung kam postwendend. Katharina Tanner: «Nach drei Jahren merkte ich, dass mein Platz nicht auf der Bühne ist. Ich hatte mich in meinem Lebensentwurf getäuscht.»

Erster Satz: «Ich weiss nicht wieso, aber ich fürchte mich vor Bern, hat Lisette einmal an Christoph geschrieben, da war Linn noch ein Kind.»

Sie begann zu schreiben. Ihre eigene Geschichte, die nervenauf-reibende Tournee-Tingelei durch die deutsche Provinz, lieferte die Grundidee zum Roman. Eine Autobiografie ist er trotzdem nicht: «Ich schlage meine Kinder nicht», sagt sie schmunzelnd, «und ich habe nie an einer Marilyn-Monroe-Ausstrahlung gefeilt.»

Dicht und mit viel Sprachwitz lässt die 47-Jährige auf 136 Seiten einen einzigen Tag im Leben der gescheiterten Protagonistin zwischen Theatertraum und Kinderalltag Revue passieren. «Mitreissend der Rhythmus, die Atemwechsel. Und wie Hell und Dunkel zusammenspielen!», schwärmt Star-Autor Peter Weber. «Ein wirklich vielversprechendes Debüt. Ich hoffe, man kann noch mehr Bücher von Katharina Tanner lesen», bemerkte Iris Radisch, Gastgeberin des «Literaturclubs».

Tanner reicht es fürs Erste. Immerhin dauerte die Arbeit zehn Jahre. Die Schreibarbeit fiel ihr nicht leicht. «Ich bin ein Ablenkungs-Junkie. Vom Internet bis zum Telefon muss ich mir alles selber wegnehmen, sonst setze ich mich nie an den Computer.»

Im Dachstock ihrer Wohnung in Basel richtete sie sich eine Schreibklause ein. Mit Tisch, Stuhl, Bücherregal, Brünneli. Länger als vier Stunden hielt sie nicht durch – schon den Kindern zuliebe. Manchmal kam Tochter Sophie, 6, zu Besuch, brachte der Mama einen Kaffee.

Eine frühe Fassung landete in der Schublade, die Absagen der Verlage machten ihr wenig Hoffnung. «Doch wie bei einem unverdauten Käse im Bauch gärte es. Also überarbeitete ich das Manuskript nochmals und wagte einen zweiten Anlauf.» Mit Erfolg!

Warum hat die gelernte Buchhändlerin nicht früher mit Schreiben begonnen? «Ich fand es damals vermessen, zu den ständig auf den Markt sprudelnden Büchern auch noch etwas beizutragen.» Der Stoff wurde von ihr geknetet, ausgewallt, verdickt – wie ein Brotteig. Witzig: Sie schreibt «laut». «Ich komme aus der gesprochenen Zunft. Ich unterhalte mich beim Schreiben gerne mit mir selber.»


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