«Die Schweiz ist zum Kotzen schön» Das persönliche Interview mit Rea Garvey

In Irland mit sieben Schwestern aufgewachsen, lebt Rea Garvey seit 20 Jahren in Deutschland. Der Singer-Songwriter isst, ohne zu kauen, wäre selbst eine Kartoffel und kann nicht in 3-D denken. Seiner Mutter zuliebe wird der Coach von «The Voice of Germany» nie eine Biografie schreiben.  
Das persönliche Interview mit Rae Garvey
© Studio Olaf Heine

Seiner Mutter zuliebe wird der Coach von «The Voice of Germany» nie eine Biografie schreiben. 

Interview Aurelia Forrer

Mister Garvey, in Ihrer aktuellen Single fragen Sie «Is it Iove?». Haben Sie eine Antwort auf «Was ist Liebe»?
Liebe ist so vielfältig. Man darf sie nicht mit Worten beschreiben, weil man dann so viel auslässt. Liebe ist, was du spürst. Liebe verbindet, bestärkt, öffnet Wege, die man vorher nicht gesehen hat. 

Sie haben sich am Telefon in die Stimme Ihrer Frau verliebt. 
Ja, das hört sich absurd an, aber ich bin ein Fantasie-Typ. 

Ist Ihre Frau Ihre beste Freundin? 
Ich denke schon, denn ich brauche sie. Sie nimmt mich in Schutz und bestärkt mich. 

«Hometown» heisst ein Lied auf Ihrem Album «Neon». Wenn sie Ihren Wohnort neu designen könnten, wie würde dieser aussehen?
Schwer zu sagen. Zu Hause ist für mich mit Familie und Gerüchen verbunden. Wir wohnen teilweise in Berlin und auf dem Land. Die Spaziergänge fehlen mir in Grossstädten. Es ist das billigste Erlebnis, aber trotzdem so viel wert. Wenn ich die Sonne zwischen 20 Bäumen sehe und noch meine Frau dabei ist – nicht zu toppen! Ich habe mir auch schon überlegt, in die Schweiz zu ziehen. Ich liebe eure brachiale Natur. Man fühlt sich so klein. Die Schweiz ist zum Kotzen schön – und das meine ich von Herzen.

Wie hätte Ihr Name als Mädchen gelautet? 
Das weiss ich nicht. Meine sieben Schwestern heissen Colette, Maria, Adele, Lorna, Anicia, Margret und Mary. 

Ihr Spitzname als Kind? 
Ein Nachbar nannte mich Rocky. Später haben ein Freund und ich beschlossen, die Namen unserer Väter anzunehmen. Also war ich Fred. Erst als ich vor 20 Jahren nach Deutschland zog, nannte ich mich wieder Rea. 

Das persönliche Interview mit Rae Garvey
© Getty Images
Mit Frau Josephine hat Rea Garvey eine Tochter und das ClearWater-Projekt. Sie sind seit 16 Jahren verheiratet.

Was für ein Gemüse wären Sie? 
Eine Kartoffel. Vielfältig und schmackhaft. Zudem ist sie ein grosser Teil unserer irischen Identität. 

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Tatsächlich habe ich dieses gerade erhöht, weil ich bei «Sing meinen Song» dabei bin. Spätestens aber Ende Mai widme ich mich dem Flugschein und schalte mein Gehirn in eine andere Richtung. 

Wo am Körper tuts Ihnen weh? 
Ich bin fit. Nur wenn ich boxe oder Krafttraining mache, fühle ich mich danach Scheisse. Mich schmerzen eher psychische Vorstellungen. Ich will nicht wissen, was ich alles tun muss – zum Beispiel 20 Interviews geben –, sondern nur, wo ich sein muss. Ich kann nicht 3-D denken, also in alle Richtungen.

Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu erschaffen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten soll er Sie ausstatten? 
Das würde bedeuten, dass er jetzt was falsch gemacht hat. Ich stelle Gott lieber nicht infrage. Ich bin zwar kein religiöser, aber ein gläubiger Mensch. 

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen? 
Bei einer neunköpfigen Familie lernt man vor allem, schnell aufzuessen, damit man mehr bekommt. Heute muss ich das Kauen wieder lernen, weil ich immer noch alles in mich reinschaufle. 

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus. 
Cool, weil ich der Einzige war, der im Haus ein eigenes Zimmer hatte. Score! Schreibtisch, grosses Bett, Schrank und ein Plakat – wohl von Billy Idol oder Frankie Goes To Hollywood.

Welche Musik hat Ihr Leben massiv beeinflusst?
Skunk Anansie, Radiohead, U2 und alles, was meine Schwestern gehört hatten. Nirvana und Oasis hatten Attitüde, waren so «in your face!» Das habe ich als Teenager in meinem Leben gebraucht. 

Das persönliche Interview mit Rae Garvey
© Instagram

Sein 10. Album «Neon» ist seit letztem Herbst im Handel. 

Die bisher dümmste Idee Ihres Lebens? 
Eine Weile habe ich zu viel Party gemacht und ging rücksichtslos mit mir um, so dass ich nicht mehr richtig auftreten konnte. 

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen? 
Bitte keine Verfilmung! Ich schreibe auch keine Biografie. Ich möchte nicht, dass meine Mutter das liest. Wer so viele Fehler hat wie ich, muss diese nicht noch aufschreiben. 

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz? 
Sie hatte rote Haare, was damals bei uns Teenagern ganz oben auf der Liste stand. Ich klaute meiner Mutter sogar Geld, um ihr Schokolade zu kaufen. 

Welche Pille gehört erfunden? 
Ich hasse zwar Pillen, aber wenn sie in hundert Jahren über unsere Generation sagen, dass wir die Lösung für Krebs gefunden haben: «I high five you from heaven!»

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