Daniel Markwalder Der Göppel-König

Bei «Wetten, dass ...?» begeisterte er Millionen. Seither gehts drunter und drüber beim Thurgauer Wettkönig ­Daniel Markwalder. Auf und neben seinen Militärrädern.

Bei den Markwalders ist der Teufel los! Ein Telefon nach dem andern: Gratulationen, Interviews, Einladung zu einer «Brodworscht-Verteilete». Yanis, 5, und Zahra, 3, stürmen durch die Wohnung im Gewerbegebiet von Weinfelden. Sie freuen sich, dass Papi wieder da ist. Eben aus Hamburg zurück, von einer ZDF-Talkshow. «Nun ist er ein König!», ruft Yanis und rennt auf den Balkon. Dort hängt ein Leintuch mit grossen roten Buchstaben: «Super, Papi, super! Herzliche Gratulation!»

Daniel Markwalder, 38, Projektleiter im Metall- und Fassadenbau, hat die Woche seines Lebens hinter sich. 11,3 Millionen Zuschauer staunten, wie er bei «Wetten, dass ...?» mit Belle Michelle allen die Show stahl und Wettkönig wurde. Mit seinem Göppel, einem 27 Kilo und 99 Jahre alten Ordonnanzrad 05 ohne Gangschaltung, war er schneller als Radprofi Jens Voigt auf seinem 7-Kilo-Rennvelo. Drei Stunden vor dem Start habe er einen grossen Teller Spaghetti nature gegessen. «Ich hätte keine 50 Cent auf mich gewettet, war extrem nervös. Es hätte ebenso gut eine riesige Lachnummer werden können.»

Auf dem Zielstrich, nach 200 Metern, war Markwalder 54 km/h schnell. «Der Usain Bolt auf dem Fahrrad!», pries ihn Gottschalk. Markwalder: «Noch schöner war die Umarmung von Michelle. Mit beiden war ich sofort per Du.» Lob gabs auch vom deutschen Wirtschaftsminister zu Guttenberg, seinem Wettpaten. «Ich hätte die Schweiz als sympathischer Botschafter in ein gutes Licht gerückt. Man dürfe uns nicht unterschätzen.» Der Thurgauer platzt fast vor Stolz, ist aber auch ehrlich: «Noch 50 Meter mehr, und Voigt wäre an mir vorbeigezogen.» Der Weinfelder Gemeinderat Beat Curau beim Behördenempfang nach Markwalders Heimkehr: «Er ist bodenständig, hat null Starallüren.»

Wie schafft man das? Immer wieder diese Frage. «Militärradfahren, das hat vor allem mit Kraft zu tun.» Sein Erfolgsgeheimnis: stahlharte Wädli (Umfang 40 cm), stahlharte Oberschenkel (58 cm). Bei der Aushebung habe er gebettelt, der Fahrrad-Truppe zugeteilt zu werden. «Wir hatten eine sensationelle Kameradschaft. Jammerschade, dass diese Truppengattung 2001 aufgelöst wurde! Wir waren weltweit einzigartig.»

Seit zehn Jahren bestreitet Markwalder Militärrad-Rennen. Und ist der Überflieger: fünffacher Schweizer Meister, dreifacher Sieger beim Klassiker St. Gallen–Zürich (mit Gewehr auf dem Rücken). Einmal nahm er beim Radmarathon Bern–Bodensee–Bern teil – natürlich ebenfalls auf seinem Göppel mit dem einen Gang: 600 Kilometer in 28 Stunden, nur zwei, drei kurze Pausen. Immer dabei Frau Claudia: Die begeisterte Velofahrerin ist für die Massage zuständig.

Besonders stolz ist Daniel auf seinen Parforceritt vor drei Jahren auf die Schwägalp. Start im Toggenburg, 11 Kilo­meter bis zur Passhöhe, 12 Prozent Steigung. «Ich hielt nie an, fuhr grosse Bogen. Ich musste beissen, war echt am Anschlag.» 4500 Kilometer fährt Markwalder jährlich. Seine Stärke, den Sprint, habe er vor «Wetten, dass ...?» noch ganz speziell trainiert.

Es gibt Zvieri. Die Markwalders sitzen am Stubentisch, der Vater beisst in ein «Markwalder Wädli». Das ist die Spezialität, die ein pfiffiger Bäckermeister aus der Gegend spontan kreierte: Berliner, gefüllt mit Vanillesauce. 450 Stück produzierte die Bäckerei Mohn, nahm dafür die «Meitschibei» aus dem Sortiment. Bäckermeister Hermann Mohn: «Die Wädli gehen weg wie frische Weggli.»

Der Wettkönig lehnt sich zurück. Drei Tage vor «Wetten, dass ...?» machte er Bundesrat Ueli Maurer via Mail auf seinen Auftritt aufmerksam. Die Anrede: «Geschätzter Kamerad». – «Auch Maurer war in der Militärrad-Truppe. Schön, wenn er sich melden würde.»

Markwalder freut sich. Nächstens wird er seinen Wettkönig-Preis abholen können: einen Audi A5 Sportback, Katalogpreis CHF 70 000. Den Militär-Göppel wird er auch künftig mit seinem Renault Espace transportieren. «Der A5 wird der Sonntagswagen. Ist ja schliesslich ein Königspreis!»

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