Antoine F. Goetschel «Das Tier ist dem Menschen völlig ausgeliefert»

Sagt das Stimmvolk am 7. März «Ja», ziehen bald in der ganzen Schweiz Tieranwälte für Hunde, Hechte und Hühner vor Gericht. Besuch beim Tierrecht-Pionier Antoine F. Goetschel.
Antoine F. Goetschel mit Findelhund Josy, der im Alter von fünf Wochen einfach ausgesetzt wurde.
© Marcel Noecker Antoine F. Goetschel mit Findelhund Josy, der im Alter von fünf Wochen einfach ausgesetzt wurde.

Herr Goetschel, Sie kämpfen seit Jahrzehnten für die Rechte von Tieren. Warum?
Als Kind war ich kein Tiernarr. Aber mich interessierten Minderheitsfragen, Grundrechte, also auch das Tier, das dem Menschen völlig ausgeliefert ist. Dazu ackerte ich nach Ende des ­Studiums während dreier Monate die ganzen 34 000 Seiten Schweizer Recht durch, um erstmals zu klären, was die Rechtsposition der Tiere ist.

Eine Marktnische?
Ich bin ein normaler Anwalt. Tier­anwalt als Amt ist finanziell uninteressant, die Arbeit macht auch nicht mehr als 30 bis 50 Prozent meiner Arbeit aus. Mir geht es um Gerechtigkeit.

Aber aus welchem Motiv?
So war meine Erziehung. Aber ich seh schon, Sie geben keine Ruhe. Also: Dahinter steht das Schicksal meines Stiefgrossvaters, der von den Nazis zu Tode gefoltert wurde, weil er jüdisch war. Das schärfte mein Bewusstsein für die Bedeutung von Gerechtigkeit. Beim Tierrecht waren da zunächst Neugier und Gestaltungswille. Als ich dann mal einen Schlachthof besuchte, kamen ethische Fragen dazu.

Im Interview erzählt Goetschel ausserdem, warum er einen Hechtfischer vor Gericht zerrte, wie seine Arbeit aussieht und wie ihn das Militär zum Tierschützer machte - in der Schweizer Illustrierten Nr. 8 vom 22. Februar 2010.

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