Stefan Roos Der Held aller Mütter

Er stahl Baschi, Bligg und Stress die Show: Stefan Roos sang sich bei «Die grössten Schweizer Hits» in die Herzen der TV-Zuschauer. Mit einem Schlager. Dabei war der baldige zweifach-Papi mal ein richtiger Rocker!

Es ist der Teufel los im modernen, aber gemütlichen Einfamilienhaus der Familie Roos in Bad Ragaz SG. Immer wieder klingelt es an der Haustür, Nachbarn und Bekannte aus dem Dorf gratulieren und bringen Blumen vorbei. Das Handy – als Klingelton dient ein Jodel, was sonst? – läutet nonstop. Gerade war Christian Duss von Chue-Lee dran. Stefan Roos, 36, schüttelt den Kopf, überrascht, fast ein bisschen ungläubig: «Wahnsinn, wie die Leute sich mit mir freuen. Ich kann noch gar nicht glauben, was hier passiert. Für mich war es schon eine riesige Ehre, überhaupt für diese Fernsehsendung nominiert zu werden.»

Seit Roos sich als Erster gemeinsam mit den Sängerfreunden aus Appenzell fürs Finale der «Grössten Schweizer Hits» qualifizierte, gehört er zu den gefragtesten Männern der Schweiz. Wieder jodelt das Telefon, Roos zuckt mit den Schultern, sagt entschuldigend: «Eigent­lich sind wir doch ganz normale Leute.»

Seit 16 Jahren steht der Bad Ragazer als Schlagersänger auf der Bühne, komponiert und textet auch selbst. Davor sang er – in einer Hardrock-Band! «Als wir uns kennenlernten, coverte Stefan mit seiner Band noch AC/DC», erzählt seine Frau Karin, 35, lachend. «Kurz darauf wechselte er zum Schlager. Das fand ich mit 19 nicht so prickelnd.» Inzwischen hat sie sich aber mit dem Musik-Stil ihres Liebsten angefreundet und ist stolz auf ihren Mann. «In den Fest­zelten, in denen ich damals auftrat, wollte man halt eher Volkstümliches ­hören», erklärt Stefan.

So kams, dass er statt «Hells Bells» zuerst «Country Roads» sang und schliesslich bei «Das Herz ­einer Mutter» landete. «Ich merkte aber, dass mir der Schlager sehr viel Spass macht – auch wenn ich als Jugendlicher dafür oft von Gleichaltrigen be­lächelt wurde. Doch das war und ist mir egal. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig.» Und den Beweis, dass er mit seiner Musik genau den Geschmack der Schweizerinnen und Schweizer trifft, erhielt Stefan am 18. Oktober: 36,6 Prozent der TV-Zuschauer riefen für ihn an! «Ein unglaublicher Moment, als ich diesen Balken sah. Da hats mich richtig geschüttelt.

Freude herrscht auch unter Stefans Konkurrenz in der Volksmusik. «Ich freue mich sehr für ihn», sagt Melanie Oesch. «Sein Sieg ist ein Zeichen dafür, wie populär unsere Musik ist, auch wenn sie kaum im Radio gespielt wird. Stefans Song finde ich sehr gelungen. Er hat Ohrwurm-Charakter.»

Stefans grösster Fan aber misst gut 90 Zentimeter – und trällert sein Lied «Das Herz einer Mutter» auswendig. Dabei begleitet sich die Zwei­ein­halb­jährige selbst an einem Kinder-Piano. Adriana ist der Stolz von Stefan und Karin Roos. Und ein bisschen auch der Grund dafür, dass der Teilzeit- Hausmann seinen Hit schrieb: «Seit wir Adriana haben, merke ich, was Mütter alles leisten. Ein Kind ist ein 24-Stunden-Job.» Und Stefan weiss, wovon er spricht: Karin arbeitet vormittags auf einer Bank, dann ist ­Stefan für seine Tochter da. «Ich kümmere mich jeden Morgen um Adriana und koche auch das Mittagessen.» Ende April kommt das zweite Kind. «Wir wissen noch nicht, ob es für Adriana ein Brüderchen oder ein Schwesterchen gibt», sagt Stefan, «aber neugierig bin ich schon.» Adriana kann es kaum erwar­ten, dass das «Poppi» in Mamis Bauch endlich rauskommt.

Bis dahin hat Stefan Roos noch etwas Zeit, sich um seine Karriere zu kümmern. Gerade erschien seine vierte CD, die auch den Titel «Das Herz einer Mutter» trägt. Zusätzlich schrieb und singt er den offiziellen Song «Mein Heidi­land» für die Ferienregion Heidiland. Seit vier Jahren ist der Kaufmann professioneller Musiker, davor arbeitete er zwölf Jahre lang als Stellenvermittler auf dem RAV. Als sein Vater an Speise­röhren-Krebs erkrankte, stand Stefan fünf Jahre lang nicht mehr auf der Bühne, begleitete seinen Vater bis zu dessen Tod. «Das änderte mein Leben. Mir wurde bewusst, wie wichtig Werte wie Familie und Heimat sind.» Kurz darauf, am 16. Januar 2004 – dem Tag ihres Zehn-Jahre-Jubiläums –, machte Stefan seiner Karin einen Heiratsantrag. Zweieinhalb Jahre später kam Adriana zur Welt, vor zwei Jahren bezog die kleine Familie das lang erträumte Eigenheim.

Jetzt folgt Baby Nummer zwei – und eine Karriere, wie sie sich der beschei­de­ne Sänger noch vor Kurzem nicht zu erträumen wagte. Diese könnte noch durch einen Finalsieg bei den «Grössten Schweizer Hits» am 22. November gekrönt werden. «Ich kann mir kaum vor­stellen, dass ich eine Chance gegen Künstler wie Francine Jordi, Ritschi oder Züri West habe», sagt Stefan beschei­den. Wer weiss? Schliesslich hat Stefan Roos schon einmal alle überrascht – am meisten sich selbst!?

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