Fulvio Pelli Der «Nicht»-Kandidat

Vier welsche Frei­sinnige kandidieren für den Bundesrat – ein Fünfter stiehlt ihnen die Show: Parteipräsident Fulvio Pelli. Der Tessiner tritt vielleicht an, vielleicht nicht. Nun soll die Fraktion entscheiden.
Fulvio Pelli mit seiner Frau Claudia daheim in Sorengo. Das Foto entstand im Herbst 2007.
Fulvio Pelli mit seiner Frau Claudia daheim in Sorengo. Das Foto entstand im Herbst 2007.

Taktieren, schwadronieren, kal­kulieren – die Parteien schieben sich in Position für die Bundesratswahl vom 16. September. Dann entscheidet die Bundesversammlung, welcher Mann oder welche Frau den Walliser FDP-Hünen Pascal Couchepin ersetzt. Wer hat das Format dazu? Wer stammt aus der richtigen Region? Welche Partei soll überhaupt zum Zug kommen? Die FDP will ihren Sitz verteidigen, doch auch die CVP erhebt Anspruch. Selbst die SVP und die Grünen liebäugeln mit eigenen Kandidaten.

Fragen gibts viele, Antworten noch fast keine. Dafür viele Spekulationen. Und die richten sich vor allem auf einen Mann: FDP-Präsident Fulvio Pelli, 58. Er hat seine Kandidatur nicht angemeldet, seine Kantonalpartei portiert ihn dennoch zuhanden der Fraktion. In einem Interview mit der NZZ sagt der Tessiner: «Es ist nicht so, dass ich nicht am Bundesratsamt interessiert wäre.» Also ist er interessiert. Oder? Eine persönliche Anfrage bringt kein Licht ins Dunkel: «Es ist mir nicht möglich, mich als Bundesratskandidat interviewen zu lassen, bis eine Kandidatur feststeht. Und das ist nicht sicher.»

Er hat die ganze Prozedur schon mal über sich ergehen lassen. Vor sechs Jahren kandidierte Pelli als Nach-folger von Kaspar Villiger – auf das Zweier-ticket schafften es jedoch Christine Beerli und Hans-Rudolf Merz. Damals sagte Pelli, die Abstinenz des Tessins im Bundesrat sei nur erträglich, «wenn sie nicht zu lange dauert». Jetzt ist es genau zehn Jahre her.

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Fulvio Pelli gilt als zäher Chrampfer und guter Taktiker. «Ich bin kein Polit-Star», sagt er über sich – doch die Tessiner sehen ihn als genau das. Der Jurist und Vater von drei Töchtern ist tief im Kanton verwurzelt, seine Familie hat das politische Leben hier mitgeprägt: So regierte sein Vater 16 Jahre als Bürgermeister von Lugano, seine Grossmutter schaffte mit 77 Jahren gar noch den Sprung ins Kantonsparlament.

Und nun soll Fulvio Pelli in den Bundesrat. Für den Fall, dass die Wahl nicht klappt, hat er bereits ein Hintertürchen aufgestossen: «Es ist mein Wunsch, die Partei als Präsident durch die Wahlen 2011 zu führen.» Sein Signal ist deutlich: Er kann nur gewinnen. Entweder als Bundesrat oder als Parteipräsident.

Pellis Hin und Her kommt nicht überall gut an. FDP-Nationalrat Rolf Büttiker hält das Gebahren für eine «unglückliche Geschichte». Noch schärfer ist der Ton bei SVP-Kollege Christoph Mörgeli: «Pelli will sich wie Napoleon die Krone selber aufsetzen.» Auch bei der SP hat der Tessiner kaum Chancen – «nicht wählbar», meint deren Vizefraktionschef Andy Tschümperlin. Pellis Stern scheint zu sinken, bevor er richtig aufgegangen ist.

Andere Namen kommen ins Spiel – bei der FDP sind vier welsche Kandidaten im Rennen (Martine Brunschwig Graf, Pascal Broulis, Didier Burkhalter und Christian Lüscher). Die CVP weibelt derweil für ihren Ständerat Urs Schwaller, die SVP bringt Nationalrat Jean-François Rime ins Spiel und die Grünen portieren Ständerat Robert Cramer. Noch drei Wochen bis zu den Wahlen. Noch viel Zeit, um zu kalkulieren, zu schwadronieren und zu taktieren.


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